Der doppelte Lohengrin: Wirbel um den Schwanenritter

Manche Meldungen sind auf den zweiten Blick viel spannender als auf den ersten, diese gehört dazu.

Die Rolle des Lohengrin bei den Bayreuther Festspielen 2018 sei besetzt, meldete die Deutsche Presseagentur (dpa) am Montag um 13.15 Uhr. Der französische Tenor Roberto Alagna werde die Partie in der Neuinszenierung der Oper singen (Regie: Alvis Hermanis, Bühnenbild: Neo Rauch).

Dass Alagna 2018 in Bayreuth als „Lohengrin“ debütiert, ist schon seit Wochen bekannt – und war bis zu diesem Wochenende auch unzweifelhaft.

Alagna selbst hatte sein Engagement bei den Festspielen 2018 im September dem österreichischen „Kurier“ mitgeteilt. „Ich habe da eine Anfrage bekommen, bei der ich zuerst dachte, die meinen das nicht ernst“, zitierte der „Kurier“ den Sänger am 20. September. „Aber ich habe dann spontan zugesagt. Ich werde in Bayreuth meinen ersten ,Lohengrin‘ singen, wieder mit Anna Netrebko als Partnerin. Christian Thielemann dirigiert. Und wenn er meint, ich kann das, wird er schon recht haben.“

Thielemann, der bei den Bayreuther Festspielen als musikalischer Berater fungiert, gab am Wochenende derselben Zeitung zum selben Thema ein Interview. Als nächsten Bayreuther Lohengrin nannte er aber nicht Alagna, sondern Piotr Beczala – und Anna Netrebko als Elsa. „Beide sind für diese Partien ideal“, zitierte der „Kurier“ den Dirigenten. „Man muss für Bayreuth auch Stimmen kreieren. Ich bin überzeugt,dass Anna und Piotr die Idealstimmen für ,Lohengrin‘ sind.“

Die Telefone liefen heiß am Wochenende. Am Montag schließlich schickte das Pressebüro der Festspiele eine Mitteilung an die dpa: „Festspielleiterin Katharina Wagner und Christian Thielemann teilen mit, dass in der „Lohengrin“-Neuinszenierung der französische Tenor Roberto Alagna die Titelpartie verkörpern wird.“ Alagnas Management verbreitete die Mitteilung sofort dreisprachig im Internet, die dpa versandte eine Meldung, die eine Vielzahl deutschsprachiger Online-Medien (darunter die „Welt“) verbreiteten.

Auf den ersten Blick wirkte die Meldung ja auch wie eine Neuigkeit.

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