Der verpackte Sendemast

Vor wenigen Tagen konnte man den Turm schon hören, wenn man noch ein paar hundert Meter vom Gipfel entfernt war. Vielmehr, man hörte, was sich am Turm tut. Unter der Hülle wurde die Betonfassade mit einem Hochdruckreiniger abgestrahlt. „Was wir tun, ist eine Betonsanierung“, so Ulf Krautstrunk von der Produktions- und Technikdirektion beim Bayerischen Rundfunk. Und da dabei auch mal kleinere Betonteilchen wegfliegen könnten, werde das Ganze unter einer Hülle gemacht.

Zu Details der Maßnahme informiert BR-Pressesprecher Markus Huber: „Es handelt sich um Betonsanierungsarbeiten am Betonschaft und an den Plattformen, einschließlich Gerüstbauarbeiten, Befahranlagen, Schutzmaßnahmen und Blitzschutzarbeiten.“ Die Betonoberflächen seien aufgrund der langen Nutzungsdauer und der exponierten Lage stark verwittert und müssten deshalb saniert werden. Und das geht so: „Die schadhaften Stellen werden von losem Material gereinigt, mit geeignetem Material wieder verfüllt und anschließend die Oberflächen durch eine Beschichtung versiegelt.“

Aufgrund der besonders exponierten Lage, der speziellen Sicherungsmaßnahmen und des großen Umfangs dauern die Arbeiten insgesamt etwa zwei bis drei Jahre.

Angefangen hatte die Sanierung bereits im vergangenen Jahr weiter oben am Schaft. Die Arbeiten sind nur bei guter Witterung möglich und müssen bei Niederschlägen und Wind sowie im Winter unterbrochen werden, so Huber. „Die Arbeiten werden durch einen Fachbauleiter betreut, der umfangreiche Erfahrungen in derartigen Sanierungen vorweisen kann und durch einen Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator überwacht und unterstützt.“

Die ausführende Firma sei über eine Ausschreibung ermittelt worden. Sie sei spezialisiert auf Arbeiten an Antennenträgern und hat langjährige Erfahrung im Bereich Sanierung von Antennenträgern. Je nach Bauphase und Witterung arbeiten zwischen zwei und sechs Menschen am Antennenträger. „Zu den Kosten können wir leider keine detaillierten Angaben machen“, so Huber. Die Bitte um einen Ortstermin verwehrte der BR mit Hinweis auf Sicherheitsgründe.

Laut Ulf Krautstrunk liegt die letzte vergleichbare Maßnahme rund 30 Jahre zurück. Er ist sich jedenfalls sicher, wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, „reicht das die nächsten 30 bis 40 Jahre". Dem dann 100. Geburtstag des Turmes im Jahr 2058 dürfte von daher also nichts im Wege stehen.

Der Turm zur Verbreitung von Fernseh- und Radioprogrammen entstand 1958 als Stahlbetonbauwerk mit einer Höhe von 163 Metern. Vor neun Jahren kamen die weit sichtbaren rot-weißen Kunststoffzylinder mit Digitalsendern im Innern auf die Spitze, seither ist der Turm 190 Meter hoch.

In der Literatur taucht der Sendemast auf dem Ochsenkopf teils als das „höchste Betonbauwerk der BRD“ zu Zeit seiner Entstehung auf. Tatsächlich war der zwei Jahre ältere Stuttgarter Fernsehturm deutlich höher.

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