Der Green Campus macht Bayreuth sexy

Alles, was unter dem Schlagwort Nachhaltigkeit zusammengefasst werden kann, sei attraktiv für Studenten aus Großstädten. Zur wachsenden Bio-Orientierung junger Menschen gehörten vegane Lebensweise und fair gehandelte Produkte ebenso wie betriebliches Gesundheitsmanagement und die sogenannte Sharing-Economy, sagt Held. Kurz bevor er Bayreuth verlässt, um eine Arbeitsstelle an einer Bank in Bochum anzutreten, zieht er Bilanz.

Mobilität: Car-Sharing etwa "muss man selbst erlebt haben", sagt er. Auf dem Campus stehen neuerdings zwei Fahrzeuge zur Verfügung, die man per App buchen kann. Der Umstieg vom Auto aufs Fahrrad beschwert Bayreuth einen Spitzenplatz in einem weltweiten Wettbewerb: An der CO2-Challenge nehmen rund 25000 Menschen teil, knapp 500 davon in Bayreuth. Die Smartphone-App Changers zeichnet auf, mit welchem Verkehrsmittel ein Teilnehmer unterwegs ist. Der Verzicht auf Auto und Flugzeug hat seit April auf dem Campus zur Einsparung von gut 100 000 Kilogramm CO2 geführt - damit liegt Bayreuth an der Spitze der Changers-Tabelle. Die Teilnehmer bekommen Bonuspunkte, mit denen sie im Mensa-Shop einkaufen können.

Energie: Ab Oktober soll - rechtzeitig zum Beginn des Wintersemesters - eine Stromtankstelle für E-Autos auf dem Campus installiert werden. Die Stadtwerke Bayreuth stellen dafür Energie kostenlos zur Verfügung. "Wir wollen damit eine Botschaft senden, dass jetzt ein günstiger Zeitpunkt ist, sich die Prämie für den Kauf eines E-Mobils zu sichern," sagt Held. Er habe jede Woche Anfragen zum Thema Elektromobilität, vor allem von Uni-Mitarbeitern.

Die Universität bezieht ihren Strom aus 100 Prozent erneuerbarer Energien durch die Stadtwerke Regensburg und die Solaranlagen auf den Dächern. Ein Gebäude der naturwissenschaftlichen Fakultät wird komplett durch die Abwärme des Supercomputers btrzx3 beheizt.

Fairer Handel: Die Uni Bayreuth ist vor wenigen Tagen als erste Fairtrade-Universität Bayerns ausgezeichnet worden. Das bedeutet: Die Cafeteria und die vegetarisch/vegane Mensa beziehen ausschließlich Fairtrade-Kaffee und -Kakao und verwenden MSC-zertifizierten Fisch sowie regionales Fleisch. Auch Fairtrade-Schokolade ist erhältlich. Die Kaffeeautomaten auf dem Campus liefern weitere Fairtrade-Sorten.

Biodiversität: Auf dem Campus dürfen nunmehr bestimmte Wiesen wild wachsen. Sie werden nur noch ein Mal jährlich gemäht. Das spare Arbeit und Geld. Außerdem sei geplant, die Schafe aus dem Botanischen Garten besser sichtbar zu machen: Sie sollen auf der Wiese am Gebäude Angewandte Informatik grasen dürfen."Tiere gehören auch an Elite-Unis wie Oxford zum Campus."

Patrick Held sieht die Uni mit ihren grünen Aktivitäten auf einem guten Weg, allerdings habe die Stadt Bayreuth noch Nachholbedarf: "Die Zeit des Zögerns ist vorbei. In Großstädten sind diese Themen längst besetzt. Wer nicht will, dass wir nur noch amerikanische Lösungen wie selbstfahrende Tesla-Mobile und Google-Autos haben, muss europäische Antworten finden." In den nächsten 15 Jahren seien zahlreiche ökonomische Einschnitte zu erwarten: "Noch kann Oberfranken zu den Gewinnern dieser Megatrends gehören. Man ist da schnell ganz vorne mit dabei."

Viele Aktivitäten an der Uni seien ohne finanziellen Aufwand möglich geworden, sagt er. Seine Aufgabe habe zum Teil darin bestanden, Vorhandenes zusammenzuführen. Das müsste auch in der Stadt möglich sein, sagt er zur Weigerung des Stadtrates, Bayreuth als Fairtrade-City zu etablieren: Auch Dinge, die etwas kosten, bringen Geld zurück. Wir zahlen lediglich ein paar Euro mehr für den Kaffee, aber der Marketingwert der Fairtrade-Urkunde ist gut und gerne 100 000 Euro wert."

Wenn der 28-Jährige in wenigen Tagen die Universität verlässt, gibt er seine Arbeit in gute Hände: Die Professoren Gilbert Fridgen und Britta Planer-Friedrich werden sie weiterführen. Dieses Duo verbindet wirtschaftliche und ökologische Kompetenz. Und Helds Büro bleibt als Anlaufstelle für Campus-Initiativen wie "Papierpilz" erhalten.

Info: Details zum Nachhaltigkeitsstreben an der Uni gibt es im Web und auf Facebook.

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Kommentare

"Alles, was unter dem Schlagwort Nachhaltigkeit zusammengefasst werden kann, sei attraktiv für Studenten aus Großstädten." Ist es für Studierende aus Dörfern, Klein- und Mittelstädten nicht attraktiv?
Das "Fleisch aus der Region" ist künstlich überteuert! Zu wessen Gunsten?
Montag, 13. November 2017 - 11:06