Den Bachmuscheln geht es wieder gut

Was das Totholz für den Hirschkäfer, das ist das naturnahe Rinnsal für die Bachmuschel: Der ideale Lebensraum. Und diese Lebensräume werden immer weniger. Dieser Entwicklung wollten die Naturschützer und die Fachbehörden vor etwa 20 Jahren gegensteuern.

Kosten: 11,7 Millionen Mark

Im Ailsbachtal startete im 1997 ein Erprobungs- und Entwicklungsprojekt, das sich zum Ziel gesetzt hatte, die Bachmuschel im Ailsbach (und im Lainbach bei Weidenberg) zu erhalten und den Lebensraum vieler seltener Tier- und Pflanzenarten zu sichern. Dafür wurde viel Geld in die Hand genommen: Etwa 11,7 Millionen Mark.

Verantwortlich waren der Bezirk Oberfranken und die Gemeinde Ahorntal. Die Planung und technische Abwicklung des Projektes übernahm das Wasserwirtschaftsamtes Bayreuth. Von der Universität Bayreuth wurde das Projekt wissenschaftlich begleitet. Verantwortlich war dafür vor allem die Diplombiologin Susanne Hochwald. Wir sprachen mit ihr über das erfolgreiche Projekt. Denn im Ailsbach gibt es mittlerweile wieder etwa 6000 Bachmuscheln.

Renaturierung des Ailsbaches

Ein weiterer Effekt: Seit der Renaturierung des Ailsbaches laufen bei Hochwasser die Keller der Häuser in der unterhalb liegenden Ortschaft Oberailsfeld nicht mehr voll. „Das Projekt wurde begonnen“, erläutert sie, „weil sich die Lebensgrundlagen für die in Bayern vom Aussterben bedrohte Bachmuschel und andere Wasserorganismen verschlechtert hatten. Die Schaffung besserer Ökosysteme war das Ziel des Vorhabens.“

Ursprünglich kurviger Bachverlauf

Die Gemeinde wurde für dieses Projekt ausgewählt, weil festgestellt worden war, dass im Ailsbach noch eines der größten Bachmuschelvorkommen Nordbayerns vorhanden war. Trotzdem war Handeln notwendig. Der ehemalige Bürgermeister Herbert Dannhäußer erinnert sich, dass der Bach in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts begradigt, tiefer gelegt und teilweise sogar gepflastert worden ist. Diese Maßnahmen wurden wieder rückgängig gemacht, der ursprünglich kurvige Bachverlauf wurde wieder hergestellt.

Schnurgerade Wasserautobahn

Dem Bach, der vorher mehr einer schnurgeraden Wasserautobahn glich, wurde das notwendige „Mobiliar“ für Muscheln, Fische, Flusskrebse, Libellen und so weiter zurückgegeben, indem weite Strecken des Bachlaufs renaturiert wurden. In den dadurch entstandenen Bögen finden nun die Bachmuscheln genügend Sand und Schlamm vor, was ihr Überleben sichert.

Das Bachmuschel-Projekt war der Bevölkerung nicht immer leicht zu vermitteln. „Wir müssen viel Geld für ein paar Bachmuscheln zahlen“, war immer wieder zu hören. Schließlich hat die Gemeinde 25 Hektar ihres Gebiets entlang des Ailsbachs für den Schutz der Bachmuschel zur Verfügung gestellt. Dazu kommen noch große FFH-Schutzflächen, so dass mittlerweile 60 Prozent des Gemeindegebiets aus Naturschutzfläche bestehen.

Viel Überzeugungsarbeit

Dannhäußer hat viel Überzeugungsarbeit für das Projekt bei den Bürgern geleistet. Denn es wurden Maßnahmen zur Reduzierung der Gewässerbelastung durch den Eintrag landwirtschaftlicher und häuslicher Abwässer getroffen. „Dies konnte über die Modernisierung der Kläranlage und den Ankauf von Uferrandstreifen ermöglicht werden“, erläutert Susanne Hochwald. „Bestandstützende und die Muschelpopulationen fördernde Maßnahmen ergänzten die Arbeiten.

Pionierarbeit für die Bachmuschel

Da die Fortpflanzung der Muscheln an Wirtsfische wie die Elritze gebunden ist, sind alle negativen Einflüsse auf Wirtsfische auch für die Muscheln schädlich. Störende Eingriffe auf Unterstände und Laichplätze der Wirtsfische wirken sich also indirekt auf die Muscheln aus.“ In dem kleinen Ailsbach ist Pionierarbeit für die Bachmuschel geleistet worden.

Tausende Elritzen gefunden

Bei weiteren Bachmuschelprojekten, die derzeit in Tschechien, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg laufen, könnten die Wissenschaftler darauf aufbauen. Darauf verweist Susanne Hochwald, die mittlerweile die Bachmuschel-Regionalbeauftragte des Landesamtes für Umwelt ist. Sie berichtete auch, dass bei einer Befischung des Ailsbaches auf einer Länge von rund 150 Metern Tausende Elritzen gefunden wurde.

Es wuchsen sogar Jungmuscheln

Die Laichmöglichkeiten des Ailsbachs seien gut, so die Wissenschaftlerin. Es ist Kies eingebracht worden und die Versteckmöglichkeiten für die Tiere sind optimal. Die Situation bei den Bachmuscheln entwickelte sich anfangs positiv. Es wuchsen sogar Jungmuscheln. Die Bestände der Bachmuschel sind um 50 Prozent gestiegen, wie die Biologin betonte. Allerdings bereitete der Bisam vor etwa zehn Jahren einiges Kopfzerbrechen.

In Böhmen ausgesetzt

Dieses Nagetier, das vor etwa 100 Jahren in Böhmen ausgesetzt worden ist, hatte innerhalb weniger Jahre etwa 90 Prozent der Bachmuschelbestände aufgefressen. Obwohl sich der Bisam überwiegend vegetarisch ernährt, stellen die Muscheln eine proteinreiche und damit ergänzende Nahrungsquelle dar. Daraufhin machten sich auf Hochwalds Anregung Bisamfänger auf den Weg zum Ailsbach. Der Einsatz von Fängern war erfolgreich.

Susanne Hochwald ist optimistisch

Die Zahl der Bachmuscheln nahm in der Folgezeit wieder deutlich zu. „Der damalige Bürgermeister Dannhäußer hatte schon befürchtet, er würde es nicht mehr erleben, dass die Bachmuscheln im Ailsbach wieder richtig Fahrt aufnehmen“, so die Fachfrau. Susanne Hochwald ist für die Zukunft optimistisch, sie hat folgende Theorie: „Ein Bisam lernt vom anderen, wie man Muscheln knackt. Wenn man da nur ein bisschen stört und ein paar muschelfressende Tiere fängt, bleiben die anderen brav bei ihrem Gras, weil sie nichts anderes kennen.“

INFO: Durch den Videofilm „Von Muscheln und Menschen“ kann man einen kurzen Überblick bezüglich der Zielsetzung sowie der Maßnahmen in der Gemeinde Ahorntal gewinnen. Dieser Film kann über die Landesbildstelle Nordbayern in Bayreuth ausgeliehen werden.

Lesen Sie hierzu auch folgende Texte:

Teil 1: Immer auf der Suche nach der Mitte

Teil 2, Bindlach: Begegnung am Maisacker

Teil 4, Der Mittelpunkt Bad Bernecks

Emtmannsberg

Creußen

Bischofsgrün

Bad Berneck

Pottenstein

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