Der Schwan, der an Scheiben klopft

Der Schwan ist das Wappentier der Marktgemeinde Thurnau. Deshalb ist es Wunsch der Gemeinde, dass die edlen Tiere auf dem großen Weiher ihre Runden ziehen. Doch die Schwanengeschichte in Thurnau ist schier eine Unendliche. In vergangenen Zeiten waren den Tieren die Flügelgestutzt worden, um sie am Weiterziehen zu hindern. Eine Methode, die mittlerweile verboten ist. Waren früher auf dem großen Weiher noch mehrere Schwäne auch mit Jungtieren zu sehen, drehte im Jahr 2015 nur noch ein Einzelner seine Runden.

Umzug in den kleinen Schwanenweiher

Wo sind die Schwäne geblieben? Einen der Vögel soll der Fuchs geholt haben, ein zweiter ist weiter gezogen. Da die Gemeinde überzeugt war, dass auch Schwäne Gesellschaft bräuchten, wurden wieder zwei Jungtiere „eingeflogen“. Doch diese suchten immer wieder das Weite. Sie wurden, wenn möglich, eingefangen und zurückgebracht. Doch geblieben sind sie nicht. Das nun noch verbliebene Tier – ein einsames Männchen – ist nun zum Problemschwan geworden. „Das Tier watschelt bis auf den Marktplatz und attackierte dort Autos. Mittlerweile liegen uns mehrere Haftpflichtschäden vor“, sagt Bürgermeister Martin Bernreuther sichtlich verzweifelt. Zudem klopfe der Schwan an Fensterscheiben. „Er geht auf alles los, in dem er sich spiegelt.“  Deshalb wurde das stattliche Tier vor einigen Wochen  in den umzäunten kleinen Schwanenweiher gebracht, dessen Eingangstür gesichert ist.

Wasserfläche ist zu klein

Besorgte Spaziergänger und Tierfreunde sorgen sich nun um die Bewegungsfreiheit des Schwans. Die Tiere benötigen wegen ihres Gewichts und ihrer Flügelgröße eine größere Wasserfläche,  um zum Flug anzuheben, was auf dem kleinen Weiher nicht möglich sei. Für beide Parteien – Schwan und Gemeinde – ist diese Situation eine Unbefriedigende. Der Schwan ist seiner Freiheit beraubt  und die Gemeinde in der Haftung.  „Wir werden uns fachkundig beraten lassen, wie weiter vorzugehen ist“, sagt der Bürgermeister. Auch werde darüber nachgedacht, ob ein Partnertier angeschafft werden soll.

Für Ralph Pfeiffer  von der Ortsgruppe Kulmbach des Landesbundes für Vogelschutz ist es grundsätzlich fraglich, Schwäne künstlich anzusiedeln.  „Der Thurnauer Weiher ist ein Parkgewässer und alles andere als naturnah“, gibt er zu bedenken. Der Weiher sollte naturnah gestaltet werden. Vielleicht wäre ein breiterer Schilfgürtel oder eine Insel in der Mitte des Weihers ein Angebot für Brut und Rückzug, überlegt Pfeiffer.

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