Den Wölfen auf der Spur

Zu tun hat er damit zurzeit genug. Sebastian Bäumler ist seit dreieinhalb Jahren beim Forstbetrieb Pegnitz, seit vergangenem Jahr ist er Förster für das Revier Hufeisen-Ost im Veldensteiner Forst. Im April wurde dort der erste Wolfsriss gefunden, Bäumler wurde hinzugerufen. So kam es, dass er zuständig wurde für das Wolfsmonitoring beim Forstbetrieb Pegnitz. Wenn ein Riss gefunden wird, nimmt Bäumler die Genetikprobe und füllt die Monitoring-Formulare aus. Diese schickt er dann an das Landesamt für Umwelt in Augsburg.

Ergebnisse stehen noch aus

Zuletzt wurde ein Kadaver Mitte September gefunden. „Die Ergebnisse stehen noch aus“, so Bäumler. Er selbst hat im Juli zum ersten und einzigen Mal einen Wolf im Veldensteiner Forst gesehen. Nur 200 Meter entfernt vom Forsthaus, das gegenüber dem Wildgehege Hufeisen gelegen ist, wechselte ein Wolf über die Forststraße. Ob das Tier das Weibchen mit der Bezeichnung „GW716f“ war, dem bereits mehrere Risse im Veldensteiner Forst zugeordnet wurden (wir berichteten), weiß Bäumler nicht. Ohnehin könne man nur unterscheiden, ob es sich um ein Männchen oder Weibchen handle, wenn Jungtiere auf der Welt sind und deshalb die Zitzen der Muttertiere deutlich zu sehen sind.

Jungwölfe wandern ab

Weil auf dem Truppenübungsplatz ein Wolfspaar lebt, geht Bäumler davon aus, dass es spätestens im kommenden Jahr ein Rudel geben wird. Die Jungwölfe wandern dann ab und suchen sich ein neues Territorium. „Es ist im Moment davon auszugehen, dass die Population ansteigt“, so Bäumler.

In Begeisterungsstürme bricht der Förster deshalb nicht aus. Vielmehr steht er diesem Umstand neutral gegenüber. „Es gibt Chancen, aber es wird massive Konflikte geben“, sagt er. Er sieht die Politik in der Verantwortung. „Langfristig müssen Lösungen gefunden werden.“ Bäumler versteht die Ängste der Bürger vor dem Wolf, sagt aber: „Ich denke nicht, dass eine Gefahr vom Wolf ausgeht.“ Die Tiere seien scheu, in der Regel bekomme man sie nicht zu Gesicht. „Die Wahrscheinlichkeit ist höher, von einem Wildschwein angegriffen zu werden.“

6000 Hektar großer Forst

Im knapp 6000 Hektar großen Veldensteiner Forst gibt es viel Rotwild, „auch deshalb fühlt sich der Wolf hier wohl“. Offenbar gebe es auch ausreichend Rückzugsmöglichkeiten für die Beutegreifer. „Ich hatte eher Bedenken, weil der Wald frequentiert ist. Aber scheinbar macht das dem Wolf nicht viel aus.“ Gerade jetzt in der Anfangsphase werden alle Sichtbeobachtungen, auch von Privatleuten, protokolliert. „Um zu schauen, wie der Wolf ausstrahlt.“ Steige die Population allerdings an, könne dieser Aufwand nicht mehr geleistet werden.

Genetische Auswertung

Ein Großteil der Kotfunde befindet sich zurzeit noch in der genetischen Auswertung. Um die zehn Losungen wurden seit April entdeckt, eine wurde bereits dem Wolf zugeordnet, allerdings keinem Individuum. Je nach Auslastung liegt das Ergebnis der Genetikuntersuchung durch das Senckenberg-Institut in Gelnhausen innerhalb von drei bis acht Wochen vor. Seit April wurden immer wieder Risse und Kot gefunden, einmal hat eine Fotofalle zugeschnappt.

Sichtbeobachtungen

Wenn sich ein Wolf sechs Monate im selben Gebiet aufhält und das auch nachgewiesen wird, gilt das Tier als standorttreu. Auch in den vergangenen drei bis fünf Jahren hat es laut Bäumler immer wieder Sichtbeobachtungen gegeben. Etwas Besonderes sei das nicht, da Wölfe weite Strecken zurücklegen. „An jedem Tag kann man in jeder Region Bayerns damit rechnen, dass ein Wolf auftaucht“, sagt Bäumler.

Hundeeinsatz bei der Jagd

Wenn er nicht mit dem Wolf beschäftigt ist, kümmert sich Bäumler, der in Michelfeld wohnt, um sein Revier. Zu seinen Aufgaben zählen vor allem der Holzeinschlag, aber auch der Wegebau, der Naturschutz, die Jagd sowie das Jagdmanagement. Bäumler erzählt, dass viele Menschen Bedenken wegen des Hundeeinsatzes bei der Jagd hätten in Gebieten, wo der Wolf lebt. Er mache sich noch keine Sorgen, dass es Konflikte zwischen Wolf und Hund geben könnte. „Straßenverkehr, Zug und Wildschweine sind viel gefährlicher für Hunde.“ Er selbst lässt seine Hunde auch frei laufen im Wald. Gefährlich werde der Wolf erst, wenn er die Scheu vor dem Menschen verliere. Deshalb rät er dringend davon ab, die Raubtiere zu füttern. Sollte man doch einmal auf das scheue Tier treffen, sollte man sich bemerkbar machen. Wer einen Hund dabei hat, sollte diesen anleinen. Der Wolf werde dann das Weite suchen.

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Kommentare

An sich ist der Wolf scheu, und wenn er nicht scheu ist, schau ma mal, was dann passiert.
Dann knurrt er und zeigt, dass er es nicht duldet, ihm näher zu kommen.
Trotzdem gibt es immer Wildtiere, die überraschend reagieren, sei es, weil sie Junge haben, sei es, weil sie mit Tollwut infiziert sind.
Montag, 13. November 2017 - 11:06