Der Frostbote von Kulmbach

Seit 26 Jahren ist der gelernte Kfz-Mechaniker nun schon Postbote und verteilt etwa 600 Briefe täglich. Schnee, Eis und Kälte stören den 52-jährigen Postboten Klaus Opel aus Hollfeld nicht. Es gebe kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung, sagt Opel während er bei minus zehn Grad Celsius zügigen Schrittes die Treppenstufen Richtung Plassenburg erklimmt. „Und schlechte Kleidung gibt es bei der Post nicht“, sagt Opel und lacht. Das stimmt: Dicke Hosen, Multifunktionsjacken und Turnschuhe, die ein namhafter mittelfränkischer Sportartikelhersteller für die Post produziert, stellt das Unternehmen seinen Mitarbeitern zur Verfügung. So kann die Post auch bei zweistelligen Minusgraden zugestellt werden.

Gut sortiert ist halb ausgeliefert

Egal welches Wetter draußen tobt, Opels Arbeitstag beginnt um sechs Uhr morgens. Die Post, die in Kulmbach verteilt wird, kommt aus dem Verteilzentrum in Wolfsbach bei Bayreuth. Über Nacht werden dort einige hundert Pakete und tausende Briefe für Kulmbach vorsortiert und mit drei Lastern zwischen sechs und acht Uhr geliefert. Opel sortiert die Pakete und Briefe, die er austragen wird, in verschiedene Kisten. Drei der Kisten kommen auf Opels sonnenblumengelben Wagen, die restlichen werden in zwei grünlichen Kästen entlang der Route zwischengelagert. Um neun Uhr beginnt Opel mit der Zustellung, vier Stunden braucht er für seine zehn Kilometer lange Strecke.

Ansprechpartner vor Ort

Viele der Briefkästen der 600 Haushalte auf seiner Route kennt der 52-Jährige blind. Und auch die Kulmbacher kennen „ihren“ Postboten. Immer wieder wird er auf der Straße angesprochen. „Ich habe einen Termin beim Arzt, dann würde ich meine Post gleich mitnehmen“, sagt eine ältere Frau mit grauen Haaren und lilafarbenem Wollmantel. Opel durchsucht den Briefstapel in seiner Hand, zieht einen der Briefe heraus und überreicht ihn der Dame, die ihn gleich in ihre schwarze Lederhandtasche steckt. „Bitteschön“, sagt er freundlich nickend zu der Frau. Und geht weiter durch die Obere Stadt.

Kümmert sich um "seine Mädels"

Für viele Haustüren entlang seiner Route hat Opel Schlüssel, um an die Briefkästen zu kommen. „Die Briefkästen hängen in den Hausfluren, damit sie nicht kaputt gemacht werden.“ Ein besonderer Service des Postboten: Bei vielen Arztpraxen oder Anwaltskanzleien bringt er die Post direkt an den Empfang. Theoretisch müsste er das nicht tun, aber „ich freue mich immer, ein bisschen ins Warme zu kommen und mit den Leuten zu reden“. Belohnt wird er dafür nicht nur mit einem dankbaren Lächeln, sondern auch mit Schokolade, die Opel dankend annimmt. Viele der Mitarbeiterinnen der Praxen und Kanzleien, die er liebevoll „seine Mädels“ nennt, freuen sich schon auf den Besuch des gutgelaunten Briefträgers. Wenn Opel nicht gerade Post zustellt, spielt er Tischtennis oder fährt Fahrrad. „Ein guter Ausgleich zum laufen“, sagt der 52-Jährige, der jahrelang in Weismain Fußball auf Regionalliga-Ebene gespielt hat.

Einziger Postbote zu Fuß

„Wir Postboten sind immer vor Ort“, sagt Opel. Im Gegensatz zu Mitbewerbern, die nur hin und wieder in seinem Bezirk zustellen, wisse er genau, wer umgezogen oder verstorben ist. „Und natürlich auch, wer ein Verhältnis mit wem hat“, sagt Opel und lacht. Er ist Zustellteamleiter für Kulmbach – er trägt die Verantwortung für seine Mitarbeiter, muss Dienstpläne schreiben und Vertretungen in Krankheitsfällen finden. Und nebenbei stellt er noch Post in der Innenstadt zu. „Ich würde nichts anderes machen wollen.“ Auch wenn der Job oft hart sei. Er arbeitet sechs Tage die Woche – nur Sonntag hat er frei. Und das als einziger Postbote zu Fuß. Seine 40 Kollegen sind fünf Tage pro Woche mit Fahrrädern oder Autos im ganzen Landkreis unterwegs.

Kein Job für jedermann

Auch wenn jeder Postbote werden kann – für den Vater dreier Kinder ist es kein Job für jedermann: „Man muss belastbar und auch gerne draußen sein, sonst macht man den Job nicht lange.“ Zudem müsse man bei Wind und Wetter zustellen – was vielen nicht gefalle. Nur einmal habe er bisher nicht die Post ausgetragen – da seien die Straßen aufgrund von Eisregen spiegelglatt gewesen. Dafür bietet der Job aus Sicht des Briefträgers viele Vorteile: „Wir können uns die Zeit einteilen, wie wir wollen.“ Sobald der Postmitarbeiter mit seiner Tour fertig ist, hat er Feierabend. „Egal um wie viel Uhr.“ Und natürlich der enge Kontakt mit den Kulmbachern.

Gearbeitet wird, bis die Post ausgetragen ist

Gerade neue Postboten tun sich schwer, denn sie wissen nicht, wer wo wohnt. „Ich hatte schon neue Postboten, die haben mit der Taschenlampe ausgetragen, weil sie so lange gebraucht haben“, sagt Opel. Doch nach zehn Stunden Arbeit ist auch für Postboten Schluss. Sollte die Route bis dahin nicht beendet worden sein, muss der Mitarbeiter im Verteilzentrum in Bayreuth anrufen. Und die restlichen Briefe am nächsten Tag austragen. Das passiere jedoch sehr selten.

Arbeit wird immer schwerer

Auch auf den letzten Metern seiner Tour wird Opel kein bisschen langsamer. Mittlerweile ist es 14 Uhr, die Temperaturen erreichen fast den Gefrierpunkt. Der Wagen des Postboten ist mittlerweile leer, über 600 Briefe hat er an diesem Tag zugestellt. Die Arbeit sei in den vergangenen Jahren mehr geworden, sagt Opel. „Früher hat jeder von uns 20 Pakete ausgeteilt, heute sind es hundert.“ Schuld daran ist nicht nur der Online-Handel, sondern auch die Post selbst. Denn jedes Jahr wird die Route der Briefträger verändert. Mal kommt eine Straße dazu, mal fallen Straßen weg.

Doch etwas anderes als Postbote möchte Opel gar nicht sein – trotz kleinerer Zwischenfälle. „Als Postbote muss man alles mal mitgemacht haben“, sagt Opel. Dazu gehöre auch, mal von einem Hund gebissen zu werden. Oder auf der Straße auf einer Eisscholle auszurutschen.

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