Die besten Schüler, die er jemals hatte

Vergangene Woche war so ein Moment. Da nahm Dembowski zum letzten Mal an den Klassenkonferenzen zum Schuljahresende teil. Und dachte sich: „Na, ein oder zwei Jahre könntest du das schon noch machen.“ Geht aber schon aus Altersgründen nicht. Mit 65 ist nun mal Schluss für Pädagogen.

Schulchef als Bauöeiter

Aber da ist eben auch die Vorfreude auf die neu gewonnene Freiheit von allerlei bürokratischen Zwängen. Und damit auf mehr Freizeit. Denn die war knapp, nachdem Dembowski vor sechs Jahren Chef des Gymnasiums wurde. Musste er doch gleich als Bauleiter aktiv werden - „und dafür bin ich nicht ausgebildet“. In diese Aufgabe musste er sich hineingraben, war die Generalsanierung doch erst 2015 abgeschlossen. Wobei: „So ganz ist sie das immer noch nicht, es lief erst ein Prozess wegen des Dachs der neuen Turnhalle.“ Da wurde Baupfusch betrieben, jetzt gilt es nachzubessern. Eine ähnliche Situation wie an der benachbarten Justizakademie. Auch dort Pfusch, auch dort teures Nacharbeiten, auch dort ist die Firma, die das zu verantworten hatte, längst pleite.

Von außen beneidet

Doch das ändere nichts an der Tatsache, „dass wir hier jetzt eine richtig schöne Schule haben, um die uns viele, die von außen aus Großstadtschulen kommen und das sehen, sehr beneiden.“ Allein schon mit Blick auf die technische Ausstattung. Darauf sei er schon stolz: „Ich sah es als eine meiner Hauptaufgaben, das Gymnasium auf den neuesten technischen Stand zu bringen.“ Dieses Ziel habe er erreicht. Drei PC-Räume mit neuen Computern, Beamer und Dokumentenkameras in jedem Klassenzimmer, ganze Klassensätze von i-Pads. Was Dembowski aber am meisten schätzt aus seiner Pegnitzer Zeit: „Ich habe in meiner Laufbahn sieben Stationen absolviert, aber ich traf noch nie auf so gewissenhafte, hilfsbereite, leistungswillige und aufgeschlossene Schüler wie hier, das waren mit Abstand die besten.“ Das werde die prägendste Erinnerung an dieses Endkapitel seiner schulischen Laufbahn bleiben. Klar, Probleme gebe es an jeder Schule. In Pegnitz jedoch eher selten und immer seien sie lösbar gewesen.

Im Biotop Pegnitz nie so recht angekommen

Ist er in den sechs Jahren ein Pegnitzer geworden? Nur bedingt, gibt er zu: „In diesem Biotop Pegnitz bin ich nie richtig angekommen.“ Was natürlich auch daran liegt, dass sein Wohnsitz in Nürnberg ist, er täglich pendeln musste und dabei so mal eben 120 000 Kilometer abgerissen hat. Der Schule sei daraus nie ein Schaden entstanden – „zu spät kam ich nur zweimal bei Unfällen auf der Autobahn“. Außerdem sei so eine gewisse Distanz zu den lokalen Gegebenheiten oft sogar ganz nützlich.

Skepsis folgte Vertrauen

Nicht nur mit den Schülern, auch mit den Lehrern kam er gut klar, sagt Dembowski. Er sei vom Kollegium von Anfang an vertrauensvoll aufgenommen worden, „auch wenn da bei einigen am Anfang natürlich eine gewisse Skepsis da war, was ist das für einer, was will er.“ Und, erneut ja, auch hier gab es den einen oder anderen Disput zu verzeichnen, gab es mal Ärger. Aber das sei ja kein Wunder bei rund 70 Lehrkräften, „das ist doch in jedem Unternehmen so“. Doch unter dem Strich sei es ein „sehr angenehmes Miteinander“ gewesen. Worauf er noch stolz ist? Nun, eben auf seine Schüler. Die waren nämlich nicht nur recht artig, sondern auch erfolgreich.

Worauf er stolz ist

Gleich in seinem ersten Jahr in Pegnitz schaffte es eine als Hochbegabte ins Maximilianeum nach München – „da träumen manche Schulleiter ihr ganzes Berufsleben davon“ –, bei Wettbewerben von Sparkassen und Banken, wie dem Planspiel Börse, sackten Pegnitzer Gymnasiasten rund 50 000 Euro ein. Nicht für die Schule: „Das meiste wurde als Spende weitergegeben, an die Hungerhilfe Pegnitz, an die Flüchtlinge, an sonstige soziale Zwecke – auch das ist alles andere als selbstverständlich“.

Eigentlich zu klein für drei Ausbildungszweige

Stolz ist er auch darauf, dass der sozialwissenschaftliche Ausbildungszweig, den noch sein Vorgänger Rainer Roth auf den Weg brachte, so gut eingeschlagen hat. Fast schon zu gut: „Das läuft so prima, dass die Kollegen der anderen Zweige sich schon Sorgen um ihre Schülerzahlen machen.“ Eigentlich seien drei Richtungen für eine Schule dieser Größenordnung mit zurzeit 720 Schülern zu viel, „das wirbelt unser Budget bei den Lehrerstunden durcheinander, bei großen Schulen mit 1000 Schülern und mehr ist das kein Problem. Aber wir kriegen das hin“.

Wegen der Reife: Immer für G9

Zumal ja Besserung in Sicht sei. Was mit dem Thema G 8/G 9 zu tun hat. Einem Thema, mit dem Hermann Dembowski „Gottseidank“ nichts mehr zu tun haben wird. Also mit der beschlossenen Rückkehr zum G 9, das in dem scheidenden Pegnitzer Schulleiter einen großen Befürworter hat. Nicht ohne Grund hieß das Abiturzeugnis früher Reifezeugnis, sagt er – „und viele Schüler, wenn auch nicht alle, sind halt mit 17 oder gerade 18 noch nicht reif genug, um zu wissen, wo sie ihr Weg hinführt“. Ganz zu schweigen davon, dass Lehrstoff da nicht mehr vertieft, sondern nur noch in die Schüler hineingestopft werde. Und nach in paar Wochen ist er weg aus dem Kopf. Bulimie-Lernen sei das, so Dembowski.

Nun ruft das Saxofon

Und was macht Dembowski jetzt mit seiner neuen Freiheit? Sich Dingen widmen, die zu kurz kamen. Dem Sport treiben zum Beispiel. Und seiner alten Liebe, der Jazzmusik, der er früher in mehreren Bands frönte – als Saxofonist. Und da ist dann kein Gefühlschaos mehr. Darauf freut er sich einfach...

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