Die Festspiele der Blumen

Die Festspielstadt Bayreuth hat eine Attraktion mehr. Nicht nur sechs Monate lang. Sondern auf Dauer. Davon ist nicht nur Merk-Erbe überzeugt. Das sagt auch die Umweltministerin Ulrike Scharf bei der launigen Eröfnungsveranstaltung auf der Seebühne im Hammerstätter See, an der neben den rund 1400 geladenen Gästen gut 1500 Besucher der ersten Gartenschau-Stunden dabei sind. Markgräfin Wilhelmine (Sylvia Guhr) und Richard Wagner (Ronny Schuster) rollen im Zweispänner ein, führen durch die gut einstündige Einweihung. Und sie sparen nicht mit Seitenhieben. "Parsifal-Aue" oder "Klingsors Zaubergarten", frotzelt Richard Wagner, hätte er sich ja noch eingehen lassen. "Aber Wilhelminenaue. Ich weiß nicht recht!" Was natürlich die strahlende Stimmung Wilhelmines nicht trüben kann."Uncharmant" sei er, dieser sächselnde Komponist.

Natur spielt ihre eigene Symphonie

Das gilt auch für Ulrike Scharf. In Anlehnung an das Landesgartenschau-Motto "Musik für die Augen" sagt Scharf: "Die Natur spielt ihre eigene Symphonie." Bayreuth habe das Bestreben des Freistaats, Grün in die Stadt zu bringen, "vorbildlich aufgenommen". Die Stadt, die Natur und die Menschen werden etwas von der Landesgartenschau haben. Dauerhaft und nachhaltig. Für die Bürger bringe die Gartenschau ein Plus an Lebensqualität. "Sie ist Impulsgeber für den Tourismus." Handel und Handwerk profitierten obendrein davon. "Der Gewinn für die Natur ist groß. Vögel, Kleintiere, Insekten finden einen neuen Lebensraum und neue Rückzugsmöglichkeiten." Die Renaturierung des Roten Mains als flankierende Maßnahme der Gartenschau sei ebenso "eine wichtige Maßnahme für den Artenschutz. Zahlreiche Tiere haben sich ihren neuen Lebensraum schon erschlossen".

Projekt der ganzen Bürgerschaft

Anknüpfend an Merk-Erbes Aussage, dass die Gartenschau von Anfang an "ein Projekt der ganzen Bürgerschaft war", sagt Scharf: "Bayreuth hat die Bürger vorbildhaft an der Planung der Spielplätze und der Fläche beteiligt", die von den Berliner Architekten von Hahn Hertling von Hantelmann planerisch umgesetzt worden war. "Die Hinführung der Menschen zur Natur ist eines der wichtigsten Dinge. Umweltbildung ist auch ein wichtiger Weg zur Integration. Eine der größten Herausforderungen unserer Zeit", sagt Scharf, bevor sie das Blumenband durchschneidet und die größte Gartenschau aller Zeiten eröffnet. "Ein Satz, auf den ich mich lange gefreut habe: ich erkläre die Landesgartenschau in Bayreuth für eröffnet."

 

 

Kritik an den Grünen

Roland Albert, der Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landesgartenschauen, verspricht "171 erlebnisreiche Tage in einem der Kulturzentren Europas". Bayreuth habe bei der Bewerbung 2009 überzeugt. "Nicht nur mit dem vergewaltigten Roten Main konnte der damalige Oberbürgermeister Michael Hohl uns den Bedarf vor Augen führen. Eine Herausforderung für die Gesellschaft, die Grün in die Stadt bringt." Bayreuth habe daraus etwas "Einmaliges gemacht: Einen Landschaftspark als verbindendes Element zwischen der Eremitage und der Stadt, sagt Albert, der mit der Vizepräsidentin des Landtags, der Bayreuther Grünen-Abgeordneten Ulrike Gote, in seiner Ansprache abrechnet. Gote hatte vor zwei Wochen in einer Mitteilung die Vergabepraxis der Gartenschauen gerügt und einen Vergleich zu den Korruptionsvorwürfen der Fifa gezogen. Die Bezeichung als "Gartenbau-Fifa", sagt Albert, lasse er in einem Punkt gelten: "Wir bringen, wie der Fußball, Jahr für Jahr Hunderttausende Menschen in die Gärten." Und: "Wir brauchen die Landesgartenschauen. Um das Grün in den Städten zu erhalten." Und neues zu schaffen.

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Kommentare

Endlich ein Bericht über die Landesgartenschau, in dem "Wilhelninenaue" nicht vorkommt. Es liegen dort übrigens zwei Prospekte mit einem Geländeplan aus. Während im alten noch quer über das ganze Glände "Wilhelninenaue" zu lesen ist, steht da im neuen überhaupt nicht mehr. Man hat offenbar gelernt, dass es seit über 250 Jahren eien Brandenburger Gutsbezirk gleichen Namens gibt.
Zum Foto: Woher kommt der Darsteller des "Alten Fritz" (zweiter von links)?
Aus Brandenburg. Wilhelminenaue...
Die Essens- und Getränkepreise sind daraufhin ausgelegt, Touristen abzukassieren. Deshalb: Proviant mitnehmen oder vor und nach dem Besuch essen und trinken.
Dort gibt's halt kein Freibier! :-P
@kiepfer: es ist nun mal darauf ausgelegt etwas zu verdienen. davon profitiert dann übrigens die stadt in der sie wohnen ;)