Deutsch-türkisches Fest fällt aus

Bad Berneck hat einen relativ hohen Anteil von Bewohnern mit türkischen Wurzeln. Bei rund 4300 Einwohnern insgesamt haben rund 200 einen türkischen Pass, weitere etwa 100 sind Menschen mit deutschem Pass und türkischen Wurzeln. Die Kurstadt hat, so weit bekannt, den einzigen Stadtrat mit türkischen Wurzeln im Landkreis, Taner Ekici.

Mit hohem Besuch

Seit 2012 veranstalten der TSV (Vorsitzender: Bürgermeister Jürgen Zinnert) und der SPD-Ortsverband jährlich das deutsch-türkische Familienfest am Sportplatz, in der Regel Ende Mai, Anfang Juni: Das Beste zum Essen und Trinken aus beiden Ländern, Folklore und in der Regel hoher diplomatischer Besuch aus einem türkischen Konsulat.

Dass das Fest dieses Jahr nicht stattfindet, hat vor allem zwei praktische Gründe. Jürgen Zinnert sagt, man habe schon vergangenes Jahr überlegt, wegen des enormen Aufwands das Fest nur noch alle zwei Jahre stattfinden zu lassen.

Fasten und feiern geht nicht

Und dieses Jahr sind Terminprobleme dazugekommen, so Taner Ekici. In diesem Jahr begann der Ramadan am vergangenen Freitag und geht bis zum 24. Juni. In dieser Zeit dürfen gläubige Muslime zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nichts essen und nichts trinken. Keine guten Voraussetzungen, ein Fest zu feiern. In der Zeit vor und nach dem Ramadan wäre man mit anderen Festen in der Kurstadt terminlich ins Gehege gekommen, „und in den September ausweichen wollten wir nicht“, so Ekici.

Doch Zinnert verhehlt nicht, dass die Absage auch einen politischen Hintergrund hat. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die türkische Gemeinde in Deutschland seit dem Wahlkampf um die Verfassungsänderung in der Türkei gespalten ist. Und von türkischer Seite sei an ihn das Signal gekommen, dass es auch deswegen opportun sei, dieses Jahr nicht zu feiern. Auch Zinnert selbst wollte eine Situation vermeiden, in der auf einer Freundschaftsveranstaltung mögliche politische Botschaften türkischer Würdenträger auf geteilte Meinungen treffen.

Taner Ekici war auf dem Höhepunkt der deutsch-türkischen Verwerfungen wegen möglicher Auftritte türkischer Politiker in Deutschland vom „Bad Bernecker Stadtanzeiger“ um ein Interview gebeten worden. Darin bedauerte er, dass türkische Politiker im Vorfeld des Referendums über die Verfassungsänderung keine Auftrittmöglichkeit in Deutschland haben sollen. Die Nazi-Vorwürfe der türkischen Regierung in diesem Zusammenhang wollte er nicht kommentieren. Nun, sechs Wochen später, sagt Ekici auf Nachfrage, dass er auf das Interview hin weder positive noch negative Rückmeldungen bekommen habe.

Widerstreitende Positionen

Ekici ist nicht nur Stadtrat und Vorstandsmitglied der SPD in Bad Berneck. Er ist auch stellvertretender Vorsitzender der türkisch-islamischen Ditib-Gemeinde in Bayreuth. Und in dieser Mehrfachfunktion muss er zweifellos den widerstreitenden Positionen innerhalb der türkischen Gemeinde gerecht werden. Der deutsche Ditib-Dachverband untersteht laut Wikipedia der Leitung und Aufsicht des staatlichen Präsidiums für Religiöse Angelegenheiten der Türkei, welches dem türkischen Ministerpräsidentenamt angegliedert ist.

2018 wird wieder gefeiert

Und sowohl Ekici als auch Zinnert sagen: Nächstes Jahr soll es wieder ein deutsch-türkisches Familienfest geben. Dass man vor Ort durchaus in der Lage ist, gemeinsam Divergenzen aus dem Weg zu räumen, wurde schon bewiesen. Bei den ersten Festen in Bad Berneck waren zwei Bauchtänzerinnen aufgetreten. Das gefiel insbesondere unter den türkischen Gästen nicht jedem. Wegen der (relativ) vielen nackten Haut. Aber auch, weil die (deutschen) Bauchtänzerinnen eher der arabischen Tradition und nicht der türkischen entsprachen. Seither sorgten türkische Folkloregruppen für Farbe, Bewegung und (authentische) Tanzkultur beim Deutsch-türkischen Familienfest in Bad Berneck.

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