Deutschlands bester Gießereimechaniker

Eigentlich hätte es Jakob Reinke ja wissen müssen. Sein Großvater hatte schon in einer Gießerei gearbeitet und sein Vater auch. "Aber mit 18 habe ich gedacht: Bloß nicht das machen, was der Vater macht." Und so begann er nach dem Abitur am Bayreuther Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium ein Lehramtsstudium, um nach einiger Zeit doch zu merken, "dass ich mir das ganz anders vorgestellt habe". Viel zu viel Theorie. Also Studienabbruch, eine Episode als Hilfskoch und dann Praktika, auch in einer Gießerei. Um schließlich - Großvater und Vater hin oder her - doch eine entsprechende Ausbildung zu beginnen. In der Abschlussprüfung aus Theorie und Praxis kam er auf 97 Prozent - besser war in ganz Deutschland niemand.

 

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Für Bernd Rehorz, Leiter berufliche Bildung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Oberfranken (Bayreuth), ist Reinke ein Paradebeispiel dafür, welche Möglichkeiten die duale Ausbildung nicht zuletzt auch für Studienabbrecher bietet. Wobei es eine entscheidende Hürde zu überwinden gebe: "Man muss ihnen klarmachen, dass es keine Schande ist, einen anderen Weg einzuschlagen. Es gibt viele, die erst erkennen müssen, dass ihnen eine praktischer orientierte Ausbildung mehr liegt." Um dabei voranzukommen, arbeite die Kammer zunehmend mit den regionalen Hochschulen zusammen und richte jetzt an den eigenen Bildungszentren fixe Beratungstermine für Studienabbrecher ein. Denn die seien bei den händeringend nach Nachwuchs und Fachkräften suchenden Unternehmen gefragt. Rund fünf Prozent der Lehrverträge im IHK-Bezirk seien mittlerweile an Studienabbrecher vergeben, schätzt Rehorz und verweist darauf, dass die Fortbildungen zum Industriemeister oder Fachwirt mittlerweile dem universitären Bachelor gleichgestellt sind. Was ebenfalls den Weg in Führungspositionen ebne.

Weg in Führungspositionen

Diesen Weg will jetzt auch Jakob Reinke gehen. Sein Chef, Firmeninhaber Mathias Trompetter, sagt jedenfalls: "Bei uns stehen ihm alle Türen offen." Er übernimmt die Kosten für den Meisterkurs in Stuttgart, den Reinke nach der IHK-Ausbildereignungsprüfung angehen will. "So ein Talent wollen wir uns natürlich langfristig sichern", sagt Trompetter, der am Stammsitz in Bindlach rund 110 und nochmal etwa 60 Mitarbeiter in einem Zweigwerk nahe dem tschechischen Karlsbad beschäftigt. Die Gussteile gehen dann in die Industrie, namhafte Kunden sind Fendt, Siemens, Miele oder KSB.

Kopf und Hände

Reinke gefällt an seinem Beruf, "dass man Kopf und Hände gleichermaßen braucht". So sei schon Interesse an Physik, Chemie und Mathematik nötig: "Was passiert mit dem Eisen, wenn man es schmilzt, gießt und es dann wieder erkaltet - damit muss man sich auch theoretisch beschäftigen." Dazu komme die teils herausfordernde körperliche Arbeit: "Daran habe ich mich erst gewöhnen müssen." Dass die Kollegen schon mal über "unseren deutschen Meister" frotzeln, nimmt Reinke als besondere Form der Anerkennung - und so ist es auch gemeint, sagt sein Chef Mathias Trompetter.

Bloß nicht in die Stadt

Eine "tolle Veranstaltung" war für Reinke die Ehrung aller Bundesbesten aus den IHK-Bezirken in Berlin. Moderiert von Barbara Schöneberger, Reden unter anderem von EU-Kommissar Günther Oettinger, ein persönlicher Glückwunsch von DIHK-Präsident Eric Schweitzer und Gespräche mit Bundestagsabgeordneten. Dabei steht der in Weidenberg Aufgewachsene gar nicht gern im Mittelpunkt und kann sich auch kein Leben in der Stadt vorstellen: "Nicht in Bayreuth und schon gar nicht in Berlin." Und deshalb fährt er jeden Tag die Strecke nach Ebnath im Fichtelgebirge. "Genau die richtige Entfernung, um nach der Arbeit wieder abzuschalten."

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