Der Pechvogel unter den Fischzüchtern

In der Zeit zwischen Anfang Oktober 2016 und vergangenem Samstag wurden aus einem Weiher in Bischofsgrün insgesamt 140 Fische gestohlen. Bei den Fischen handelt es sich um Welse beziehungsweise Waller, so die Polizei in ihrem Bericht. Der Schaden wird auf rund 6000 Euro beziffert.

Rainer Ochs (69) aus Bayreuth ist derzeit wohl der ultimative Pechvogel unter den Fischzüchtern. Seit fast 30 Jahren züchtet er Fische in zwei Weihern auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände im Bischofsgrüner Ortsteil Glasermühle, wo er ein Areal für seine Grabmalfirma hat. Anfangs hatte er Karpfen und Forellen in den Weihern, „die hat nie jemand geklaut.“

Vor neun Jahren probierte er etwas Neues aus: Waller. Er kaufte über 100 kleine Waller, rund 30 Zentimeter groß. Die fütterte er vier Jahre lang, bis sie eine Größe von 85 bis 90 Zentimetern bekamen. „Für mich ist das ein Hobby und Zubrot“, erläutert Ochs, deswegen fütterte er all die Jahre an die Raubfische nur lebende Futterfische, „keine Chemie“, die die Fische hätte schneller wachsen lassen. 2012 wollte er ernten. Doch der Teich war leer, nur ein Waller war übrig. „Alles umsonst“, so sein Resümee von vier Jahren Arbeit.

Nur drei Fische blieben übrig

Doch Ochs steckte nicht auf, setzte wieder kleine Waller ein, diesmal 140 an der Zahl. Am vergangenen Samstag war es so weit, Ochs ließ das Wasser ab, um die reifen Fische rauszunehmen. Doch die Geschichte wiederholte sich für ihn: Statt rund 140 großen Welsen waren gerade mal drei übrig geblieben.

Ochs ist überzeugt, dass es die gleichen Diebe waren wie vor fünf Jahren: „Das waren Profis.“ Und sie müssen zu mehreren gewesen sein, denn das Gesamtgewicht der knapp 140 Fische lag bei über 300 Kilo, wahrscheinlich sogar über 400 Kilo. Für ein Kilo Wels kann man rund 15 Euro erzielen, auf dieser Basis errechnet sich der Schaden von 6000 Euro.

Genauer Zeitpunkt unbekannt

Ochs vermutet, dass die Fische mit Futter gelockt wurden oder dass das Wasser unter Strom gesetzt wurde, damit die großen Tiere an die Oberfläche kommen. Denn speziell tagsüber liegen die Welse am Teichgrund und sind nicht zu sehen. Deswegen hat Ochs auch im vergangenen halben Jahr nichts von einem Diebstahl gemerkt, wenn er an seinen Weihern war. Und deswegen könne der dreiste Klau auch schon vergangenen Oktober oder November geschehen sein. Die Weiher liegen etwas versteckt und abseits von Durchgangswegen, aber das Gelände ist frei zugänglich. Hinter dem einstigen Bahnhof ist das nicht abgezäunte Gelände der Firma Bischofsgrüner Granitpflaster, wo mögliche Kunden auch am Wochenende Ware in Augenschein nehmen können. Dahinter, zwischen Weißem Main und der ehemaligen Bahnstrecke, die heute ein Radweg ist, liegen die Weiher.

Vor fünf Jahren fand Ochs neben seinen leeren Weihern eine Plastiktüte mit einem Pulver drin. Eine Chemikalie, möglicherweise, um die Fische anzulocken und abfischen zu können. „Typisch Osten“, also ein Hinweis auf die Vorgehensweise osteuropäischer Täter, habe damals die Einschätzung der Polizei gelautet, so Ochs.

Der Wels ist laut dem Internetlexikon Wikipedia heute vor allem in Osteuropa von wirtschaftlicher Bedeutung, wo er zunehmend in Fischfarmen gezüchtet wird; als Speisefisch für den Menschen ist er seit der Antike bekannt.

Rund zwei Fälle im Jahr

Bei der Polizei wurden in den vergangenen vier Jahren sieben vergleichbare Fälle im ganzen Landkreis angezeigt. Ein ähnlich gelagerter Fall, der aber sonst in jeder Hinsicht aus dem Rahmen fällt, war vergangenen Herbst der Diebstahl von Tausenden Flussperlmuscheln aus Bächen im Kreis Hof.

„Ich bin noch nicht darüber hinweg“, sagt der Bayreuther Rentner zwei Tage nach der unschönen Entdeckung. Nun überlegt er, Kameras aufzustellen. Und er hat eine Belohnung in Höhe von 1000 Euro für Hinweise zur Ergreifung des oder der Täter ausgelobt. Sachdienliche Hinweise nimmt die Polizei unter Telefon 09 21/ 5 06 22 30 entgegen.

Nicht bewertet

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Kommentare

Andere Teichwirte sind´s bestimmt nicht, denn die lassen sich nicht von großen Wallern ihre Fische wegfressen. Bleiben eigentlich nur Diebe mit Kontakten zu Lieferanten für die Gastronomie.
Es ist eine Schande!