Dem Harvester auf der Spur

Ihre wissenschaftliche Untersuchung trägt den Titel „Die Vegetation auf Rückegassen in mitteleuropäischen Wäldern“. Die 26-Jährige studiert an der Universität Bayreuth am Lehrstuhl für Pflanzenökologie.

Sie untersuchte die Vegetation auf insgesamt 27 dieser Rückewege im Fichtelgebirge, im Limmersdorfer Forst und im Steigerwald und verglich sie mit dem benachbarten Waldboden. Konkret ging es um Bodenverdichtung, Bodenfeuchte, die Lichtverhältnisse und die Krautschicht.

Untersucht wurden die Rückegassen in Fichten-, Kiefer- und Buchenwäldern sowie deren Umgebung mit insgesamt 160 bis 170 sogenannter Vegetationsaufnahmen.

Die Auswirkungen der Verdichtung auf die Baumwurzeln, ein Kritikpunkt der Harvestergegner, hatte die Studentin nicht untersucht. Dies war bei der Masterarbeit nicht vorgesehen.

Boden bleibt lange verdichtet

Paula Mercier stellte die Tendenz fest, dass auf den Rückegassen der Boden verdichteter als außerhalb ist, der Boden feuchter ist und es einen höheren Lichteinfall aufgrund der Gassen gibt. „Diese drei Faktoren beeinflussen Pflanzen und Boden“, fasste sie zusammen.

Auf den Rückegassen, die auch nach mehr als zehn Jahren deutlich zu erkennen sind, wachsen aufgrund des verstärkten Lichteinfalls verschiedene Arten von Pflanzen und Moosen, die normalerweise an dem Standort nicht vorkommen.

Dies sei einerseits positiv zu bewerten, andererseits werde eine Fläche durch Bodenverdichtung und das Freiräumen von Bäumen zerstört. Der Boden in den Gassen bleibt nach ihren Erkenntnissen sehr lange verdichtet. Dadurch könne der Waldboden oberflächlich austrocknen.

Nutzung und Schutz gegeneinander abwägen

Die durchschnittlich drei Meter breiten Rückegassen lagen allesamt im Staatsforst, waren ein bis zehn Jahre alt. Sie lagen in einem Abstand von normalerweise 20 Metern voneinander entfernt und dienen dem Abtransport des Holzes mit einem sogenannten Rückefahrzeug.

Klar sei die Bodenverdichtung ein Eingriff in die Natur, sagte Paula Mercier, doch der Mensch habe die Natur immer schon genutzt. Hier gelte es, Nutzung und Schutz gegeneinander abzuwägen. Das Holz mit Pferden zu rücken, wäre unwirtschaftlich. Paula Mercier untersuchte die Rückewege in „normalen“ Staatswäldern. „In FFH- und Schutzgebieten wäre der Eingriff anders zu beurteilen“, fasste die Studentin zusammen.

Rückblende

Eine neue Bürgerinitiative „Gegen die Waldzerstörung“ hatte sich vor Kurzem in Bayern gegründet. Einer ihrer Aktivisten ist der frühere Bayreuther Stadtförster Gotthard Eitler.

Ein Hauptkritikpunkt der Waldschützer ist der Einsatz der schweren Holzerntemaschinen im Staatswald, und hier speziell in Schutzgebieten. Die Maschinen verdichteten die empfindlichen Waldböden und zerstörten den gesamten Naturhaushalt. Die Staatsforsten ernten im Freistaat etwas mehr als die Hälfte des Holzes mit dem Harvester. Ein einziger davon erledigt in der gleichen Zeit die Arbeit von zehn Waldarbeitern.

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Montag, 13. November 2017 - 11:06