Der Wolf kommt die Bauern teuer

Bei der Jahresversammlung der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften im Bauernverband in Bayreuth sprach sich der Vorsitzende Harald Roder für klare Richtlinien in Sachen finanzieller Ausgleich bei Wolfsschäden aus. Norbert Böhmer, Landwirt und Weidehalter aus Plankenfels kritisierte, dass die Bauern in Sachen Wolf alleine gelassen werden und das Problem in der Öffentlichkeit bagatellisiert wird.

70 Rudel in Deutschland

„Wie sollen wir mit dem Neubürger Wolf umgehen“, so Norbert Böhmer, der sich intensiv mit dem Thema beschäftigt hat. Nutztierhalter würden wenig Freude daran haben, so viel steht fest. Auch er hat schon fünf Tiere verloren. Ob es der Wolf war, sei aber lediglich ein Verdacht. Einen entsprechenden DNA-Test gebe es nicht, weil die Tiere ja verschwunden sind.

Aktuell gibt es laut Böhmer 70 Rudel in Deutschland. Das bedeute 700 bis 800 Tiere. Gehe man davon aus, dass ein Rudel 250 Quadratkilometer besetzt, könne man davon ausgehen, dass der Wolf in Deutschland längst angekommen sei. Der Landwirt sprach von bundesweit mittlerweile mehr als 10.000 Nutztierrissen. Die Tiere auf betroffenen Weiden würden beispielsweise ihr Fressverhalten ändern, vor allem Jungtiere stünden verstärkt unter Stress. Auch Ausbrüche von ganzen Herden als Folge eines Wolfangriffs hätten bereits für Wirbel gesorgt.

Mittlerweile seien aber nicht nur die Tiere auf den Weiden vom Wolf bedroht, sondern auch Tiere in Außenklimaställen und Kälberiglus. Als einzige wirksame Gegenmaßnahme bezeichnete der Sprecher eine komplette elektrische Einzäunung in Kombination mit Herdenschutzhunden. Allerdings sei der Wolf sehr schlau und lernfähig und könne locker über einen 1,50 Meter hohen Zaun springen.

Schwarzwildproblematik ein Dauerthema

Vorteil des Herdenschutzhundes ist es, dass er sein Revier markiert und damit den Wolf fernhält. Positiver Nebeneffekt sei es, dass auch Schwarzwild fernbleibt. Allerdings müsse ein elektrischer Zaun ständig ausgemäht sein, er darf nicht zuwachsen, was einen riesigen Arbeitsaufwand bedeute. Neben der Förderung von Zäunen und Herdenschutzhunden sprach sich Böhmer auch für Abschussgenehmigungen von Wölfen aus. „Zum Problemtier wird der Wolf, wenn er sich beim Menschen sehen lässt, nicht erst, wenn er einen Menschen anfällt“, gab der Landwirt zu bedenken.

Zum Dauerthema ist bei den Jagdgenossenschaften längst die Schwarzwildproblematik geworden. „Der Bestand ist nicht weniger, die Strecke allerdings geringer geworden“, sagte der Kreisvorsitzende Harald Roder. Woran dies liegt, darüber könne man nur spekulieren.

Drohende Schweinepest

Ganz besonders wichtig ist die Reduzierung des Schwarzwildbestandes vor allem wegen der drohenden Afrikanischen Schweinepest. Gottfried Krommer, Leiter des Sachgebietes Veterinärwesen und Verbraucherschutz bei der Regierung von Oberfranken sprach von einer echten Herausforderung. Fachleuten zufolge sei es gar nicht mehr die Frage, ob, sondern wann die Schweinepest in Deutschland ankommt. Wenn die Krankheit auch für den Menschen völlig ungefährlich ist, würden bei einem Vorkommen in Deutschland sämtliche Märkte einbrechen.

Bei der Versammlung stellte sich auch der für ganz Oberfranken zuständige Wildlebensraumberater Matej Mezovsky vom Landwirtschaftsamt Bad Staffelstein vor. Er berät über Maßnahmen, die zum einen der Natur helfen und die zum anderen dem Landwirt Geld bringen. Dazu gehörten beispielsweise die Anlage von Erosionsschutzstreifen und Brutflächen, aber auch Winterbewuchs, der als Nahrungsquelle für Singvögel dient.

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Kommentare

Dieser Bericht entspricht was den Wolf betrifft in keiner Weise der Realität in Oberfranken! Was wird hier für eine Panik verbreitet, will man jetzt noch mehr Angst in der Bevölkerung schüren? Bisher sind erst max. 2 Wölfe um den Veldensteiner Forst bei Pegnitz eindeutig nachgewiesen worden. Alles andere sind nur durchwandernde Einzeltiere! Es gab offenbar weder nachweisbare Risse an Nutztieren noch irgendein sonstiges Problem mit den Wölfen in Oberfranken bisher! Dieser Bericht ist "Hetze" durch einen Landwirt gegenüber einem streng geschützten Wildtier! Sollte sich der Wolf auch bei uns vermehren, dann gibt es dafür immer Lösungen durch ein entsprechendes Wolfsmanagement mit Entschädigungszahlungen. Auch sind die angeblich 10.000 Nutztierrisse in Deutschland ein Lüge, die realen Zahlen in den letzten ca. 20 Jahren liegen bei bei max. einem Drittel davon und das ist bei den mehreren Millionen Nutztieren in Deutschland nichts!!!! Aber ein paar Superschlaue unter den Bauern versuchen hier schon vorab wieder einmal eine zusätzliche Einnahmequelle einzufordern! Und was die Vermehrung des Schwarzwildes betrifft, ist die Landwirtschaft durch intensive Maisbewirtschaftung sicherlich auch nicht unschuldig!
Sehr guter Kommentar. Vielleicht ist dies eine Strategie des Bauernverbandes, von anderen Umweltproblemen der Landwirtschaft abzulenken. Dafür ist der Wolf bestens geeignet. Durch Angst verbreiten lässt sich so manches politisch erreichen. Diese Sensibilität des Bauernverbandes würde man sich bei anderen konkreten Problemen, welche die Menschen unmittelbarer betreffen, wünschen. Beispiele: Glyphosphat, Antibiotika ( wobei die letzten verbliebenen Antibiotika für den Menschen wegen der Resistenzen den Tieren für die Mast verabreicht werden).
Kann nur zustimmen. Schwarzwild, Wolf, Bieber, neuerdings auch der stark gefährdete Otter: Land-, Forst- und Teichwirte arbeiten scheinbar seit Jahrzehnten für lau. Ein edler Menschenschlag. Danke liebe Bauern!
Ich möchte zu dem Artikel noch etwas ergänzen bzw. klarstellen: Auch die Behauptung es leben 700-800 Wölfe in Deutschland ist eine reine Behauptung ohne jeglichen Nachweis! Bei zum Jahresende 2017 vermuteten 60 Rudeln in Deutschland wären dies realistisch max. 350 Wölfe! Es gibt zwar aus der Politik auch Aussagen es wären 650 Wölfe, jedoch lässt sich diese Schätzung in keiner Weise nachvollziehen! Ein Wolfsrudel in Deutschland besteht in der Regel aus den Elterntieren und deren Welpen bzw. Jungtieren! Deshalb strotzt dieser Artikel von Unwahrheiten! Es ist schon schlimm genug, dass der Kurierredakteur diesen Plödsinn auch noch verbreitet hat!
Auch ich möchte noch etwas hervorheben. Nach Aussagen von Ärzten und Tierärzten ist es unverantwortlich, den Tieren Antibiotika zu verabreichen, die beim Menschen dann eingesetzt werden müssen, wenn wegen der Resistenzen die anderen nicht mehr wirksam sind. Es sind die letzten Versuche, das Leben des Patienten zu retten. Resistente Bakterien findet man jetzt sogar schon in Flüssen und Bädern. Es braucht ein Verbot dieser in der Landwirtschaft eingesetzten Antibiotika.
Urwart, Sie haben ja grundsätzlich recht, allerdings gings mir um den Artikel, in dem Unwahrheiten über Wölfe verbreitet werden, die nicht stimmen, wo der nichtfachkundige Leser einen total falschen Eindruck bekommt!
Ich wollte Ihrem Beitrag nicht widersprechen. Ich meinte nur, dass meine eigene Aussage zum Antibiotikum in der Tiermast nicht so verständlich war.