Die Halbzeit-Bilanz der Medi-Gegner

Nur drei Siege trennen indes den Tabellenzweiten Alba Berlin von den achtplatzierten Baskets Oldenburg. Und auch am anderen Ende des Tableaus ist Spannung garantiert: Der Mitteldeutsche BC hat als Vierzehnter gerade einmal einen Sieg mehr auf dem Konto als die auf dem vorletzten Platz rangierenden Teams aus Göttingen, Gotha und Bremerhaven.

FC Bayern München

Bayern München steuert klar auf Titelkurs. Nur einmal musste sich der FCB bislang geschlagen geben – in eigener Halle gegen Würzburg. Das neue Guard-Duo Stefan Jovic und Braydon Hobbs hat die Probleme der Aufbau-Vergangenheit gelöst, das Centerduo Devin Booker und Maik Zirbes zählt zur europäischen Spitzenklasse. Mit ihrer langen Bank können die Münchner die Mehrfachbelastung aus Liga, Pokal und Eurocup gut wegstecken.

Ausblick: Die Münchner werden den hohen Erwartungen bislang vollauf gerecht. Der vierte Titelgewinn nach 1954, 1955 und 2014 wäre alles andere als eine Überraschung.

Alba Berlin

Die Handschrift von Alejandro Garcia Reneses ist nicht zu übersehen. Der spanische Trainer-Methusalem hat eine gute Mischung aus bewährtem, neuem und aufstrebendem Personal zusammengestellt und zur Halbserie den zweiten Platz mit einem beeindruckenden Auswärtserfolg in Ludwigsburg erobert. Insbesondere die jungen Spieler Bogdan Radosavljevic, Tim Schneider und Bennet Hundt sowie Rückkehrer Joshiko Saibou profitieren vom Vertrauen, das ihnen der spanische Trainerfuchs gibt. Mit dem 22-jährigen Steve Vasturia von der Notre Dame University soll nun ein weiteres Talent den Ausfall von Spencer Butterfield kompensieren.

Ausblick: Zur Saisonmitte tanzen die Berliner noch auf drei Hochzeiten in BBL, Pokal und Eurocup. Der achtfache Deutsche Meister präsentiert sich wesentlich harmonischer als in den Jahren zuvor, in denen er zweimal sang- und klanglos im Playoff-Viertelfinale scheiterte. Diese Saison ist mehr möglich.

Riesen Ludwigsburg

Die US-Neuzugänge Justin Sears, Dewayne Evans und Allstar Thomas Walkup bilden zusammen mit den bewährten Rückkehrern Adam Waleskowski und Kerron Johnson sowie der deutschen Centerentdeckung Johannes Thiemann ein starkes Gerüst, das die von hoher Intensität geprägte Spielphilosophie von Trainer John Patrick erfolgreich umzusetzen versteht.

Ausblick: Die Mischung stimmt bei den Ludwigsburgern, die bislang noch erfolgreich der Dreifachbelastung aus Liga, Pokal und Basketball Champions League trotzen. Die Schwaben sind ein sicherer Playoff-Kandidat.

Brose Bamberg

Das neuformierte Team des Meisters wurde immer wieder von Verletzungen (Harris, Mitrovic, Taylor) zurückgeworfen, jüngst reihte sich sogar Trainer Andrea Trinchieri (Schulter-OP) in die Verletztenliste ein. Zudem erwiesen sich nicht alle Neuen, allen voran Quincy Miller, als die erwarteten Verstärkungen. Nachbesserungen am Kader (Musli, Wright) waren erforderlich.

Ausblick: Mit sechs verlorenen Spielen haben die erfolgsverwöhnten Bamberger bereits jetzt doppelt so viele Niederlagen kassiert wie in den beiden Hauptrunden zuvor. Dennoch wird mit dem Meister noch zu rechnen sein, wenn die Belastung aus der Euroleague wegfällt, die Verletzten zurückkehren und man sich voll und ganz auf den Ligabetrieb konzentrieren kann.

TB Bonn

Im letzten Spiel der Hinrunde haben die Bonner einen Schatten auf einen ansonsten durchaus zufriedenstellenden Saisonverlauf gelegt: Vor eigenem Anhang verspielten sie gegen Kellerkind Eisbären Bremerhaven die Chance auf eine Teilnahme am diesjährigen Pokal-Wettbewerb. Wie schon in der Vorsaison wird das Spiel der Rheinländer stark von den beiden Allstars Josh Mayo und Julian Gamble sowie Defensivspezialist Yorman Polas Bartolo geprägt. Die Nachverpflichtung des Kroaten Tomislav Zubcic gibt den Bonnern Alternativen im Frontcourt.

Ausblick: Das Team von Trainer Predrag Krunic wird sich im weiteren Saisonverlauf ausschließlich auf den Ligawettbewerb und damit auf das nicht unrealistische Erreichen der Playoffs konzentrieren können, da dem Vorletzten in Gruppe D der Champions League das Aus droht.

Skyliners Frankfurt

Des einen Freud, des anderen Leid: Weil die Bonner gegen Bremerhaven patzten, sicherten sich die Hessen doch noch das Ticket zur Teilnahme an der Pokalqualifikation. Das bisherige Abschneiden des Tabellensiebten verdient Respekt angesichts einer langen Verletztenliste, die aktuell von Centerspieler Jonas Wohlfahrt-Bottermann und Liga-Topscorer Phil Scrubb (18,8 Punkte) angeführt wird.

Ausblick: Die Hessen haben bewiesen, dass sie Rückschläge wegstecken können. Wenn die Verletzten zurückkehren und neuerliche Ausfälle ausbleiben, sind die Skyliners ein heißer Kandidat für die Playoff-Teilnahme.

Baskets Oldenburg

Die Abgänge der Leistungsträger Chris Kramer und Brian Qvale erwiesen sich als schwerwiegender, als so mancher vermutet hatte. Starter Bryon Allen wurde Mitte Dezember durch seinen US-Landsmann Armani Moore ersetzt. „Es ist einfach nur so, dass hier zwei unterschiedliche Basketball-Philosophien aufeinandergetroffen sind, die so auf Dauer nicht zusammen funktionieren werden“, erklärte Sportdirektor Srdjan Klaric die überraschende Trennung vom bisherigen Topscorer.

Ausblick: Die Teilnahme an der Pokal-Qualifikation hat der Pokalsieger von 2015 bereits verpasst, mit einer Bilanz von 10:7 Siegen liegen die Huntestädter auf Platz acht gerade noch in den Playoff-Rängen und werden in der Rückrunde eine Schippe drauflegen müssen, damit es kein böses Erwachen gibt.

Ratiopharm Ulm

Das nahezu komplett neuformierte Ulmer Team hatte zu Beginn noch Sand im Getriebe. Zudem traf die Schwaben der Ausfall von Nationalcenter Tim Ohlbrecht hart. Den gewünschten Effekt brachte die Nachverpflichtung von Forward Jerrelle Benimon, mit dem die Ulmer ihre Präsenz an den Brettern deutlich verbesserten. Mit dem 26-jährigen kroatischen Nationalspieler Luka Babic, der derzeit nach einer Knorpelverletzung im Knie seinen Rehabilitationsprozess absolviert, hat der Tabellenneunte bei positivem Heilungsverlauf ein Ass für die heiße Saisonendphase im Ärmel.

Ausblick: Nach dem Ausscheiden im Eurocup kann sich die Mannschaft von Thorsten Leibenath auf das Ligageschäft konzentrieren. Mit Rückkehrer Ohlbrecht sollten sie ihre bisherige Erfolgsbilanz (9 Siege/7 Niederlagen) weiter aufpolieren können, die Playoffs sind dann Pflicht.

S.O. Würzburg

Eine erfolgreiche Kaderzusammenstellung sieht anders aus. Trainer Dirk Bauermann hatte im zurückliegenden Sommer kein wirklich glückliches Händchen, anders lassen sich die umfangreichen Nachbesserungen in der Hinrunde kaum erklären. Die US-Spieler DJ Richardson (Stal/POL) und Ryan Anderson, der Litauer Osvaldas Olisevicius (beide Zvaigzdes/LIT) und Andrej Mangold (Ziel unbekannt) mussten gehen, dafür gingen US-Distanzwerfer EJ Singler (Missisauga/G-League), Routinier Vaughn Duggins (Oldenburg) und der einst schon einmal für Phoenix Hagen aktive Kanadier Owen Klassen an Bord.

Ausblick: Die Unterfranken sind noch hinter den Erwartungen zurück. Wenn ihnen am Ende der Saison der Sprung unter die Top Acht gelingen soll, müssen sie jetzt in den Duellen gegen die unmittelbaren Playoff-Kontrahenten aus Bonn, Frankfurt, Oldenburg und Ulm punkten und Fehltritte gegen Underdogs vermeiden.

Gießen 46ers

Ingo Freyer ist bei den Hessen auf der Kommandobrücke sehr schnell aus dem Schatten von Denis Wucherer (jetzt Köln) herausgetreten. Kein Wunder, die Erfolgsbilanz des langjährigen Hagener Coaches mit acht Siegen und neun Niederlagen kann sich angesichts der begrenzten finanziellen Möglichkeiten sehen lassen. Die Hessen schnuppern an den Playoff-Plätzen, und das, obwohl sie zwischenzeitlich nur mit zwei etatmäßigen Kontingentspielern antreten konnten und den Kader mit Spielern aus dem ProB-Team auffüllen mussten. Exzellent eingeschlagen hat der zweimalige MVP John Bryant. Der US-Centerkoloss legt im Schnitt ein Double-Double auf das Parkett.

Ausblick: Die 46ers sehen einer entspannten Rückrunde entgegen. Der Klassenerhalt ist ihnen bereits jetzt so gut wie sicher, ein Mitmischen im Rennen um die hinteren Playoff-Plätze ist das neue Ziel.

Science City Jena

Mit sieben Siegen nimmt Jena einen Platz im gesicherten Mittelfeld ein. Die Mischung aus der Erfahrung der drei Routiniers Julius Jenkins, Derek Allen und Immanuel McElroy, der litauischen Nachverpflichtung Martynas Mazeika, dem ligaerfahrenen Ex-Gießener Skyler Bowlin auf der Aufbau-Position und dem letztjährigen ProA-Amerikaner Brandon Spearman ist bislang aufgegangen. Trainer Björn Harmsen bekam unlängst einen besonderen Vertrauensbeweis: Die Saalestädter statteten den 35-Jährigen mit einem unbefristeten Vertrag aus.

Ausblick: Die Saalestädter werden in der Rückrunde in den Duellen mit den Teams aus der hinteren Tabellenhälfte nicht zuletzt von ihrem immensen Erfahrungsschatz profitieren und die noch fehlenden Siege zu einem ungefährdeten Klassenerhalt einfahren.

Löwen Braunschweig

Die Niedersachsen haben mit sieben Erfolgen in der Hinrunde bereits einen Sieg mehr geholt als in der gesamten vergangenen Saison. Der Vorsprung auf die Abstiegsplätze beträgt aktuell vier Punkte. Coach Frank Menz hat eine gut funktionierende Einheit zusammengestellt, aus der Allstar Scott Eatherton als effizientester Spieler der BBL herausragt. Der US-Neuzugang ist mit 18,3 Punkten und neun Rebounds jeweils in den Top Drei der Liga vertreten.

Ausblick: Die Löwen haben bislang besser als erwartet abgeschnitten, die Stimmungslage im Kader dürfte demnach entsprechend positiv und somit eine gute Basis für einen erfolgreichen Kampf um den Klassenerhalt sein.

Mitteldeutscher BC

Trainer Igor Jovovic hat sein ProA-Meisterteam gezielt verstärkt und peilt den Klassenerhalt an. Mit bislang fünf Siegen befinden sich die Wölfe im Soll. Die Neuzugänge Lamont Jones, Djordje Drenovac, Jordan Sibert und Kruize Pinkins haben eingeschlagen, Verlass ist auf die beiden erfahrenen Leitwölfe Marcus Hatten und Djordje Pantelic.

Ausblick: Die Wölfe können den Klassenerhalt schaffen. Einige Hoffnung wird man darauf setzen, dass Aufstiegsheld Sergio Kerusch, der sich nach überstandener Krebsoperation im Team zurückmeldete, in der Rückrunde wieder an altes Leistungsvermögen anknüpfen kann.

Erfurt Rockets

Der Ausstieg von Namenssponsor Oettinger hat die großen Verletzungssorgen bei den Thüringern in den Hintergrund gedrängt. Unter diesen Voraussetzungen kann sich die Erfolgsbilanz des Aufsteigers mit bislang vier Siegen durchaus sehen lassen. Gesellschafterin Astrid Kollmar sorgte mit einer deutlich sechsstelligen Privateinlage dafür, dass der Spielbetrieb bei dem Liganeuling zumindest bis zum Saisonende aufrechterhalten werden kann. Auf der sportlichen Seite trifft die Thüringer der Abgang des Ex-Bayreuthers Ekene Ibekwe hart, Aufstiegsheld Darrel Mitchell wurde aussortiert. Nachfolger für die beiden Kontingentspieler wurden bislang nicht präsentiert.

Ausblick: Die Thüringer werden vermutlich bis zum Ende um den Klassenerhalt ringen müssen. Ob dieser erreicht werden kann, wird nicht zuletzt davon abhängen, ob man Ersatzverpflichtungen für Ibekwe und Mitchell vornehmen.

BG Göttingen

Die Niedersachsen haben die Hinrunde mit der längsten Negativserie (-7) und mageren vier Siegen auf dem vorletzten Tabellenplatz abgeschlossen. Trainer Johann Roijakkers bemängelte unlängst Einstellungsprobleme. Schwer getroffen hat die Niedersachsen der Ausfall von US-Center Darius Carter, seit dem kein einziger Sieg mehr gelingen wollte.

Ausblick: Mit Rückkehrer Harper Kamp im Front-Court auf der Carter-Position, den beiden erfahrenen US-Boys Michael Stockton und Bryon Rush sowie Jungnationalspieler Dominic Lockart sollten die Veilchen ausreichend Qualität im Kader haben, um die Klasse zu halten.

Eisbären Bremerhaven

Mit dem Sieg in Bonn haben die Eisbären am Ende einer ansonsten enttäuschenden Halbserie für ein Ausrufezeichen gesorgt. Mit nur zwei Siegen musste Trainer Sebastian Machowski kurz vor Weihnachten seinen Stuhl räumen. Im weiteren Saisonverlauf soll Geschäftsführer Arne Woltmann in Personalunion auch als Trainer den Karren aus dem Dreck ziehen. Die bisherige Erfolgsbilanz des ehemaligen A2-Bundestrainers gibt mit zwei Siegen und zwei Niederlagen Anlass zur Hoffnung.

Ausblick: Die Eisbären zählen bisher zu den großen Enttäuschungen. Spielmacher Jordan Hulls müht sich redlich, der Rest des Kaders unterliegt aber großen Leistungsschwankungen. Die Seestädter werden bis zum Ende um die Klasse kämpfen müssen.

Tigers Tübingen

„Die Zeit ist reif für eine gute Saison“, war Tigers-Geschäftsführer Robert Wintermantel vor der Saison optimistisch. Die Realität sieht anders aus: Mit lediglich einem Sieg tragen die Schwaben die rote Laterne, der Abstand zu den rettenden Plätzen beträgt bereits drei Siege. Trainer Mathias Fischer braucht in der Rückrunde Wunderheiler-Qualitäten.

Ausblick: Nach 14 Jahren Bundesligazugehörigkeit erscheint der Gang in die ProA für die Schwaben kaum noch abwendbar. Daran wird der Zugang des Ex-Bayreuthers Javon McCrea auf der Centerposition genauso wenig ändern können wie die noch ausstehende Verpflichtung eines Nachfolgers für US-Guard Kris Richard.

Nicht bewertet

Anzeige