Der Mann mit dem Valley-Virus

Fünf Bücher an einem Wochenende hat er früher schon mal gelesen. Heute schafft er das nicht mehr. Kastner-Maresch ist Vorstand und Gesellschafter des Softwaredienstleisters Living Logic, der mit 20 Beschäftigten digitale Lösungen vielfältigster Art für seine Kunden entwickelt.

Bub vom Land

Der Bub vom Land, aufgewachsen in Rodenzenreuth bei Waldershof, ein kleiner Ort mit zwei Dutzend Häusern, ganz nah an der Grenze zu Oberfranken, ging in Marktredwitz zur Schule, besuchte in Bayreuth die FOS, studierte an der FH in Regensburg und an der Uni Bayreuth, wo er auch promovierte, war ein Jahr in Stanford. Heute wohnt er in Bayreuth, ist mit einer Bayreutherin verheiratet.

Freundlich und gelassen ist Kastner-Maresch. Wo das wohl herkommt? Vom Land, sagt er. Viel Freiheit zum Spielen, manchen Unsinn habe man gemacht. Die Unbeschwertheit des Landes, das ist ein wesentlicher Punkt im Leben des Mathematikers.

Geld ist für den 55-Jährigen wenig relevant, sagt er. „Wir leben Start-up. Deshalb ist Geld verdienen kein wichtiger Antrieb. Wir wollen etwas Tolles schaffen und das Richtige zu tun.

Geld oder Profit ist die Folge von Erfolg und nicht Motivator.“

Freiheit des Schaffens

Kastner-Mareschs Motivation ist vor allem die Freiheit des Schaffens.  „Wir haben uns unsere Freiheit erarbeitet“, sagt er über sich und seine Mitarbeiter und Mitgesellschafter.  Sieben Kollegen sind an Living Logic beteiligt, zwei halten gut 50 Prozent, Kastner-Maresch allein ein Drittel der Anteile.

Die Firma soll wachsen. Mit ihrem neuen Produkt Living Apps, mit der die Kunden ihre eigene Software stricken können. Weltweit will Kastner-Maresch die Apps aus der Cloud auf den Markt bringen, kennt aber auch die Grenzen. „Da brauchen Sie Geld.“

Ein Investor, möglichst aus Deutschland, soll es mitbringen und dafür gut 25 Prozent an der Firma bekommen. Gute Geschäfte mit dem neuen Produkt sollen den Investor, den es noch nicht gibt, überzeugen. 10.000 Nutzer von Living Apps will Kastner-Maresch binnen sechs Monaten gewinnen und danach den Einstieg eines Kapitalgebers perfekt machen. Dafür arbeitet der Chef 60 bis 70 Stunden die Woche. „Aber das bezeichne ich nicht als Arbeit. Ich mach’s freiwillig und mit Begeisterung. Es gibt keine Zweifel, dass es gelingen wird.“ Sagt er, „einer der bunten Vögel in der Region“.

Keine Angst vor Neuem

Bunt, ja das ist er, der nicht ins übliche Raster des herkömmlichen Unternehmers passen will und dies klar kundtut. „Uns ist die Vorbereitung eines neuen Geschäftsmodells wichtiger als eine möglichst gute Profitabilität“, sagt er. Mit Kreativität und dem Mut, Neues und Großes zu schaffen, orientiere man sich an dem, was im Silicon Valley völlig normal sei. Als er 1991/92 ein Jahr im Silicon Valley Stanford verbringen konnte, hat sich bei ihm der Valley-Virus eingenistet. „Jetzt (vor etwa drei Jahren) ist er mit Macht ausgebrochen.“ Angst vor Neuem hat er also nicht: „Es ist besser, sein Geschäftsmodell selbst zu zerstören als darauf zu warten, dass dies andere tun.“

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