Die Kreislaufwirtschaft Gartenschau

Meyer zu Helligen war an den letzten Tagen der Donaugartenschau in Deggendorf. Hat genau hingeschaut, wie die Gartenschau in Niederbayern funktioniert hat, hat eine Stärken- und Schwächenanalyse gemacht. Auch wenn Meyer zu Helligen einschränkend sagt: „Die Fragestellungen und Themenfelder der Gartenschauen sind häufig ähnlich, was den Bezug zum Wasser, zum Wegenetz und die Spielplätze angeht. Aber die Gartenschauen selbst sind dann doch grundverschieden.“

> Die Unterschiede: „Die Deggendorfer Gartenschau“, sagt Meyer zu Helligen, „war deutlich näher an der Innenstadt als die Bayreuther sein wird.“ In Bayreuth ist die Fläche mit 45 Hektar zweieinhalb mal so groß wie in Deggendorf. „Die Donaugartenschau hatte ein eher städtisches Konzept. Bei uns wird ein Landschaftspark gestaltet, ein neuer Naherholungsraum für die Bürger.“ In Deggendorf hatte die Donau eine fast trennende Wirkung, in Bayreuth wird der renaturierte Rote Main zusammen mit dem Auensee verbindende Wirkung haben. Die Kinderspielplätze – im Auenpark im gesamten Gelände verteilt, in Deggendorf konzentriert an einer Linie nahe der Donau – sollen nach der Gartenschau in Bayreuth auch den Wohngebieten zugute kommen. Ein besonders markanter Unterschied ist nach Meyer zu Helligens Worten das Wegenetz. Bei der Gartenschau 2016 gibt es Rundwege und Abkürzungen durch Verbindungswege. In Deggendorf mussten die Besucher immer weit laufen, um die Ausstellungsflächen zu erreichen. „Die beiden Hauptwege bilden eine Klammer um das Gelände.“ Und man hat von nahezu jedem Punkt einen Überblick über das Gelände.

> Die Gemeinsamkeiten: Die Ausstattungsgegenstände sind eine große Gemeinsamkeit der Gartenschauen. Zum Teil von der Landesgartenschau-Gesellschaft angeschafft, werden viele Teile wiederverwendet. Die Gartenschau als Kreislaufwirtschaft. „Die große Bühne, die schon in Bamberg und dann in Deggendorf war, Bauzäune, Fahrradständer, Pavillons, solche Dinge werden wiederverwendet. Manches kommt direkt zu uns, manches geht erst zur kleinen Gartenschau nach Alzenau.“ Vieles werde man aber auch dann nicht wiedererkennen, weil „das alles aufgepeppt und farblich verändert wird“. Manches hat direkt nach der Gartenschau in Bamberg den Weg nach Bayreuth gefunden. „Beispielsweise die Segelkonstruktion, die in einem Bereich als Bühne genutzt worden war, die lagert schon bei uns. Wir werden nach 2016 wahrscheinlich mit den Würzburgern reden, ob sie es uns abkaufen“, sagt Meyer zu Helligen. Der Vorteil eines solchen Kreislaufs: „Es hat sich bewährt, man kann damit planen. Und der Anschaffungspreis sinkt von Gartenschau zu Gartenschau.“

> Das Parkkonzept: Parken ist ein spannendes Thema jeder Gartenschau. In Bayreuth ist das nicht anders, vielleicht sogar noch ein bisschen interessanter, denn es gibt zwei Szenarien: „Ein ganz normales. Und eins mit Volksfestbetrieb.“ Meyer zu Helligen sagt, es werde im November eine Sitzung des Aufsichtsrats geben, der sich mit dem Thema Parken beschäftigen wird. „Anfang des nächsten Jahres kommt dann die Detailabstimmung. Gespräche gab es schon: mit der Handwerkskammer, den Schulen, mit den zuständigen Behörden.“ Parken, das sei immer ein Spagat zwischen dem, was man mit vertretbarem Aufwand machen könne, und dem, was wünschenswert wäre. Denn auch hier gelte der Nachhaltigkeitsgrundsatz. „Es wäre ein Widerspruch, wenn man für sechs Monate riesige Flächen neu schaffen würde.“ Klärungsbedarf gebe noch bei der Frage, „wer die Parkraumbewirtschaftung übernimmt. Ob das wir machen oder die Stadt“.

> Die Erwartung und die Kosten: In Deggendorf hatten die Organisatoren ein Lachen im Gesicht, denn die Gartenschau übertraf mit mehr als 800 000 Besuchern die Erwartungen deutlich. Gut 100 000 kamen mehr als geplant. Sie helfen, das Defizit zu reduzieren, das die Stadt tragen muss. In Bayreuth hofft man auf einen ähnlichen Effekt. „Wir kalkulieren mit 750 000 Besuchern“, sagt Meyer zu Helligen. Rund 9,8 Millionen Euro kostet es, die Gartenschau zu bauen. Bis zu neun Millionen Euro wird die inhaltliche Ausgestaltung mit den vielen Veranstaltungen kosten. „Das wird aus Eintritts- und Sponsorgengeldern gedeckt. Aber eben nicht ganz. Wir rechnen mit einem Defizit von 1,5 Millionen Euro. Das kann gesenkt werden, wenn mehr Besucher kommen.“

> Der Baufortschritt: „Die groben Arbeiten werden in dem Jahr fertig, dann kommen Feinarbeit und Pflanzungen“, sagt Meyer zu Helligen. In zwei – ausgebuchten – Exkursionen können heute Kurier-Leser erfahren, wie weit die Arbeiten schon gediehen sind.

Nicht bewertet

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Kommentare

... zum Thema Parken:

Böte sich nicht auch ein Park-and-Ride-System an?
Z.B. mit Parkmöglichkeiten nahe der Eremitage/Seulbitz - oder vielleicht sogar auf dem ehem. Kasernengelände an der Autobahn?

Gut für BT wäre sicher auch eine möglichst unkomplizierte gut beworbene Busverbindung in die Innenstadt, um die Hemmschwelle möglichst gering zu halten dort auch mal noch vorbeizuschauen ...

Vielleicht klappt es ja zumindest bis zur Landesgartenschau auch mit einer elektronischen Busabfahrtstafel am Hbf. - davon hätten nachhaltig auch die Einheimischen und Nicht-Gartenschautouristen was ;-)