Der Landkreis verliert, die Stadt gewinnt

Die Nachricht vor einigen Tagen klang durchweg positiv: Nicht nur Bayern, auch Oberfranken hat ein deutliches Plus bei der Einwohnerzahl zu verzeichnen: Von 2015 auf 2016 stieg die Bevölkerungszahl in Bayern um rund 87.000, in Oberfranken immerhin noch um 3036 Einwohner. Für den anhaltenden Aufwärtstrend in Bayreuth sieht Stadtsprecher Joachim Oppold mehrere Gründe: Die „sehr erfolgreiche Entwicklung der Universität Bayreuth“, aber auch eine „positive Stadtentwicklung“ mit neuen Arbeitsplatz- und Wohnangeboten und einer „insgesamt hohen Lebensqualität“.

Die Entwicklung verlief aber innerhalb des Regierungsbezirks und sogar innerhalb des Landkreises Bayreuth höchst unterschiedlich: Bevölkerungsgewinne verzeichneten alle kreisfreien Städte sowie die Landkreise Bamberg und Forchheim, bei allen anderen Landkreisen steht ein Minus vor der Jahresbilanz.

Wer gewinnt, wer verliert

Im Landkreis Bayreuth sind bei einem Vergleich der Einwohnerzahlen über einen Zeitraum von fünf Jahren, also von 2016 zu 2011, die größten Verlierer mit jeweils dreistelligen Verlusten: Pegnitz, Weidenberg, Speichersdorf, Hollfeld und Fichtelberg. Gegen den Trend zulegen konnten vor allem Creußen, Bad Berneck und Warmensteinach (Grafik).

 

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Herbert Retzer, Sprecher des Landrats, nennt mehrere Gründe für die Verluste im Landkreis: Strukturschwäche des ländlichen Raums, Überalterung der Bevölkerung und die Abwanderung junger Bürger in Verdichtungsräume. Innerhalb des Landkreises gebe es die geringsten Verluste oder sogar Gewinne in Gemeinden im engeren Umfeld der Stadt Bayreuth. Deshalb fordere der Landkreis regelmäßig, bei der Abgrenzung von Fördergebieten nicht den nivellierten Landkreisdurchschnitt zu verwenden, sondern dort kleinräumig zu fördern, wo es die größten Verwerfungen gebe.

 

Beispiel Bad Berneck: Die Stadt gehört zu den größten Gewinnern bei der Bevölkerungsentwicklung. Der Zuzug gleicht nicht nur den Sterbeüberschuss von rund 40 Personen pro Jahr aus, unterm Strich steht im Fünf-Jahresvergleich sogar ein Plus von 65 Einwohnern. Die Zuwanderung ausländischer Bevölkerung, die das Statistische Landesamt als Ursache für die Bevölkerungsgewinne bayernweit sieht, spielt auch in Bad Berneck eine große Rolle. „Vor allem 2016 gab es viele Zuzüge aus dem Ausland“, sagt Bürgermeister Jürgen Zinnert. Derzeit leben 77 gemeldete Asylbewerber in der Stadt.

Grundsätzlich sehe er das positiv. Nötig sei allerdings ein besserer Personalschlüssel in den Kitas, weil durch die vielen verschiedenen Sprachen die Betreuung aufwändiger werde. Wünschbar sei außerdem ein Integrationsbeauftragter für die Stadt. Bad Bernecks Bevölkerung sei aber nicht erst seit dem Flüchtlingszuzug gewachsen, sondern schon vorher, betont Zinnert: Die Stadt sei dank guter Versorgungsstruktur, reizvoller Landschaft und guter Verkehrsanbindung ein attraktiver Wohnort. „Die Nachfrage nach Baugrundstücken war im vergangenen Jahr höher als das Angebot“, sagt der Bürgermeister.

 

Beispiel Fichtelberg: Im beinahe benachbarten Fichtelberg sieht die Lage ganz anders aus: 139 Bürger weniger in fünf Jahren – der Rückgang von gut sieben Prozent ist der stärkste im Landkreis. Bürgermeister Georg Ritter reagiert nicht erfreut auf die Nachricht, dass seine Gemeinde Schlusslicht ist. „Einwohnerrückgang muss man wohl immer negativ bewerten“, teilt er mit. Hauptgrund für den hohen Verlust sei, dass der Fichtelberger Asylunterkunft ab Herbst 2016 wegen der angekündigten Schließung weniger Asylbewerber zugewiesen worden seien. Tatsächlich war 2016 das Jahr mit dem höchsten Rückgang: 83 Einwohner verlor Fichtelberg allein 2016.

Abgesehen davon sei der Einwohnerrückgang in Fichtelberg „durchschnittlich“. Ritter erwartet infolge des Rückgangs finanzielle Einbußen für die Gemeinde: Weniger Einwohner heiße weniger staatliche Zuweisungen. Auf die Frage nach der Zukunftsperspektive für Fichtelberg antwortet er: „schwierig“.

Weniger Einwohner, weniger Geld

Die verschiedenen staatlichen Zuweisungen für Kommunen sind an die Bevölkerungszahl gebunden, bestätigt das Landratsamt. Allein aus der Finanzzuweisung erhalten der Landkreis und die Gemeinden für jeden Bürger je 17,85 Euro. 1351 Bürger weniger heißt rund 24 000 Euro weniger für den Landkreis und dieselbe Summe nochmal auf die Gemeinden verteilt.

 

Info: Die Einwohnerdaten des Statistischen Landesamtes beruhen nicht auf einer tatsächlichen Volkszählung 2016, sind aber dennoch keine Zahlenspielerei. Die letzte Zählung der Bevölkerung fand im Jahr 2011 statt. Seitdem schreiben die Statistiker die Bevölkerungszahlen jedes Jahr fort, indem sie für jede Gemeinde Geburten, Sterbefälle, Zu- und Wegzüge erfassen, erläutert Landesamtssprecher Gunnar Loibl. Heraus kommt dann die amtliche Einwohnerzahl jeder einzelnen Gemeinde, an der sich alles staatliche Handeln orientiere: Von Bürgermeistergehältern über Gemeinderatsgrößen bis hin zu finanziellen Zuweisungen.

Nicht bewertet

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Kommentare

Fragen Sie doch lieber mal den Herrn Ritter ob er ausser schwierig noch
eine andere Beurteilung in seinem Sprachschatz kennt.
Mit solchen Bgmst und div. Gemeinderäten die von nichts Ahnung haben,
aber davon reichlich, bessert sich die Einwohnersituation niemals.
.... gib Ihnen die ewige Ruh und vielleicht mal ein bisschen engagement dazu.
@administrator. Abgesehen davon, dass es feige ist. Wie weit darf man hier mit anonymen Kommentaren gehen?
Ich habe den Kommentar gelesen und finde das Urteil des Kommentators über den Fichtelberger Bürgermeister und Gemeinderat sehr hart. Allerdings ist das eben eine Meinung, die man ertragen muss. Die Anspielung auf das Totengebet verstehe ich schlichtweg nicht, sehe darin aber auch erstmal keine Äußerung, die gegen unsere Netiquette verstößt.
Frage an "Factum":
standen Sie bei der letzten Kommunalwahl zur Wahl ? Sind Sie bereit Verantwortung zu übernehmen oder gar unpopuläre Entscheidungen zu treffen und zu vollziehen ?
Opposition heißt nicht nur dagegen sein sondern andere (machbare und vorallem finanzierbare !!!!) Wege aufzuzeigen.
Grundsätzlich schon richtig, aber in Fichtelberg ist's schon speziell.
Herr Heser! Sie können doch Fichtelberg nicht mit Warmensteinach vergleichen!
Fichtelberg ist...ohne Worte. Warmensteinach macht sich! Durch den Bgm. und
den Gemeinderat, den auch Sie angehören.
In meiner Gemeinde Weidenberg ist der Rückgang am höchsten (mit Pegnitz). Ich frage mich schon lange, warum die Gemeindeverwaltung bis jetzt keine Liste der Leerstände öffentlich auflegt. Es gibt immer wieder Anfragen von außerhalb nach Immobilien und Wohnungen.
Weidenberg, Wunsiedel, Fichtelberg. Eine Liste ohne Ende. Diese Gebiete sind momentan unattraktiv. Es will und wird sich momentan niemand
ansiedeln.
Warum muss man denn seinen eigenen Pessimismus so aufzeigen? Wer die Bewohner dieser Orte befragt, dem wird erzählt, wie viel Lebensqualität hier zu erreichen ist. Natürlich muss man dazu auch selbst etwas tun.
Fichtelberg wird noch mehr Einwohner verlieren. ZWEITWOHNUNGSSTEUER!