Die Aktien hat einen neuen Vorstand

 

Der Mann brennt für Bier. Am Dienstagabend wird Hans-Joachim Leipold offiziell das erste Fass Bock anstechen beim Bockbieranstich auf dem Herzogkeller. Einem Ort, an dem das Bier der Bayreuther Bierbrauerei AG, der Aktien-Brauerei, seine Heimat hat. Im Gespräch mit dem Kurier spricht Leipold von zwei Welten, in denen er unterwegs ist. Die eine, seine bisherige Welt, ist die große Welt von Maisel. Die kleine, nicht minder spannende Welt ist die der Aktien. Die Spezialitätenbrauerei, "die den Begriff Heimat noch stärker spielt als Maisel. Eine Heimat, die hier vor Ort verwurzelt sein muss".

Dem lokalen Markt eigentlich entwachsen

Dabei ist die Aktien dem lokalen Markt, anders als andere Brauereien längst entwachsen. Die Brauerei, sagt Leipold, steht "sehr gut da". Über die Jahre hinweg habe sich die Brauerei entwickelt. In eine Richtung: nach oben. Genau zur richtigen zeit habe die Aktien den Trend der Zeit erkannt und auf die Bügelverschlussflasche gesetzt mit den Sorten Zwick'l, Original und dem Landbier. "Mit Zwick'l sind wir im Bügelbereich bei den Kellerbieren national an zweiter Stelle. Das ist schon eine Nummer", sagt Leipold. "Der Spezialitätenbereich hat sich deutschlandweit entwickelt", sagt Leipold. Aktien ist vorne mit dabei. Andere, sehr viel größere Brauer ziehen nach. "Mit Pils gewinnst du keinen Krieg mehr."

Das Hell traf den Nerv

Auch mit einem anderen Bier habe die Bayreuther Bierbrauerei AG "den Nerv getroffen", sagt der neue Vorstand: "Mit dem Bayreuther Hell." Ganz vorne tummeln sich Augustiner, dann das Tegernseer Brauhaus, "dann kommen schon irgendwann wir". Dabei ist das Bier im blauen Kasten und der alten bauchigen Euroflasche erst vier Jahre auf dem Markt. "Die Leute brauchen Bilder im Kopf", sagt Leipold. "Natürlich muss das Produkt passen, allein die Verpackung macht es nicht." Aber als unkompliziertes Bier erobere sich das Bayreuther Hell aktuell die Märkte, in Berlin etwa ist es auf dem Weg zum In-Bier. "Auch weil wir da in den Spätis mit drin sind." Den legendären Kiosken, die bis spät am Abend offen haben, die Kultstatus haben in Berlin. Zahlen über Ausstoß und Umsatz gibt es von Hans-Joachim Leipold nicht. Nur eine Tendenz: "Die Aktien hat sich in den vergangenen Jahren überproportional zum Markt bewegt."

Peter Rutzenhöfer hat die Brauerei auf hohem Level gehalten

Es sei, sagt er auf Nachfrage, "von der Persönlichkeit her schwer, in die Fußstapfen von Peter Rutzenhöfer zu treten". Rutzenhöfer habe das Erbe von Andreas Maisel angetreten und "auf dem hohen Level gehalten". Er habe in den vergangenen 17 Jahren die Entwicklung der Aktien permanent verfolgt, sei mit Peter Rutzenhöfer "über das operative Geschäft eng vernetzt" gewesen, was den Einstieg für ihn leichter mache. "Und mit Jeff Maisel habe ich einen starken Aufsichtsrat an der Seite."

"Ich muss da reinwachsen"

"Ich muss da reinwachsen", sagt Leipold - die Bayreuther Honoratioren, die Peter Rutzenhöfer alle kannte, kennen lernen. Veranstaltungen wie der Bockbieranstich im Herzogkeller seien eine gute Gelegenheit dazu. Für die Zukunft liegen laut Leipold "schon ein paar Sachen in der Schublade. Dinge, die nicht von mir sind". Sein Ziel sei, das Aktien-Areal an der Kulmbacher Straße so zu beleben, dass es die Heimat, das Bodenständige der Brauerei widerspiegle. Der Aktienkeller ist geschlossen, auch den Hörsaal will Leipold erst einmal nicht wieder öffnen. Aber: "Die Katakomben werden gut angenommen, gegebenenfalls richten wir den Sudkessel als Gesellschaftsraum her. Mit gediegener, schöner Atmosphäre. Allerdings nicht als Konkurrenz zur Gastronomie in der Stadt."

Die Aktienbrauerei selbst, an der die Brauerei Maisel den allergrößten Aktien-Anteil hält, soll die Spezialiätenbrauerei bleiben. "Die Aktien bleibt am Puls der Zeit", sagt Leipold.

Thema Bier begleitet Leipold sein gesamtes Berufsleben lang

Das Thema Bier begleitet Hans-Joachim Leipold, den sie in der Brauerei Maisel, in der das Du hoch im Kurs steht, Hajo rufen, sein gesamtes Berufsleben lang. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre startet er in der Nachbarstadt Kulmbach bei der damals noch eigenständigen Reichelbräu - eine AG wie heute noch die Aktien-Brauerei - als Direktions-Assistent. "Drei Jahre war ich an Paulaner ausgeliehen, um reinschnuppern zu können", sagt Leipold im Gespräch mit unserer Zeitung. Danach wechselt Leipold wieder zurück nach Kulmbach und übernimmt die Verkaufsleitung.

Nach der Zusammenlegung der Kulmbacher Brauereien kommt 2000 der Wechsel: Leipold kommt nach Bayreuth. Erst als Verkaufsleiter für den Heimatmarkt, "also alles, was wir in der Direktlogistik für Gastronomie und Handel fahren". Zwei Jahre später wird Leipold Vertriebsdirektor für die Gastronomie für ganz Deutschland.

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Montag, 13. November 2017 - 11:06