Die Grünen: Elf Fragen an Susanne Bauer

1. Was ist das wichtigste, was ein Bayreuther Abgeordneter im Bundestag in der nächsten Wahlperiode für die Region erreichen muss?

Susanne Bauer: Die wertvolle ländliche Perspektive einzubringen. Mit all den Potentialen, was ökologische Landwirtschaft mit gesunden Nahrungsmitteln und dem Erhalt der Biodiversität betrifft, aber auch was alternative Mobilität an Infrastruktur und nachhaltigen Konzepten angeht. Die Themen Integration und Miteinander betreffend, haben wir im ländlichen Raum viel zu bieten: Das zu erhalten braucht Raum und Förderung.

2. Wie lange sollen noch Diesel-Pkw auf deutschen Straßen fahren dürfen?

Bauer: Nun, bis der TÜV uns scheidet: Wir setzen uns dafür ein, dass ab 2030 nur noch emissionsfreie PKWs neu zugelassen werden können. Das ist im Übrigen weit weniger ehrgeizig, als man das von uns als technisches Innovationsland erwarten könnte: da hat die Auto-Lobby bei der großen Koalition ganze Arbeit geleistet: auf Kosten von uns Verbrauchern, sowohl finanziell, als auch gesundheitlich.

3. Muss die nächste Bundesregierung eine jährliche Obergrenze für Flüchtlingszuzug einführen und durchsetzen?

Bauer: Nein. Das entspricht nicht den Menschenrechten und dem Grundgesetz. Was wir brauchen, sind Klimaschutz, vernünftige, anständige Handelsverträge und einen Stopp an Waffenexporten sowie einen Stopp bei der Überschwemmung der Drittmärkte mit den Produkten aus unserer subventionierten Überproduktion an Nahrungsmitteln, wie Milchpulver und Hähnchenteilen, um überhaupt erst mal Fluchtursachen zu bekämpfen. Und dann brauchen wir ein Einwanderungsgesetz, denn Deutschland braucht Zuwanderung.

4. Soll die Rente wieder stärker steigen als bisher abzusehen ist und wenn ja: Wer soll das bezahlen?

Bauer: Ja, aktuell herrscht Altersarmut – gerade auch bei vielen Frauen bei immer noch ungleichem Lohnniveau - und mit den schönen Zahlen zur Beschäftigungssituation in Deutschland wird darüber hinweggetäuscht, wie viele prekäre Arbeitsverhältnisse und Minijobs einen weiteren Anstieg an Menschen in existentiellen Nöten vorantreiben: Wir brauchen eine vernünftige Lohnpolitik, die Beteiligung von Großkonzernen und Großverdienern am Gemeinwohl und ein Ende der Utopie vom unbegrenzten Wachstum.

5. Was kann der Staat tun, damit in Deutschland die Geburtenrate steigt?

Bauer: Aktuell wird da viel verschlafen: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist bei weitem nicht ausreichend, und in vielen Orten sollte man besser schon einen Kita-Platz beantragt haben bevor frau schwanger wird. Zugleich ist der Fachkräftemangel gerade im sozialen Bereich, in den Berufen von Kinderpflege und Erziehung, bei schlechter Bezahlung deutliches Hemmnis bei der Berufswahl junger Menschen, von der Situation der Hebammen ganz zu schweigen. Und erst wenn es kein Armutsrisiko mehr darstellt, Kinder zu bekommen, werden sich wieder mehr Menschen auf dieses wunderbare Abenteuer einlassen.

6. Mit Donald Trump verschärfen sich internationale Konflikte. Wie soll sich Deutschland verhalten?

Bauer: Deutschland darf sich nicht beeinflussen lassen, wenn es um Handelsverträge, Rüstungsabkommen oder den Abbau mühsam erkämpfter Rechte in Verbraucherschutz, Arbeitsschutz und Umweltschutz geht. Es ist entscheidend, wie wir mit den gemeinsamen Übereinkünften, wie zum Beispiel mit dem kürzlich durch Herrn Trump aufgekündigten Pariser Klimaschutz-Abkommen umgehen. Ebenso entscheidend ist, wie Deutschland sich in und mit Europa für den Erhalt von Frieden einsetzt, zur Deeskalation beiträgt und  dabei Menschenrechte verteidigt.

7. Wer war für Sie der beste Kanzler/ die beste Kanzlerin und warum?

Bauer: Am sympathischsten war mir persönlich Willy Brandt: sein Kniefall im Warschauer Ghetto 1970 war eine mutige persönliche Entscheidung und wichtiger Akt der Versöhnung: davor ziehe ich meinen Hut.

8. Wenn Sie nicht in den Bundestag gewählt werden sollten, wer sollte dann das Direktmandat gewinnen?

Bauer: Wichtig ist, dass mit Lisa Badum unsere oberfränkische Spitzenkandidatin in den Bundestag einziehen wird. Für Bayreuth wünsche ich mir ein starkes Grünes Ergebnis und eine hohe Wahlbeteiligung: Anderswo kämpfen und sterben Menschen für dieses Recht!

9. Wer sollte es auf gar keinen Fall gewinnen?

Bauer: Alles, was Rechts ist.

10. Warum wollen Sie eigentlich unbedingt in den Bundestag?

Bauer: Dort – nur gefühlt „weit weg“ - werden die Weichen gestellt für unsere Handlungsspielräume vor Ort. Ob wir Frieden haben, ob wir unsere Ressourcen erhalten, so dass auch unsere Kinder noch sauberes Wasser, frische Luft und gesunde Nahrungsmittel vorfinden, ob wir Menschenrechte schützen und Tiere so behandeln, wie es uns im 21.Jahrhundert gebührt, ist entscheidend - nicht nur für uns in Deutschland. Da würde ich sehr gern mitwirken.

11. Was werden Sie beruflich machen, wenn Sie nicht in den Bundestag einziehen?

Bauer: Ich werde weiterhin als Leitung eines Soziotherapeutischen Zentrums tätig sein und mich dort für Inklusion und Teilhabe einsetzen, mit meinem Team gegen Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen kämpfen und mich mit dem BTHG und seinen Auswirkungen auf die psychiatrische Versorgung beschäftigen - Langeweile ist also nicht zu erwarten.

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