Den Banken-Roboter wird es nicht geben

Herr Riegler, sie haben kürzlich beim Fränkischen Volontärstag das Gespräch mit jungen Journalisten gesucht – einer Generation, die selbst stark von der aktuellen Geldpolitik betroffen ist. Was konnten Sie als BayernLB-Chef denen mit auf den Weg geben?

Johannes-Jörg Riegler: Für viele junge Menschen, die jetzt nach einer Lehre oder einem Studium in einen Beruf einsteigen, ist es leider ganz normal, dass es keine Zinsen mehr gibt. Da ist es teilweise schwierig, Verständnis dafür zu generieren, dass es sich trotzdem lohnt, Geld anzulegen und für die Zukunft vorzusorgen. Denn es ist wichtig, eben nicht nur an heute und morgen, sondern auch an übermorgen zu denken. Es mag zwar aktuell keine Zinsen geben, es ist dennoch immer sinnvoll, etwas zu tun, damit man im Alter eine eigene Immobilie oder größeren finanziellen Spielraum hat.

 

Es ändern sich aber ja nicht nur die Rahmenbedingungen. Gerade Banken stehen derzeit vor großen Umbrüchen. Wie muss sich da etwa die BayernLB umstellen und anpassen?

Riegler: Alle Banken haben es sich früher leisten können, in ganz langen Zyklen zu denken. Und es gab sehr gute Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Das hat sich massiv geändert. Unser Geschäftsmodell ist heute in vielfältiger Weise unter Druck. Und zwar nicht nur durch den intensiven Wettbewerb, die teure Regulatorik und das Zinsumfeld, sondern auch durch die Digitalisierung. Denken Sie nur an Fintechs oder die Amazons, Alibabas und Googles dieser Welt. Die übernehmen zunehmend Bankfunktionen und schneiden dadurch in unsere Wertschöpfungskette hinein. Darauf müssen wir Antworten finden. Dabei helfen uns vor allem die jungen Leute.

 

Inwiefern?

Riegler: Alle Banken müssen flexibler und schneller werden sowie ihren Kunden überzeugende digitale Lösungen anbieten. Alleine werden wir das nicht schaffen. Entscheidend ist deshalb, dass wir die Generation der Digital Natives zu uns in die Banken holen.

 

Ist der Banker der Zukunft dann eher Informatiker als Betriebswirt?

Riegler: Ja, die Schwerpunkte werden sich verschieben. Aber natürlich wird ein Banker immer mit betriebs- und auch volkswirtschaftlichen oder auch juristischen Fragen konfrontiert sein. Aber das Thema Informationstechnologie wird tatsächlich immer wichtiger. Der einzige Rat, den ich jungen Menschen, die Banker werden wollen, geben kann, lautet: Zeigt immer Veränderungsbereitschaft und Lernwillen.

 

Wenn man sich die Geschäftsmodelle junger Start-ups ansieht, wird aber auch deutlich, dass Algorithmen und Computerprogramme dem Banker immer mehr Aufgaben abnehmen.

Riegler: Und das darf man bitteschön auch nicht grundsätzlich verteufeln. Es gibt und gab viele Tätigkeiten, die möchte doch heutzutage kein Mensch mehr machen. Und auch wenn künftig zunehmend Arbeiten durch Künstliche Intelligenz, Algorithmen, Computer oder Robotik übernommen werden, wird der Faktor Mensch immer eine zentrale Rolle spielen. Aber halt eine andere als noch vor 20 Jahren. Den gleichen Wandel sieht man doch auch in anderen Industrien. Wir als Finanzdienstleister hinken ein Stück weit hinterher. Aber es erreicht uns jetzt genauso – die Banken wie die Versicherungen und die Asset-Manager.

 

Konkret: Welche Rolle spielt der Faktor Mensch dann genau?

Riegler: Eins ist klar: Es wird viele Arbeiten geben, die künftig eine Maschine übernimmt; oder wir erreichen den Kunden über eine App auf dem Smartphone. Gleichzeitig aber wird die individuelle Beratung, bei der Kunden nach wie vor mit Menschen sprechen und sich austauschen wollen, an Bedeutung zunehmen. Letztendlich spielen der Mensch und vor allem das Vertrauen, das ihm entgegengebracht wird, im Banking eine entscheidende Rolle.

 

Haben Sie da ein Beispiel dafür?

Riegler: Nehmen Sie eine komplexe Baufinanzierung. Die ist in den meisten Fällen eine Lebensentscheidung, die man ein-, maximal zweimal trifft. Jemand, der sich dafür interessiert, kann sich zwar über viele Dinge schon vorab informieren, etwa über die Konditionen. Am Ende des Prozesses aber, wenn der Kunde eine Entscheidung trifft, die sein Leben und seine wirtschaftlichen Verhältnisse für die nächsten 20 oder 30 Jahre beeinflussen wird, wird er das nach meiner Überzeugung mit jemand machen wollen, dem er persönlich vertraut.

 

Also geht es vor allem um den persönlichen Kontakt.

Riegler: Ich kann mir nicht vorstellen, dass einem Kunden eines Tages ein freundlicher Roboter gegenüber sitzt und ihm auf die Schulter klopft. Zumindest nicht in der Zeit, die ich erleben werde.

 

Sie sprechen es schon an, Kunden informieren sich immer öfter selbst. Wie geht die BayernLB mit der Konkurrenz aus dem Internet um?

Riegler: Diese Konkurrenz ist da, und mit der müssen wir auch leben. Das ist jetzt aber kein Phänomen, das nur auf uns Banken zutreffen würde. Wenn man etwa ein Modegeschäft oder eine Buchhandlung betreibt, muss man auch davon ausgehen, dass die Kunden  sich  schon  vor  dem Besuch im Laden im Internet informiert haben. Und dass sie sich genau bewusst darüber  sind,  welche Angebote es gibt und welche Preise aufgerufen werden. Dem müssen wir Banken uns genauso stellen wie alle anderen Dienstleister auch.

 

Sind die Banken und die Finanzwirtschaft bereit dafür?

Riegler: Diese Frage stellt sich gar nicht. Entweder wir machen mit oder wir haben ein Problem.


Info: Die BayernLB ist das Spitzeninstitut der bayerischen Sparkassen. Seit April 2014 ist Johannes-Jörg Riegler Vorstandsvorsitzender. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2007 kam die Bank in finanzielle Schwierigkeiten und musste mit einem Notkredit des Freistaats Bayern gerettet werden. Im vergangenen Jahr hat die BayernLB den Kredit frühzeitig zurückgezahlt.

Nicht bewertet

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Kommentare

Was ist, wenn in absehbarer Zeit ein lernfähiger Computer mehr Vertrauen genießt als ein Sachbearbeiter? ;-)

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