Der Mann, der alles findet

Lemke ist der Stress kaum anzumerken. Er setzt sich, nimmt einen Schluck Wasser - und plaudert. Wie seine Geschäftsidee entstanden ist? Der 33-Jährige liefert ein Beispiel: „Online finde ich einen Bohrer sehr schnell, aber im Baumarkt muss ich erst einmal eine Weile suchen.“

Genau das wolle er ändern. Falsch: Genau das hat er schon geändert. Baumärkte, Supermärkte, ja ganze Flughäfen und Kreuzfahrtschiffe stattet Favendo für seine Kunden aus. Es geht um mehr Übersichtlichkeit. Um mehr Einfachheit.

Aber wie funktioniert das? Über Sender. Die sind in den Gebäuden großflächig angebracht und stoßen Funksignale aus, der Nutzer braucht nur ein Smartphone - und eine App. So findet der Konsument zum Beispiel den schnellsten Weg im Supermarkt, wenn er Milch, Eier und Klopapier braucht. Oder in einer Klinik hat die Krankenschwester die Möglichkeit, mithilfe der Favendo-Technologie einen Patienten oder ein freies Bett zu orten.

Die Masse macht's

Orten von Personen - das ist heutzutage ein heikles Thema. Lemke weiß das. Schließlich geben Menschen, wenn sie eine App seines Unternehmens beispielsweise im Supermarkt nutzen, einige Daten preis. Und zwar: Was kaufe ich ein, wann kaufe ich ein, wo kaufe ich ein. Doch hier betont Lemke: „Es geht uns gar nicht darum, den Einzelnen zu durchleuchten. Wir wollen ja keine Postkarten verschicken. Vielmehr geht es darum, Trends aufzuzeigen. Die Masse macht’s.“

Die Firma will das Leben vieler Menschen einfacher machen - und den Umsatz der Unternehmen (also der Favendo-Kunden) vergrößern. Beispiel Stadion. Eishockey-Bundesligist Adler Mannheim ist Kunde von Favendo. Die Bamberger haben die Indoor-Navigation der Spielstätte übernommen. Heißt: Fans können innerhalb des Stadions ihren Standort teilen, sich treffen - und sie können sich sogar den schnellsten Weg zu einer Currywurst anzeigen lassen. „Bislang gab es das nur im Straßenverkehr“, sagt Lemke.

Im Tätigkeitsbereich des Unternehmens entstehen neue, teils verrückte Anwendungsideen: Auf einem Kreuzfahrtschiff gehen Kinder öfter mal verloren, weil sie sich verlaufen. Eltern werden panisch. Häufig kostet es viel Zeit, Aufwand und Nerven, bis die Kinder gefunden sind.

Wissen, wo das Kind ist

Hier greift Favendo ein. „Wir haben ein Armband entwickelt, das Kinder an Bord tragen. So können Eltern auf ihrem Handy sehen, wo sich ihr Nachwuchs gerade aufhält“, sagt Lemke. Kritiker werden diese Maßnahme für grenzwertig halten, schließlich wird der Mensch so noch verfolgbarer. Aber Lemke sagt: „Dieses Armband wurde sehr gut angenommen.“

Positionierung und Navigation - so beschreibt Lemke das Kerngebiet seiner Firma. Mit ihr steht der gebürtige Oldenburger noch ziemlich am Anfang - offiziell gibt es sie seit 2014. Und sie wächst schnell. Aus einem Ein-Mann-Betrieb ist mittlerweile ein Team aus 75 Mitarbeitern geworden - und damit meint Lemke nur die Vollzeit-Beschäftigten. Favendo-Standorte befinden sich in Bamberg (Hauptsitz), Jena und Hamburg. Und sogar in San Francisco hatte Lemke ein Büro eröffnet, um die amerikanischen Kunden besser betreuen zu können.

Eine Frage stellt sich an dieser Stelle: Wenn Favendo doch ein Global Player ist, warum ist es dann nicht sonderlich bekannt? „Wir arbeiten Business-to-Business“, sagt Lemke. Soll heißen: Favendo ist für andere Unternehmen tätig und stellt Technologie bereit. So dringt der Firmenname nicht wirklich zum Konsumenten durch.

Nichts, was man im Schaufenster sehen kann

Lemke hätte sicher nichts gegen mehr Bekanntheit. Aber er ist kein Träumer. Favendo stellt eben keine Produkte her, die der Kunde im Schaufenster bestaunen kann. Dennoch plant der 33-Jährige den nächsten Entwicklungsschritt. „Wir analysieren neue Marktsegmente, wollen aber auch schauen, dass wir uns in der Breite weiterentwickeln und unsere Technologien verbessern.“

All das sagt Lemke ohne Verbissenheit. Er ist entspannt - und so ist es kein Wunder, wenn er seinen Führungsstil wie folgt beschreibt: „Ich sehe mich nicht als Geschäftsführer, sondern eher als Zirkusdirektor.“ Er muss schmunzeln. Kurz darauf noch einmal. Dann sagt er: „Es geht für mich nicht darum, die totale Kontrolle zu haben und ständig Dinge zu überwachen. Starre Grenzen gibt es bei uns nicht. Vielmehr ist mir wichtig, dass die Leute hier Spaß an der Arbeit haben.“

Sein junges Team wird das gerne hören. In der Tat geht es in den Bamberger Büros gelassen zu - sogar Hunde laufen hier zwischen den Schreibtischen auf und ab. Es stört niemanden. Lemke könnte noch stundenlang über seine Firma reden, aber ein wichtiger Anruf wartet. Vorher streichelt er noch kurz einen der Hunde. Für einen Augenblick ist die Arbeit vergessen.

Viel in Bewegung

Das ändert sich jedoch schnell, bald schon sitzt Lemke wieder im Auto - auf mindestens 2500 Kilometer kommt er wöchentlich. Meckern will der Niedersachse aber nicht. Wer viele Kunden hat, muss sich eben viel bewegen. Was aber noch wichtiger ist: Wer viele Kunden hat, macht auch ein gutes Geschäft.

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