Der Jäger, der für Tierschutz kämpft

Welche Aufgaben stehen im Zusammenhang mit der Jagd in Verbindung?

Roland Schleicher: Die Jagd an sich findet im grenzenlosen Naturraum statt. Das Wild bewegt sich im Wald, ist aber auch in Feld und Wiese der Landwirtschaft zu finden, dem sogenannten Offenland. Beide Bereiche werden aber konkurrierend zum Wildbestand konventionell genutzt.

So die Forstwirtschaft zur Holzerwirtschaftung und die Landwirtschaft zur Lebensmittel-, Futtermittel- und Energieerzeugung. Als Beauftragter für Natur-, Umwelt- und Tierschutz sehe ich meine Aufgabe darin, den Dialog zwischen Landwirtschaft und Jagd zu fördern, so dass beide miteinander Lösungsansätze finden, um dem Wild den nötigen Freiraum zu bieten. In unserer Satzung sind der Schutz von Natur und Umwelt sowie der Tierschutz als klare Aufgaben verankert. Auf freiwilliger Basis können Maßnahmen ergriffen werden, die gleichermaßen ökologischen als auch ökonomischen Nutzen haben.

Das hört sich spannend an. Woran haben Sie dabei gedacht?

Schleicher: Aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten ist es mir möglich, die Bereiche Heckenstrukturen, Streuobst aber auch Brachlandschaften näher in Betracht zu ziehen. Die enge Zusammenarbeit mit dem Wildlebensraumberater der Oberpfalz fördert intensiven fachlichen Austausch. Wir werden versuchen, den einen oder anderen Landwirt zu gewinnen, der auf freiwilliger Basis bereit ist, mit seinem zuständigen Revierpächter auf landwirtschaftlichen Grund zum Beispiel Blühstreifen am Waldrand anzulegen oder Saumbiotope zu fördern. Hier ist nicht die Masse entscheidend. Es reichen bereits wenige Hundert Quadratmeter, um eine effektive Rückzugsmöglichkeit besonders auch für Niederwild zu schaffen.Solche stillgelegten Ackerbereiche können wir umgestalten, in dem spezielle Saatgutmischungen verwendet werden. Die Abschnitte können über mehrere Jahre auch so bestehen bleiben. Es geht hier nicht nur um die Förderung des Lebensraumes Brache allein, es ist auch eine gehörige Portion von agrarpolitischem und fördertechnischem Sachverstand notwendig.

Was darüber hinaus kann für den Schutz der heimischen Wildtiere gemacht werden?

Schleicher: Zu den Wildtieren gehören nicht nur Hase, Reh und Hirsch, sondern auch Wildvögel und -bienen. Durch ihre vielfältigen Funktionen verbessern Hecken den Lebensraum in der Kulturlandschaft. Diese stellen wichtige Verbindungslinien im Biotopverbund Wald-Wiese-Feld-Brache dar. Weil die Menschen die Fläche nicht mehr nutzen, sind Pflegemaßnahmen notwendig.

Wie sieht es eigentlich mit Obstbäumen aus?

Schleicher: Sogenannte Streuobstbäume bieten einen weiteren wichtigen Lebensraum für Tiere. Die Pflege, aber auch die Neuanlage, erfordern Einiges an Fachwissen.

Stehen die Ziele im Widerspruch zur intensiven landwirtschaftlichen Nutzung der Agrarflächen?

Schleicher: Nein, auf keinen Fall. Die intensive Landbewirtschaftung liegt im Entscheidungsspielraum des Landwirts, der sein Familieneinkommen mit dem knappen Produktionsfaktor Boden erwirtschaftet. Mir ist ein großer Acker lieber als mehrere kleine. Jeder Acker hat einen Rand, den sogenannten Rain, der ungenutzt bleibt. Diesen agrarökologisch zu fördern, ist ein wichtiges Ziel. Auch Ecken, die von Natur aus weniger Ertrag bringen, könnten in die Entwicklungsziele einbezogen werden.

Welchen Beitrag kann der Landwirt leisten?

Schleicher: Es sind keine riesigen Einschnitte notwendig, um das Wild zu schützen und Lebensraum zu bieten. Flächen, die vermehrt von Wild aufgesucht werden, sind häufig bekannt. Einfache Veränderungen der Fahr- und Arbeitstechnik helfen, große Verluste bei den heimischen Wildtieren zu vermeiden. Tierschonende Befahrmuster tragen zum Schutz junger Wildtiere und Vögel bei, in dem von innen nach außen gemäht wird und dadurch die Fluchtmöglichkeiten deutlich größer sind.

Haben alle Bürger was davon?

Schleicher: Das Erscheinungsbild gerade jetzt im Frühjahr ist geprägt von blühenden Schlehenhecken und frisch austreibenden Laubgehölzen. Die Hecken bieten einen deutlich aufgewerteten Anblick für Spaziergänger, Radfahrer und Menschen, die privat oder beruflich unterwegs sind. Zahlreiche Landschaften bieten einen öden Anblick und sind regelrecht „ausgeräumt“. Hier in Auerbach, aber auch in anderen Gegenden des Regierungsbezirks, bietet die Landschaft einen erholsamen und hervorragenden Anblick. Dennoch ist der Naherholungsraum, der von Spaziergängern, Freizeitsportlern und Hundespaziergängern genutzt wird, kein Freiraum. Gegenseitige Rücksichtnahme und die Achtung des Wildes und dessen Lebensraumes tragen zum gesunden Nebeneinander bei.

Haben Sie schon Aktionen angedacht?

Schleicher: In Absprache mit unserem Wildlebensraumberater werden wir voraussichtlich im Herbst auf die örtlichen Jäger und Landwirte zugehen und Möglichkeiten der Wildraumgestaltung diskutieren. Bei Besichtigung von Feldern geht es darum, wo etwas machbar erscheint oder überhaupt die fachliche Notwendigkeit besteht.

⋌Die Fragen stellte Sabine Rühl

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Montag, 13. November 2017 - 11:06