Dem Wald ein neues Gesicht geben

Für den Umbau des Waldes ist auch ein Umdenken erforderlich, so Lautner: „Das setzte mit der Forstreform im Jahr 2005 ein.“ Damals reifte die Erkenntnis, dass es nicht ausreicht, ab und zu ein paar neue Bäume zu pflanzen. Vielmehr müsse dahinter ein Konzept stehen. Allein schon, um Monokulturen vorzubeugen. Denn diese sind in unseren Breitengraden oft anzutreffen. Stichwort Kiefer. „Wir sind froh, dass wir sie haben, aber sie ist zu dominant“, sagt Lautner. Das gelte auch für die Fichte, den Baum des Jahres 2017. Die wolle man keineswegs verteufeln - aber ein Wald, der nur aus Kiefern und Fichten besteht, sei nicht gerade ein Ideal, dem man nacheifern sollte.

Die Mischung macht's

Ein gesunder Wald müsse vielfältiger gestaltet sein. Die Mischung macht’s. Die Mischung von Nadelhölzern und Laubbäumen vor allem. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen jene mitspielen, die im Wald das Sagen haben - die Waldbesitzer. Die ziehen mit, sagt Lautner. Seit Jahren schon, „und zwar ältere wie jüngere Semester“. Die FBG will sie für diesen Bewusstseinswandel sensibilisieren. Mit Seminaren, mit Fortbildungen. Ein System, das funktioniert, sagt auch Forstingenieurin Rebekka Reichstein.

Pflanzen allein genügt nicht

Sie kümmert sich unter anderem um das Thema Pflanzschulungen. Denn das Wissen, dem Wald mit Buche, Ahorn, Douglasien oder Roteichen ein neues Gesicht geben zu müssen, genügt nicht. Auch das richtige Pflanzen und die richtige Pflege der Jungbäume spielen eine zentrale Rolle.Das Interesse, wie die Resonanz bei einer solchen Schulung am Wochenende im Lindenhardter Forst zeigte. Trotz strömenden Regens kamen rund ein Dutzend Waldbesitzer, um sich von Fachleuten einer Baumschule aus dem Raum Donauwörth in die Geheimnisse des Baumpflanzens einweihen zu lassen.

Auf die Wurzel kommt es an

Das fängt schon mit dem Alter der Schößlinge an. Älter als vier Jahre sollten sie nicht sein, sollen sie im Waldboden sicher anwachsen und sich entwickeln. Und ganz wichtig, so die Experten, ist der sorgsame Umgang mit dem Wurzelwerk der Jungbäume. Das muss in der Regel beschnitten werden, ehe man die Pflanze in der Erde „versenkt“. Auch die Hauptwurzeln, sollten diese eine Bruchstelle aufweisen. Aber nur im dünnen Bereich, schneidet man zu viel ab, wachsen sie nicht mehr richtig nach.

Wie Bäume Stürmen trotzen können

Passen muss auch das Pflanzloch. Es muss groß genug sein, um das komplette Wurzelwerk aufnehmen zu können. Und zwar ohne Knickstellen. Weil der Baum sonst nur in eine Richtung stabil im Boden verankert ist. Ein Fehler, der in der Vergangenheit nicht gerade selten begangen wurde. Und der dazu führt, dass viele Bäume bei den immer häufiger vorkommenden Stürmen wie Wiebke und Co dem Wind nicht mehr trotzen können und einfach umfallen.

Schützen gegen Verbiss

Vorgestellt wurden auch Methoden des Pflanzschutzes. Da gibt es zum einen den traditionellen Drahtmantel aus Kunststoff, da gibt es kleinere und günstigere Klemmen, mit denen die jungen Triebe geschützt werden. Die Fachleute von der Baumschule favorisierten bei der Schulung allerdings Hüllen aus PVC-Material. In ihnen kann die Luft zirkulieren, sie wirken wie eine Wärmekammer - und das Regenwasser läuft an ihnen ab, bildet am Fuß der Pflanze eine Art Sammelbecken. Damit sind die Pflanzen auch in längeren Trockenperioden mit Wasser versorgt.

Auf einem guten Weg

Die Waldbesitzer verließen gut geschult und spürbar zufrieden den nassen Forst. Und so waren denn auch Wolfgang Lautner und Rebekka Reichstein zufrieden: „Wir sind da auf einem guten Weg“, waren sie sich einig.

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Montag, 13. November 2017 - 11:06