Der Vater von Schneemann Jakob wird 80

Heidenreich ist gebürtiger Bischofsgrüner. In seinem Geburts- und Elternhaus, in dem er 52 Jahre lebte, wohnt heute Sohn Berndt mit Ehefrau Christine. Die Dachdeckerei wird in der Familie Heidenreich heute in der dritten Generation betrieben. Zu den anderen großen Leidenschaften der Heidenreichs gehört die Musik. Und der Spaß an der Freud’.

Mit dem Fahrrad nach Bayreuth

Aber zurück zur Dachdeckerei. 1951, mit 14 Jahren ging Horst Heidenreich bei seinem Vater in die Lehre, der die Dachdeckerei bald nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft gegründet hatte. Zur Berufsschule musste er erst auf die Landwirtschaftsschule in Goldkronach, dann nach Bayreuth. Den Weg dorthin, einmal pro Woche, legte er mit dem Fahrrad zurück.

Ebenfalls mit 14 Jahren fuhr er erstmals mit dem Trachtenverein in das noch vom Krieg gezeichnete Berlin. Nach zwölfstündiger Busfahrt traten die Bischofsgrüner im Schöneberger „Prälat“ oder in den Zoosälen mit Volkstänzen und Schuhplattler auf, um Berliner Sommerfrischler an den Ochsenkopf zu locken. „Wenn dann die Busse mit den Berlinern nach Bischofsgrün kamen, haben wir immer gespitzt, wo die jungen Mädchen abstiegen“, erinnert sich Heidenreich. Seine Frau Gerlinde hat er aber dann aber doch in Bad Berneck gefunden.

Musik und Fremdenverkehr

Die Musik und der Fremdenverkehr, das blieben Konstanten in Heidenreichs Leben. Mit Vater Fritz und Sohn Berndt machte er als Teil der Bischofsgrüner Spielgruppe Musik bei den Bischofsgrüner Heimatabenden. Sein Vater hatte bereits bei der Einweihung der Schule 1926 Trompete gespielt – „die hängt noch bei mir im Keller“ – er beherrschte noch mehrere andere Instrumente, Sohn Berndt spielt Akkordeon und Klarinette, „ich kann nur Gitarre“.

Auch der schräge und bisweilen handfeste Humor war schon bei Vater Fritz ausgeprägt. „Er hat halt gerne seine Witze gemacht, die nicht wahr waren“, formuliert es Horst Heidenreich. Als Vater und Sohn mal auf einem Dach in Fleckl neben einem extrem qualmenden Schlot arbeiten mussten, legte Vater Fritz kurzerhand Dachpappe auf den Schlot. Problem gelöst, zumindest auf dem Dach.

Geboren aus einer spontanen Idee

Der Sinn für handfesten Humor ging auf Sohn Horst über. Geboren aus einer spontanen Idee. Und dann konsequent in die Tat umgesetzt. Wie der Schneemann. 1986 saß Heidenreich, der zertifizierter Skilehrer ist, mit Schülern im Gasthof Deutscher Adler. Es regnete, an Skiunterricht war an diesem Tag nicht mehr zu denken. Heidenreich schickte seine Schüler nach Hause, ließ sich vom Wirt eine Schaufel geben. Und baute aus dem nassen Schnee vorm Haus den ersten Schneemann Jakob, damals drei Meter hoch, mäßig gelungen, unförmig, mit einer großen Blechdose als Hut. Der Schneemann war kein Selbstläufer, rief gemischte Reaktionen hervor. Doch nächstes Jahr entstand wieder einer, er wurde von Jahr zu Jahr größer und immer mehr zu einem Kultobjekt. Der erste Hut war einen Meter hoch, der heutige, er ist das vierte Exemplar, ist vier Meter hoch. Als der 2013 fertig wurde, hatte Heidenreich wieder eine seiner Ideen: ein Hutfest. Das fand dann auch auf dem Markt statt, mit Böllerschützen, Livemusik und dem Hut natürlich, für den extra ein hölzernes Tragegestell gezimmert wurde. Die Lederhosenfeste vor mehr als zehn Jahren waren eine andere Idee von Heidenreich. „Meine Frau sagt dann immer: ’Lass des doch sa.’ Aber hinterher gefällt’s ihr dann doch.“

Verballhornte Verwandtschaft

Aber auch die eigene Familie wurde schon Ziel von Heidenreichs handfestem Humor. Zu seinem 60. Geburtstag lud er bereits ein Jahr eher in den Deutschen Adler ein. Zur Begrüßung gab es Zitronenwasser. Auf der Menükarte stand Hochtrabendes wie „Dialog von Lachs und Forelle“, doch auf den Tellern waren nur winzigste Portionen. Die „Eisbombe“ zum Abschluss wurde im Schnapsglas serviert. Noch heute muss sich Heidenreich vor Lachen biegen, wenn er von den Gesichtern der Geburtstagsgesellschaft erzählt. So viel ist sicher: Zum 80. müssen Freunde und Verwandte Horst Heidenreichs Humor nicht fürchten. An dem Tag ist er verreist. Aber auch mit 80 gehen ihm Ideen und Tatendrang nicht aus. Das letzte Lederhosenfest ist schon über 15 Jahre her: „Das könnte man doch mal wieder machen“, findet er.

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