Der Touri-Bus kommt

Der Bus, das sei ein Kind der deutschen Teilung, sagt Konrad Auwärter. Das Familienunternehmen hat den Bus 1965 gebaut. "Eine Sonderanfertigung. Auf Bestellung eines privaten Busunternehmens", sagt Auwärter (75) im Gespräch mit unserer Zeitung. "Ein Bus mit einer wunderbaren Historie. Gebaut für Touristen, damit sie über die Berliner Mauer in den Ostteil der Stadt schauen konnten." Die Besonderheit des Busses: Er hat schräg angeordnete Sitzreihen im oberen Stock, "damit die Gäste besser rausschauen konnten". Über Jahrzehnte fuhr der Bus, "der Urmodell der Doppeldeckerbusse unseres Unternehmens wurde", wie Auwärter sagt, in Berlin. Jetzt steht er im Museum, das Auwärter eingerichtet hat.

Umsatzplus bis zu 100 Prozent

Oder er fährt bei besonderen Veranstaltungen. Wie zum Beispiel bei der Landesgartenschau in Deggendorf. Mirko Streich, der Pressesprecher der Landesgartenschau in Bayreuth, ist überzeugt, dass der Doppeldecker, der vor zwei Jahren als Attraktion in Deggendorf zwischen dem Gartenschau-Gelände und der Innenstadt im Pendelverkehr unterwegs war, dazu beigetragen habe, "dass die Einzelhändler in der Zeit ein Umsatzplus um bis zu 100 Prozent hatten". Für Bayreuth, sagt Streich, "sei das eine schöne Geschichte, dass der Bus auch hier fahren kann". 

 

So sollen Touristen Bayreuth sehen: Im Oktober gabe es eine Testfahrt, die wir mit der Kamera begleitet haben.

Der Stadtrat hat auf Antrag von Christoph Rabenstein (SPD) den Weg frei gemacht. Allerdings nicht ganz so, wie Rabenstein es beantragt hatte. Rabenstein wollte die Rundfahrt mit dem Bus kostenlos für die, die eine Eintrittskarte der Landesgartenschau in der Tasche haben. "Leider hat der Finanzausschuss beschlossen, dass die Fahrt zwei Euro kostet", sagt Rabenstein. "Das finde ich nicht so toll." Weil er befürchtet, dass "damit eine Hürde aufgebaut wird. Ich hatte es als zusätzliches Zuckerl für die gedacht gehabt, die zur Landesgartenschau kommen".

Viele herausragende Sehenswürdigkeiten

Mit dem Hintergedanken der Nachhaltigkeit, denn: "Wir wollen ja nicht nur, dass viele Menschen nach Bayreuth zur Landesgartenschau kommen. Wir wollen, dass sie wiederkommen. Dass sie Bayreuth als Reiseziel für sich entdecken." Das neben der Landesgartenschau und dem Festspielhaus oder der Villa Wahnfried noch andere herausragende Sehenswürdigkeiten zu bieten hat. "Die Eremitage als eine der schönsten Parkanlagen Bayerns. Oder den Botanischen  Garten der Universität, der ebenso ein verborgener Schatz ist." Überhaupt: die Uni. "Wir haben eine sehr gut Universität, die vielleicht so mancher Besucher auf dem Weg entdeckt." Für sich. Oder für Familienangehörige. Dazu die Bauten aus der Markgrafenzeit, die Bauten Wilhelmines. Die Friedrichstraße, Neues und Altes Schloss, "das Weltkulturerbe Markgräfliches Opernhaus als einen weiteren Höhepunkt", wie Rabenstein sagt.

"Die 85.000 Euro, die da bereitgestellt wurden, sind wirklich keine Riesensumme, wenn man bedankt, welch effektive Werbung für Bayreuth man damit machen kann", sagt Rabenstein. "Ich hoffe natürlich, dass der Bus trotz des Fahrpreises ein Erfolg wird."

Erhöhte Taktung im Stadtbusverkehr

Der Bus sei ein gutes Mittel, um den Besuchern der Gartenschau die Schönheit Bayreuths zu zeigen, sagt Manuel Becher, der Geschäftsführer der Bayreuth Marketing und Tourismus GmbH (BMTG). "Wenn man Besuchern die Stadt zeigt, hört man immer wieder: Ich hätte nie gedacht, dass es bei euch so schön ist. Wer sich auf Bayreuth einlässt, stellt fest, dass das eine Super-Stadt ist", sagt Becher. Auf den Effekt setze er auch jetzt. Nicht nur beim Doppeldeckerbus, sondern auch bei den anderen Angeboten, die das Gartenschau-Gelände und die Innenstadt verbinden: die Tschu-Tschu-Bahn, die vom Gelände in und um die Innenstadt fährt und am Wittelsbacher-Brunnen einen Stopp einlegt. Den Shuttle-Bus, der Hauptbahnhof, zentrale Omnibushaltestelle, Richard-Wagner-Museum und die Landesgartenschau im Ringverkehr ansteuert. Die erhöhte Taktung im Stadtbusverkehr.

"Ich bin mir sicher, dass das Zusammenspiel zwischen Landesgartenschau und Innenstadt funktionieren wird", sagt Becher. Die BMTG werde sich auch an zwei Zahlen messen lassen: An der Zahl der Gäste, die von außerhalb in die Stadt kommen. "Und an der Frequenz in der Innenstadt." Dass die Gartenschau direkt massive Auswirkungen auf die Übernachtungszahl in diesem Jahr haben werde, glaubt Becher allerdings nicht. "Es kann nicht passieren, dass sich die Übernachtungszahl jetzt verdoppelt. Weil im Sommer die Auslastung grundsätzlich schon hoch ist." Aber: Wie Rabenstein ist es die Nachhaltigkeit, auf die Becher setzt. Auf Wiederholungstäter. Die vielleicht auch aus dem Doppeldecker Bayreuth für sich entdeckt haben.

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