Dem Sägewerk droht der Ruin

Seit Jahren kommt das Gewerbegebiet Hollfeld Nord zwischen Bundesstraße 22 und Kulmbacher Straße nicht auf die Beine. Weil die Stadt kein Geld zur Erschließung hat und weil die Interessenten für das Gebiet nicht gerade Schlange stehen. Jetzt hat der Stadtrat einen Vorstoß gewagt. Weil das Landmaschinenunternehmen Claas drei seiner Standorte in Hollfeld zusammenlegen will, soll das Gewerbegebiet endlich erschlossen werden. Zumindest zu einem Teil.

Buckreus warnt den Stadtrat

Fast vier Millionen Euro hat der Stadtrat dafür jetzt bereit gestellt. Eine Ausgabe, die das Landratsamt der hoch verschuldeten Stadt genehmigen wird, weil sie sich die Kosten im Laufe der Zeit von den ansiedelnden Betrieben ja wieder holen kann. Darunter auch von Maria Buckreus. Die Chefin des gleichnamiges Sägewerks, das am Rande des neuen Gewerbegebiets liegt, soll von der Erschließung profitieren und dafür voraussichtlich über eine halbe Million Euro zahlen. Obwohl Buckreus den Stadtrat darauf aufmerksam gemacht habe, hat der die Erschließung beschlossen.

Buckreus ist 64 Jahre alt, der Betrieb, den sie vor 38 Jahren gekauft und weiter ausgebaut hat, existiert seit 80 Jahren. Buckreus sagt: „Seit Kriegszeiten, als es hier weit und breit noch nichts anderes gab.“ 1986 war das Sägewerk abgebrannt, Buckreus baute es wieder auf und sagt: „Ich habe 38 Jahre meines Lebens geopfert. Wenn ich das zahlen muss, muss ich bis 90 ackern.“ Noch dazu, wo Buckreus von der Erschließung eigenen Aussagen zufolge gar nichts habe. Von dem Kanal nicht, weil ihr Anwesen dafür zu tief liege und sie bereits anderweitig versorgt sei. Von der Erschließungsstraße nicht, weil ihr Betrieb schon heute eine eigene Zufahrt hat. „Die Rennstrecke“, sagt die 64-Jährige, „muss ich trotzdem zahlen.“

Buckreus spricht von einer Rennstrecke

Was Buckreus als Rennstrecke bezeichnet, ist eine lange Stichstraße, die vom Weiherer Weg bis an ihren Betrieb führen soll. Dass die Stadt diese Straße jetzt, wo mit dem unternehmen Claas gerade einmal ein Interessent parat stehe, überhaupt braucht, bezweifelt sie. Mit der zweiten Erschließungsstraße, die die B22 mit der Kulmbacher Straße verbinden soll, habe sie dagegen schon gerechnet. Und auch wenn die Stadt jetzt gerade einmal ein Drittel des gesamten Gewerbegebiets erschließen will, müsse bereits das gesamte Gebiet an den Kanal angeschlossen werden.

Einigung ist nicht in Sicht

Hollfelds Bürgermeisterin Karin Barwisch verweist zudem auf die Firma Baywa und ein weiteres Unternehmen, die mit einem Umzug in das Gewerbegebiet liebäugelten. Wie Maria Buckreus von den Kosten verschont werden könnte, weiß Barwisch nicht. Wohl aber, dass die Stadt der Unternehmerin die Kosten nicht einfach erlassen könne. Barwisch spricht davon, dass Buckreus einen Teil ihres Grundstücks verkaufen und die Kosten dadurch senken könnte. Buckreus sagt, dann blieben immernoch Kosten von mehr als 200.000 Euro übrig. Sie versuche jetzt eine Einigung im Guten, sei aber bereit, notfalls mit harten Bandagen zu kämpfen. Soll heißen: Mit einem Anwalt. Weil ihrem Familienbetrieb der Ruin drohe. „Notfalls“, sagt Buckreus, „reiß ich hier alles ab und verkaufe das Grundstück. Dann muss die Stadt die Erschließung alleine zahlen, und das kann sie nicht.“

5 (3 Stimmen)

Anzeige

Kommentare

Na mal sehen, ob es Butter schafft, die Sägewerkspleite Flüchtlingen oder linksgrünen Bösewichten anzuhängen ;-)
Einen blöderen Kommentar konnten Sie wirklich nicht finden.
Zumindest schafft es Exilbayreuther nicht, seine Reflexe zu unterdrücken. ( Beruhigungs-
zäpfla einführen !)
Das stimmt. Er hätte noch etwas warten sollen.
Diese Sache ist doch wieder ein schlagender Beweis, wie ungerecht diese SABS sein kann. Da geht es keineswegs darum, wieviel ein Anlieger an einer Straße einen Nutzen davon hat, sondern nur darum, wie lange seine Grenzlinie zur Straße ist. Selbst wenn de Anlieger mehr Schaden (bsw. durch mehr Verkehr) hat, muss er bezahlen.
Gerechtigkeit ist etwas anderes!
Es geht in dem Artikel doch um Erschließung und nicht um die SABS. Das sind erstmal zwei völlig verschiedene Dinge.

Auch wenn ich - schon rein aus Gerechtigkeitsempfinden heraus - selbst kein Fan der SABS bin, muss ich Sie fairerweise korrigieren, denn "wie lange seine Grenzlinie zur Straße ist", ist kein Kriterium für die Ermittlung der Beiträge. Relevant ist die Grundstücksfläche im Ganzen.
Da habe ich wieder zu oberflächlich gelesen. Aber warum muss ein Betrieb nach soundsoviel Jahren noch Erschließungskosten bezahlen, wenn er alle Anschlüsse hat?
Diese Frage kann Ihnen wohl nur ein echter Insider beantworten.