Alles Lüge? Die Franken schäumen

 In Franken wächst der Unmut über die vom Freistaat in diesem Jahr geplanten Feierlichkeiten zum 500. Jubiläum des bayerischen - angeblich ältesten - Bier-Reinheitsgebots. Denn die eigentliche Wiege des Bier-Reinheitsgebots stehe gar nicht in Altbayern, wie das Jubiläum suggeriere, sondern in Franken, sagte der Vorsitzende des Fränkischen Bundes, Wolfgang Hoderlein, der Deutschen Presse-Agentur. «Die Staatsregierung pflegt hier ein Klischee, das gar nicht von der historischen Faktenlage gedeckt ist», ist der frühere bayerische SPD-Chef überzeugt.

27 Jahre früher 

Denn bereits 27 Jahre vor dem Erlass des bayerischen Reinheitsgebots - am 12. Oktober 1489 - habe der Bamberger Fürstbischof Heinrich III. «für Bamberg und das Umland» ein Bier-Reinheitsgebot erlassen. Darin heißt es, dass im Bier «nicht mere denn Malz, Hopfen und Wasser verwendet» werden dürfe, berichtet Hoderlein. Dass es sich dabei keineswegs wie andernorts nur um ein lokales Reinheitsgebot handelt, hält Hoderlein für gesichert. Das Fürstbistum Bamberg umfasste damals weite Teile des heutigen Unter-, Mittel- und Oberfrankens.

Bamberger Staatsarchiv

Hoderlein beruft sich dabei auf eine 2014 im Bamberger Staatsarchiv aufgetauchte, von Fürstbischof Heinrich III. erlassene «Ungeldverordnung». Bei der Verordnung sei es dem Bischof wohl weniger um die Reinheit des Bieres als um den Schutz des Weizens als Brotgetreide und um sichere Einnahmen aus der neuen Biersteuer gegangen. Ein Archivar des Bamberger Staatsarchivs habe das Dokument vor zwei Jahren entdeckt, sagte der Chef des Fränkischen Bundes. Der Verein setzt sich seit 25 Jahren für fränkische Interessen im Freistaat Bayern ein.

Ausstellung problematisch

Vor dem Hintergrund der neu aufgetauchten Fakten hält Hoderlein auch die aus Anlass des 500. Jubiläums geplante Landesausstellung des Hauses der Bayerischen Geschichte im Kloster Aldersbach bei Passau für problematisch. Er finde zwar die Idee gut, das populäre Thema «Bier» zum Thema einer solchen Ausstellung zu machen. Aber: «Ich erwarte eine faire Darstellung der Vielfalt der historischen Reinheitsgebote im süddeutschen Raum.»

Der Bayerische Brauerbund hatte bereits eingeräumt, dass es neben dem bayerischen Reinheitsgebot bereits örtlich begrenzte Vorschriften zum Bierbrauen gab: 1156 für Augsburg, 1293 für Nürnberg, 1363 für München und 1447 für Regensburg.

Verwunderung

Überrascht zeigte sich Hoderlein auch, dass der Freistaat die Bier-Landesausstellung in Aldersbach ausrichten will. «Ich hätte wenigstens erwartet, dass man so was in Ingolstadt macht.» Denn dort, und nicht in Aldersbach, hätten im April 1516 die beiden Bayern-Herzöge seinerzeit die Bier-Verordnung erlassen. Was Staatsregierung und Brauerbund nach Einschätzung Hoderleins bei dem Jubiläum ebenfalls unerwähnt lassen: Das Herzogtum Bayern von damals sei mit dem heutigen Freistaat Bayern gar nicht vergleichbar. «Bayern bestand damals gerade mal aus Ober- und Niederbayern.»

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Kommentare

Ist ja nicht so, als ob seit 500 Jahren (+/-) alle ständig "Reinheitsgebot" schreien oder gar danach brauen. Die Bezeichnung „Reinheitsgebot“ taucht nämlich zum ersten Mal (!) erst in einem Sitzungsprotokoll des bayerischen Landtags vom 4. März 1918 auf. Und wer brachte es rein? Der Abgeordnete Rauch, der zufällig bei der Akademie für Landwirtschaft und Brauerei Weihenstephan tätig war. Er hatte eine Vorschrift von 1516 als Tradition hervorgekramt. Eine, die eben gerade griffbereit war, um den Punkt zu machen und mit dem Wort „Reinheitsgebot“ und der aufgedrückten "Tradition" in einem um diese Zeit herum härteren und immer mehr überregional/international werdenden Werbewettkampf zu bestehen und herauszustechen. Clever.

Was wir hier als uralte Tradition feiern und knallhart verteidigen, war letztlich eine PR-Aktion. Ursprung: Weihenstephan. Und das können sie immer noch, die Bayern: sich verkaufen und poltern. Die CSU hat ja zum Beispiel auch die Alpen erfunden. Und den weißblauen Himmel. Wir Franken stellen uns - sieht man hier - mal wieder etwas ungeschickter an. Bei gleichem Himmel und besserem Bier...
...TYPISCH Franken! Viel Lärm um nichts...beleidigte Leberwurst...recht haben sie,
die Altneihauser Feierwehrkapelln...
Der Klarinettist der Altneihausener kommt aus Marktredwitz!
Oba...wos wohr is wohr!
Ich werde demnächst einen Jodelkurs belegen und mir ein altbaierisches "Gwand" kaufen, um auf der Zeit zu sein.
Lederhose, Haferlschuhe und Gamsbarthut. So stellt sich Obama nicht den Baiern, sondern den Deutschen vor.
...wouer is wos oners...die Oberpfälzer sind da viel entspannter...die legen nicht
jedes Wort auf die Goldwaage...ich glaube, dass die Franken prinzipiell so reagieren...
MIMOSENHAFT gegenüber Ober- und Niederbayern...und überheblich gegen
die Pfalz...Franken ist für sie das Gelbe vom Ei...aber sich dann Hochfranken nennen,
weil Oberfranken negativ sein soll...
In der Oberpfalz weiß man auch nicht, was ein "Seidla Bier" ist. Dort heißt es "eine Hoalbe".
...GENAU! An dem liegt's! Die Sprachbarriere...
Das Problem Altbaiern und Franken ist erst dann ausgestanden, wenn sich die Franken ohne wenn und aber in Baiern integriert haben.
Deshalb der Jodelkurs, Lederhosen und Gamsbarthut. Und bayerisches Bier!