Der Handarbeiter am OP-Tisch

Genau diese Herausforderung hat den 49-Jährigen gebürtigen Schwäbisch-Gmünder im August von der Regensburger Universitätsklinik nach Bayreuth gelockt. „In Bayreuth kann ich den Bereich selbst mit aufbauen und gestalten, das hat mich sehr gereizt“, sagt er zu den Gründen für seinen Wechsel nach Oberfranken. In Regensburg hatte er vor fünf Jahren eine ähnliche Situation vorgefunden.

Eigene Operationstechnik

Chirurg geworden ist Dolderer, weil dieser Beruf handwerkliches Geschick mit wissenschaftlichem Anspruch vereine und Kontakt mit Menschen dazugehöre. „Ich  wollte immer gestalten“, sagt er. Die plastische Chirurgie biete dazu viele Möglichkeiten. „Keine Operation ist wie die andere. Als plastischer Chirurg sind Sie auf allen Körperteilen zuhause.“ Auch eigene Operationstechniken hat Dolderer entwickelt: So rekonstruiert er eine Bandverletzung an der Handwurzel, indem er eine körpereigene Sehne verwendet, die am Handgelenk nicht gebraucht wird.

Kein Schönheitschirurg

Als Schönheitschirurg sieht sich der Facharzt für plastische Chirurgie und Handchirurgie nicht.  „Wenn jemand zur mir kommt und von mir eine Mannequinfigur will, lehne ich das ab“, sagt er. Eingriffe müssten ethisch vertretbar sein. Das Einsatzspektrum ist enorm breit: Zum Beispiel die Wiederherstellung von Haut und Weichteilen bei großen Tumoroperationen, bei Druckgeschwüren (Dekubitus), bei kleinen Verbrennungen oder nach Straffungsoperationen im neuen Adipositaszentrum des Klinikums.  Da die plastische Chirurgie nun mit im Klinikum untergebracht sei, könne den Patienten eine Rundumberatung und –versorgung geboten werden – das biete kein anderes Haus in Oberfranken, sagt Klinikumsprecher Frank Schmälzle.

Es geht um Lebenqualität

Was Jürgen Dolderer wichtig ist: Bei seiner Arbeit geht es um die Erhaltung der Ästhetik und die Zurückgewinnung von Lebensqualität für die Patienten. Für Frauen zum Beispiel, denen er nach einer Brustkrebsoperation die Brust wieder herstelle, sei das enorm wichtig. Spektakulär war seine Operation vor rund einem Jahr in Regensburg: Einem Mann war bei einem Unfall ein Bein und ein Teil des Beckens herausgerissen worden. Nur durch glückliche Umstände überlebte er. Die Operation hätte eigentlich sofort erfolgen müssen, doch der Patient war instabil. So wurde das abgetrennte Bein 18 Stunden lang an einer Herz-Lungen-Maschine versorgt, bis die Operation erfolgen konnte, die dann wieder 14 Stunden dauerte. „Alle Gefäße, Nerven, Muskeln mussten unter dem Mikroskop passend zusammengefügt werden“, berichtet Dolderer.  Dem Patienten wurde zwar später dennoch wegen einer Trümmerfraktur am Unterschenkel das Bein amputiert, aber er könne wieder sitzen und eine Prothese tragen. „Alles in allem war das weltweit einmalig“, sagt Dolderer.

Die Hand im Hobel

Und dann ist da noch der fünfjährige Bub, der vor einem Jahr mit der Hand in einen Hobel geriet und dem vier Finger etwa in der Hälfte abgetrennt wurden. Als er von dem Unglück hörte, setzte sich Dolderer ins Auto, fuhr ins Regensburger Krankenhaus und operierte eine Nacht lang. „Wir haben es hinbekommen, die Finger des Jungen zu retten“, sagt er. Der Bub, der seine Finger fast wieder normal bewegen kann, kam gerade zur Nachbehandlung zu Dr. Dolderer – jetzt nach Bayreuth.

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