Die Medi-Spieler in der Einzelkritik

Mit dem frühzeitig feststehenden Klassenerhalt und dem Erreichen des zwölften Tabellenplatzes blickt Medi Bayreuth am Ende der Bundesliga-Hauptrunde 2015/16 auf die beste Saison seit dem Aufstieg 2010 zurück. Doch welche Beiträge haben die einzelnen Spieler dazu geleistet? Wer hat sich für ein weiteres Engagement empfohlen, wer erscheint bei der Zusammenstellung des neuen Teams für die kommenden Spielzeit 2016/17 entbehrlich? Diesen Fragen wird auf dieser Seite nachgegangen.

 

Nr. 6 John Flowers

Der Flügelspieler kam Ende Oktober vom französische Erstliga-Absteiger Bourg-en-Bresse zunächst nur zur Überbrückung der Verletzungszeit von Travis Leslie und sammelte schnell Argumente für eine Vertragsverlängerung bis zum Saisonende. Matchwinner war er mit einem Dreier in letzter Sekunde beim ersten Auswärtssieg der Saison in Gießen sowie als Topscorer mit 28 Punkten beim Überraschungserfolg gegen Oldenburg. Flowers präsentierte sich anfangs als variabler Allrounder mit starkem Distanzwurf, der den Duellen in unmittelbarer Korbnähe jedoch manchmal aus dem Weg ging.

Tendenz: Der Zweimetermann zeigte zum Saisonende eine stark abfallende Leistungskurve, war nur noch Mitläufer und konnte sich nicht für eine Weiterverpflichtung aufdrängen.

Statistik: 25:38 Minuten Einsatzzeit; 12,0 Punkte; 2,9 Rebounds; 0,5 Blocks; 1,1 Assists – Effizienz: 9,8.

 

Nr. 7 Daniel Mullings

Der junge Kanadier startete verhalten und konnte Eingewöhnungsprobleme nicht verbergen, steigerte sich jedoch kontinuierlich und eroberte in der Rückrunde mehrfach einen Platz in der Startformation. Er lebte von seinen herausragenden athletischen Voraussetzungen und seinem nimmermüden Kampfgeist, gab immer wieder wichtige Energieimpulse und sorgte für spektakuläre Flugeinlagen. Mullings muss aber weiter an seiner Ballbehandlung und seinem Wurf arbeiten.

Tendenz: Der Rookie dürfte nicht zu den finanziellen Schwergewichten im Team zählen und sollte noch einiges Potenzial haben. Zudem ist er ungemein beliebt bei den Fans. Es könnte spannend sein, das „Projekt Mullings“ weiter zu verfolgen.

Statistik: 15:48 Minuten Einsatzzeit; 5,2 Punkte; 1,9 Rebounds; 0,2 Blocks; 1,9 Assists – Effizienz: 5,3.

 

Nr. 8 Travis Leslie

Nach nur vier Saisonspielen musste Travis Leslie mit einem Adduktorensehnenriss eine mehrmonatige Pause bis über das Ende der Vorrunde hinaus einlegen. Er präsentierte sich danach als Spieler mit „Wühler-Mentalität“ und der Bereitschaft, genau dorthin zu gehen, wo es weh tut. Effizient am Brett, bester Rebounder zusammen mit Kenneth Horton, aber mit wackligem Distanzwurf.

Tendenz: Ein komplett fitter und in die Systeme integrierter Travis Leslie kann sicherlich eine Bereicherung für Medi Bayreuth und die BBL sein. Vermutlich wird der US-Amerikaner im Sommer aber einen erneuten Anlauf in Richtung NBA unternehmen.

Statistik: 21:13 Minuten Einsatzzeit; 11,8 Punkte; 4,8 Rebounds; 0,3 Blocks; 1,8 Assists – Effizienz: 13,2.

 

Nr. 9 Andrew Naymick

Der 30-jährige US-Amerikaner kam Anfang November nach einer erneuten Verletzung von Kendall Gray vom griechischen Erstligisten Aris Thessaloniki. Er stand zehnmal in der Startformation und zog Anfang Januar weiter zum japanischen Spitzenclub Tochigi Brex. Naymick präsentierte sich als defensivstarker Centerspieler und exzellenter Shotblocker: Sein Durchschnittswert von 2,1 Blocks pro Spiel stellt noch immer den Spitzenwert in der BBL dar. Offensiv sind seine Möglichkeiten jedoch limitiert.

Statistik: 21:19 Minuten Einsatzzeit; 5,4 Punkte; 3,9 Rebounds; 2,1 Blocks – Effizienz: 8,9.

 

Nr. 10 Bastian Doreth

Der Kapitän und A-Nationalspieler gab dem Team als gebürtiger Franke ein Stück Heimatverbundenheit und entwickelte sich nahezu ansatzlos zu dem Spieler, den man sich in Bayreuth schon lange gewünscht hatte: auf dem Feld ein echter Anführer mit großem Kämpferherz und zudem Bindeglied zu den Fans, „Kettenhund“ in der Defensive, stark im Ballvortrag. Qualitäten als Korbjäger deutete Doreth allerdings erst im Saisonendspurt an.

Tendenz: Bastian Doreth verlängerte seinen Vertrag bereits im vergangenen Februar vorzeitig um zwei Jahre bis zum Ende der Saison 2017/18.

Statistik: 28:29 Minuten Einsatzzeit; 4,9 Punkte; 2,4 Rebounds; 0,0 Blocks; 4,0 Assists – Effizienz: 7,9.

 

Nr. 11 Andreas Seiferth

Seine überraschende Verpflichtung Anfang Januar löste die Bayreuther Centerprobleme mit einem Schlag. Nach den Monaten auf der Bank beim FC Bayern München genoss er sichtlich das Vertrauen von Headcoach Michael Koch, tankte Sicherheit und Selbstvertrauen wieder auf. Seiferth stabilisierte das Bayreuther Spiel vorne wie hinten. Am Ende war er viertbester deutscher Werfer in der BBL mit gutem Auge für den Nebenmann, zuweilen allerdings mit leichten Problemen gegen sehr athletische und wendige Gegenspieler.

Tendenz: Andreas Seiferth tat es Kapitän Doreth gleich und verlängerte bereits im März seinen Vertrag um ebenfalls zwei weitere Jahre mit beidseitiger Ausstiegsoption nach der kommenden Saison.

Statistik: 27:51 Minuten Einsatzzeit; 10,8 Punkte; 4,7 Rebounds; 0,5 Blocks; 1,5 Assists – Effizienz: 10,8.

 

Nr. 12 Kendall Gray

Der junge US-Center fand als Nachfolger seines starken Landsmannes Javon McCrea einen langen Schatten vor und konnte aufgrund von wiederkehrenden Verletzungsproblemen nicht Fuß fassen. Gray kam insgesamt nur auf vier Pflichtspieleinsätze mit magerer Ausbeute und kehrte im Januar in die Vereinigten Staaten zurück.

Statistik: 16:03 Minuten Einsatzzeit; 4,3 Punkte; 2,3 Rebounds; 1,3 Blocks; 1,0 Assists – Effizienz: 5,5.

 

Nr. 14 Steve Wachalski

Der 33-jährige Rückkehrer aus Bonn erwies sich Glücksgriff und Allrounder auf den Positionen drei bis fünf. Stets war er ein Muster an Beständigkeit und Zuverlässigkeit. Wachalski fehlte nur in einem Spiel, beendete die Saison mit Karriere-Bestwerten in der BBL und einem Platz in den Top-Ten der deutschen Werfer.

Tendenz: Steve Wachalski steht noch für die kommende Spielzeit unter Vertrag – und das ist gut so.

Statistik: 24:16 Minuten Einsatzzeit; 9,2 Punkte; 3,6 Rebounds; 0,3 Blocks; 1,0 Assists – Effizienz: 10,0.

 

Nr. 15 Domagoj Bubalo

Weil Kendall Gray bereits im September verletzungsbedingt pausieren musste, absolvierte Domagoj Bubalo den Endspurt der Saisonvorbereitung und die ersten vier Saisonspiele bei Medi Bayreuth, ausgestattet mit einem Kurzzeitvertrag. Der etwas hüftsteif wirkende 2,12-Metermann konnte sich jedoch nicht für einen längerfristigen Vertrag empfehlen, kehrte zunächst zum estnischen Erstligisten Rapla zurück und spielt mittlerweile in Litauen bei BC Siauliai.

Statistik: 21:36 Minuten Einsatzzeit; 6,75 Punkte; 2,75 Rebounds; 0,5 Assists – Effizienz: 5,0.

 

Nr. 16 Enosch Wolf

Aufgrund des längerfristigen Verletzungsausfalls von Phillipp Heyden erhielt Enosch Wolf im September einen bis Mitte November befristeten Vertrag. Wolf, der schon bei den Telekom Baskets Bonn in der Saison 2013/14 den Sprung in die BBL verpasst hatte, blieb in allen Belangen unauffällig. Nach Ablauf seines Zeitvertrags wechselte er in die dritte spanische Liga zu Zornotza und überzeugt dort seither mit guten Statistiken.

Statistik: 7:44 Minuten Einsatzzeit; 1,3 Punkte; 0,9 Rebounds; 0,2 Blocks; 0,6 Assists – Effizienz: 1,4.

 

Nr. 17 Cameron Vines

Der amerikanische Spielmacher der Bayreuther Regionalligamannschaft musste mehrfach als zehnter Mann auf dem Spielberichtsbogen aushelfen. Er kam aber nur im Heimspiel gegen BB Bamberg (53:85) einmal zu einem Kurzeinsatz von 2:54 Minuten und konnte dabei keine zählbaren Erfolge hinterlassen.

 

Nr. 21 Jeff Xavier

Der 30-jährige Nationalspieler der Kapverden startete aufgrund seiner Teilnahme am Afrika-Cup erst verspätet in die Saisonvorbereitung, wirkte zuweilen wie ein Fremdkörper im Teamgefüge und fiel jenseits des Parketts nicht immer positiv auf. Er präsentierte sich zuweilen als starker Werfer und giftiger Verteidiger mit Führungsanspruch, aber auch dem Hang zum Eigensinn. Nach der Vertragsauflösung, über deren Gründe Verein und Spieler Stillschweigen vereinbarten, kehrte Xavier in die zweite spanische Liga zurück, wo er seither bei CB Breogan Lugo unter Vertrag steht.

Statistik: 21:41 Minuten Einsatzzeit; 10,2 Punkte; 2,2 Rebounds; 2,0 Assists – Effizienz: 7,6.

 

Nr. 22 Philipp Heyden

Der Pechvogel der Saison: Eine Knieverletzung aus der Spielzeit 2014/15 stoppte ihn bereits nach wenigen Trainingseinheiten in der Saisonvorbereitung. Danach kam er nie mehr richtig in Schwung, absolvierte insgesamt nur elf Spiele und musste auch im Saisonendspurt aufgrund gesundheitlicher Probleme aussetzen.

Tendenz: Für Phillipp Heyden wird es jetzt in erster Linie darum gehen, wieder richtig gesund zu werden. Keine Frage: Ein komplett belastbarer Phillipp Heyden wäre sicherlich ein interessanter Kandidat für eine Weiterverpflichtung.
Statistik: 10:16 Minuten Einsatzzeit; 2,8 Punkte; 1,5 Rebounds; 0,3; Blocks; 0,2 Assists – Effizienz: 2,1.

 

Nr. 23 Jake Odum

Die Topverpflichtung der Saison, „Herz und Hirn“ des Bayreuther Spiels: Odum stand deutlich länger als jeder andere Akteur auf dem Parkett, avancierte zum Topscorer, besten Vorbereiter, effizientesten Spieler und war zudem eine wichtige Größe im Rebound – kurzum: Odum präsentierte sich als echter „Floor General“ mit einem breiten Arsenal an Möglichkeiten.

Tendenz: Mit seinen durchweg starken Leistungen hat sich Odum in den Fokus zahlungskräftigerer Clubs gespielt. Im Lager von Medi Bayreuth wird man wohl bis an die Grenze des Machbaren gehen, um den komplettesten Aufbauspieler seit der Erstligarückkehr 2010 für eine weitere Saison zu binden. Eines scheint ihm zumindest in Bayreuth garantiert: Spielzeit!

Statistik: 34:43 Minuten Einsatzzeit; 14,3 Punkte; 4,3 Rebounds; 0,2 Blocks; 5,7 Assists – Effizienz: 16,2.

 

Nr. 24 Malte Ziegenhagen

Der College-Absolvent kam für die „+1-Position“, sprich: als junger, eher unbekannter Spieler mit Entwicklungsperspektive hinter drei ursprünglich gesetzten deutschen Spielern. Er identifizierte sich mit seiner Rolle und forderte das etablierte Personal im Trainingsbetrieb. Im Saisonendspurt verdiente er sich zwei Berufungen in die Startformation.

Tendenz: Malte Ziegenhagens Potenzial scheint noch nicht ausgeschöpft. Eine weitere Saison im Medi-Dress könnte für beide Seiten eine interessante Option sein.

Statistik: 5:36 Minuten Einsatzzeit; 1,4 Punkte; 0,2 Rebounds; 0,0 Blocks; 0,3 Assists – Effizienz: 0,2.

 

Nr. 30 Kenneth Horton

Der bewegliche US-Flügelspieler startete stark in die Saison und war nach einer Durststrecke zu Beginn der Rückrunde dann im Saisonendspurt wieder voll dabei. Am Ende war Horton zweitbester Werfer im Team und erfolgreichster Rebounder. Er zeichnete sich als gefährlicher Distanzschütze und zuverlässigster Bayreuther an der Freiwurflinie aus. Direkt am Brett war er gegen die Schwergewichte der Liga körperlich im Nachteil.

Tendenz: Horton legte mit seiner bärenstarken Vorstellung beim Saisonfinale in Weißenfels und einem Double-Double (21 Punkte, 16 Rebounds) noch ein paar Argumente in die Waagschale für eine Weiterverpflichtung.

Statistik: 26:11 Minuten Einsatzzeit; 12,4 Punkte; 4,8 Rebounds; 0,3 Blocks; 1,1 Assists – Effizienz: 13,4.

 

Nr. 41 Marius Adler

Der einheimische Nachwuchsspieler aus dem aktuellen NBBL-Kader absolvierte beim Heimsieg gegen die BG Göttingen (85:70) seine ersten Einsatzminuten in der Bundesliga.

Nicht bewertet

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Kommentare

Danke für den (versteckten) Hinweis, wir haben das betreffende Foto getauscht.
Heureka! Jetzt hab ich's (höchstwahrscheinlich) verstanden!

Während ich zum Schlagwort "Bartwuchs" ausschließlich das naheliegende und völlig harmlose Begriffspaar "Jugendlicher/Erwachsener" im Kopf hatte (was durch meine Formulierung "für einen Nachwuchsspieler bereits erstaunlichen Bartwuchs" eigentlich offensichtlich gewesen sein sollte), hatte manch anderer wohl - ungeachtet meiner klaren Formulierung - aus dem Bauch heraus ein ganz anderes (und durchauchs nicht unproblematisches) Begriffspaar vor Augen...

Welche Geheimnisse solche intuitiven Assoziationen über den jeweils Assoziierenden verraten, welche unbewussten Einstellungen jenseits der bewussten Fassade sich hier offenbaren (Sigmund Freud lässt grüßen!), darüber möchte ich an dieser Stelle nicht spekulieren...

Denn wie ein weiser Mann mir kürzlich gesagt hat: "Es gibt eben Dinge, die behält man besser für sich".

Mal ganz im Ernst: Bassd scho. Jeder schießt mal übers Ziel hinaus (ist mir auch schon passiert).
Na also! War alles nur Satire und die darf schließlich alles. Schade, dass der Disput darüber nun vom Hausherrn gelöscht wurde. War etwa die Task Force der Laienjuristen unter Leitung von "IM Victoria" schon vorsorglich in Aktion getreten?
http://vera-lengsfeld.de/2016/05/04/task-force-von-justizminister-mass-arbeitet-ohne-gesetzliche-grundlage/#more-264