DEL2-Ausblick, Teil zwei: Playoff-Anwärter

SC Riessersee

Unter der Zugspitze setzt man nach Unruhen im Umfeld des Vereins bei der Kaderplanung auf größtmögliche Konstanz. Es gab nur vier Neuzugänge, und nahezu alle Leistungsträger konnten gehalten werden.

Die wichtigste Änderung gab es auf dem Trainerposten: Der Finne Toni Söderholm trägt nun an der Bande die Verantwortung, nachdem er zuletzt als Assistent beim DEL-Kooperationspartner Red Bull München tätig war. Seine erste Station als Cheftrainer ist nun eine große Herausforderung, aber er kann auf eine weitgehend zusammengebliebene Mannschaft bauen, die im Vorjahr in den Pre-Playoffs gegen Bayreuth knapp gescheitert ist.

Im Tor kann man weiter mit Matthias Nemec planen, der sich als starker Rückhalt gezeigt hat. Mit Daniel Fießinger steht ein talentierter Förderlizenzspieler aus München bereit, der wohl fest in Garmisch-Partenkirchen stationiert sein wird.

Getragen von einem starken Goalie, gehörte die Defensive zu den besseren der DEL2. So lag es nahe, möglichst wenig zu verändern. Julian Eichinger, Christian Hummer und Simon Mayr bilden weiter einen wichtigen Teil der Verteidigung, die von Stephan Wilhelm geführt wird. Der Routinier kann auf die Erfahrung aus 389 DEL- und 371 Zweitligaspielen bauen. Christoph Frankenberg ist einer von zwei Neuzugängen in der Abwehr. Er kommt aus Regensburg, wo ihm in den letzten beiden Jahren der Sprung aus der DNL in die Oberliga gelang. Nun soll der nächste Entwicklungsschritt folgen, auch unter Beobachtung von Kooperationspartner München. Mit Joel Johansson gelang die Verpflichtung eines Hochkaräters: Zuletzt in Bad Nauheim aktiv, wo ihm starke 26 Scorerpunkte in 35 Einsätzen gelangen, soll der Schwede eine Führungsrolle übernehmen.

In der Offensive gibt es ebenfalls nur zwei Neuzugänge, die aber qualitativ ihresgleichen suchen. Vom Meister Frankfurt kam Richard Mueller, der dort mit 34 Toren und 24 Vorlagen in 59 Einsätzen geglänzt hat. Der Deutsch-Kandier soll nun der Torjäger sein, den man in den vergangenen Jahren beim SCR immer wieder vermisste und der für den direkten Playoff-Einzug dringend nötig sein wird. Mit neun Toren in der Vorbereitung wurde er den in ihn gesetzten Erwartungen zunächst durchaus gerecht. Dazu kommt Lubor Dibelka bereits zum dritten Mal an die Zugspitze. Der Deutsch-Tscheche kehrt nach zwei Anläufen in der DEL zurück an den Ort, an dem er die stärksten Leistungen seiner Karriere gezeigt hat. Er stand zuletzt mit Wolfsburg zwei Mal in Folge im DEL-Finale, kam aber nie über die Rolle des Mitläufers hinaus.

Zu den namhaften Neuzugängen gesellen sich der Kanadier Jared Gomes und der Schwede Mattias Beck, die bereits in der Vorsaison ihre Klasse unter Beweis gestellt haben, auch wenn sie verletzungsbedingt einige Spiele verpassten. Beck kam in 44 Einsätzen auf 37 Scorerpunkte, Gomes, der erst zu Jahresbeginn verpflichtet wurde, auf 16 Punkte in 15 Spielen. Beck fehlt aber vorerst weiterhin wegen der Folgen seines Kreuzbandrisses. Die vierte Kontingentstelle besetzt weiter der Kanadier Louke Oakley, dem 30 Punkte in 32 Spielen gelangen.

Fazit:Der Kader ist besonders in der Offensive hochkarätig besetzt und zudem sehr eingespielt. Große Sorgen bereiteten in den vergangenen Jahren immer die vielen Verletzungen. Bleibt der SCR davon verschont, ist er ein heißer Kandidat für die Playoffs.

Heilbronner Falken

Es wird bereits der fünfte Anlauf für den früheren Endrunden-Stammgast, wieder in die Playoffs einzuziehen. Nach zweimaligem Klassenerhalt am grünen Tisch und der Rettung in den Playdowns soll die Kurve nun endlich nach oben zeigen.

Dazu wurde der Kader erneut umgekrempelt und an vielen Stellen verstärkt. 13 Abgängen stehen elf Neuzugänge gegenüber. Erneut haben die Falken einen playoff-würdiges Kader. Trainer Gerhard Unterluggauer, der seit Februar in Heilbronn tätig ist, soll daraus nun ein besser funktionierendes Team formen.

Im Tor setzen die Falken auf den Kanadier Andrew Hare, der erst im Laufe der vergangenen Saison nach Heilbronn gekommen war, aber sofort großen Anteil am Klassenerhalt hatte. Als Backup steht wie in der vergangenen Saison Leon Frensel zur Verfügung, der in der letzten Saison aber nur zu fünf Einsätzen kam. Im Falle eines längeren Ausfalls von Hare muss daher wohl umgehend reagiert werden. Die Abwehr soll, wie schon in der letzten Saison, der Kanadier Jordan Heywood führen. Dabei war er die wichtigste Stütze in der Defensive und sorgte mit 31 Scorerpunkten in 56 Spielen auch für den benötigten Offensivdrang. Mit Marcus Götz aus Bad Nauheim, Stephan Kronthaler sowie Corey Mapes aus Kassel konnten zudem drei Verteidiger von direkten oder ehemaligen Konkurrenten losgeeist werden. Die jungen Verteidiger Henry Martens, Christoph Eckl, Patrick Kurz, Wayne Lucas und Sean Morgan komplettieren die Defensive, werden aber verstärkt bei Kooperationspartner Sonthofen zum Einsatz kommen.

Im Sturm hat Heilbronn mit Brandon Alderson einen kanadischen Stürmer verpflichtet, der in den letzten Jahren in den nordamerikanischen Ligen ECHL und AHL im Einsatz war. Der große Außenstürmer soll die wichtigen Tore erzielen, war in Europa jedoch noch nie auf dem Eis. Deutlich mehr europäische Erfahrung bringt da schon der Deutsch-Kanadier Brad Ross mit. Für die Iserlohn Roosters legte er in der DEL 18 Scorerpunkte in 74 Spielen auf und überzeugte, wie auch Alderson, schon in der Vorbereitung. Als vierter Kanadier komplettiert Justin Maylan das nordamerikanische Quartett. Er ist ebenfalls seit einigen Jahren in Europa aktiv und erzielte zuletzt in der EBEL (Österreich) 42 Scorerpunkte in 53 Spielen. Als Spielmacher soll er die erste Reihe führen, ließ seine Torgefahr in den Testspielen aber noch vermissen. Einen zweitligaerfahrenen Stürmer holten die Baden-Württemberger in Mark Heatley. In 367 Zweitligaspielen erzielte der in Freiburg geborene Deutsch-Kanadier starke 269 Scorerpunkte. Ergänzt wurden die Sturmreihen mit den beiden neuen deutschen Stürmern Michael Fink (Bietigheim) und Dennis Palka (Lausitzer Füchse).

Fazit:Erneut wurde kräftig in den Kader investiert, die Geldgeber wollen aber nun endlich Ergebnisse sehen. Auch die Fans erwarten nach mehreren schwachen Jahren zumindest den Einzug in die Pre-Playoffs. Wie schon in den vergangenen Jahren wirkt die Kaderplanung durchdacht, und die Neuzugänge hinterlassen auf dem Papier und auch in der Vorbereitung einen positiven Eindruck – dennoch gibt es keine Sicherheit, dass es nun bergauf geht.

EC Bad Nauheim

Der EC Bad Nauheim hat eine schwierige Saison hinter sich. Gestartet mit Ambitionen auf die Pre-Playoffs, fanden sich die Hessen über weite Strecken eher im Kampf gegen den Abstieg wieder. Zwar konnten sie den Kontakt zum entscheidenden zehnten Platz zum Ende der Hauptrunde noch einmal herstellen, verpassten aber durch Niederlagen in direkten Duellen ihr Ziel. In den Playdowns wurde dann Crimmitschau souverän geschlagen.

Für die neue Spielzeit wartet auf Trainer Petri Kujala ein Puzzle mit vielen Teilen: Inklusive der Förderlizenzspieler gehören 35 Akteure zum Kader, 14 Neuzugänge gilt es zu integrieren. Die ersten großen Sorgenfalten haben die Verantwortlichen bereits in der Vorbereitung bekommen: Torhüter Jan Guryca, der sich mit starken Leistungen als Backup die Rolle des Starters erarbeitet hatte, verletzte sich schwer und wird lange ausfallen. So wird wohl der talentierte Felix Bick als Nummer eins in die Saison gehen. Dazu stehen mit Timo Herden und Patrick Klein zwei Förderlizenz-Goalies aus der DEL zur Verfügung.

Generell profitiert Bad Nauheim von der Kooperation mit der Düsseldorfer EG, die zahlreiche Nachwuchsspieler für den Zweitligisten lizenziert hat. Darüber hinaus konnte der EC mit Alex Trivellato einen italienischen Nationalspieler verpflichten, der zuletzt zwei Jahre für Schwenningen in der DEL im Einsatz war. Bei seinem neuen Verein soll er eine der Stützen der Abwehr werden und die vielen jungen Verteidiger führen.

Mit Eric Meland hoffen die Hessen einen Mann gefunden zu haben, der neben harter Defensivarbeit auch offensive Akzente setzen kann. Nach einigen Stationen in Europa wie der Slowakei, Norwegen und Dänemark steht der Amerikaner erstmals in Deutschland unter Vertrag. Er zog sich allerdings eine Verletzung zu, die eine Operation erfordert und eine Zwangspause von sechs Wochen mit sich bringt. Die Verantwortlichen reagierten mit der Verpflichtung von Esa Lehikoinen, der in der Vorsaison in Kassel jedoch nicht vollends überzeugen konnte. Als Talente gelten Daniel Stiefenhofer (aus Regensburg) sowie Nicklas Mannes und Johannes Huß von der DEG.

Für die Offensive wurden zwei Kontingentspieler geholt, die bereits in der vergangenen Saison gemeinsam auf Torejagd gingen: Die Kanadier Cody Sylvester und James Livingston stürmten in der EBEL für den Dornbirner EC (Österreich) in einer Angriffsreihe und erzielten in 50 Partien jeweils 29 Scorerpunkte. Mit Mike McNamee steht ein dritter kanadischer Angreifer für die nordamerikanische Ausrichtung der Hessen. Nach einigen Einsätzen in der AHL – nach der NHL die zweithöchste Liga – schlägt der Mittelstürmer erstmals in Europa seine Zelte auf und will sich für höhere Aufgaben empfehlen. Die Routiniers Dusan Frosch, Harry Lange und Radek Krestan sollen die vielen jungen und talentierten, aber größtenteils unerfahrenen Spieler führen, die in ihrer Entwicklung einen Schritt weiterkommen müssen. Mit Maximilian Brandl (Ravensburg) kam noch ein weiterer gestandener DEL2-Stürmer.

Fazit:Der riesige Kader mit vielen Neuzugängen stellt in der Vorbereitung eine Herausforderung dar. Zwar besitzt Bad Nauheim in der Tiefe wohl mehr Personal als jeder Konkurrent, durch die unsichere Verfügbarkeit der Förderlizenzspieler ist dieser Vorteil aber mit Bedacht zu genießen. Die Neuzugänge haben durchaus schon ihre Stärken gezeigt, auch die Breite im Angriff berechtigt zu vorsichtigem Optimismus. Die Defensive bereitet allerdings noch einige Sorgen, kassierte der EC in den Tests gegen Heilbronn (7) und Duisburg (6) doch sehr viele Gegentore.

Dresdner Eislöwen

Neuanfang an der Elbe: Nach dem direkten Playoff-Einzug in der vergangenen Saison und dem Aus nach einer hart umkämpften Viertelfinalserie gegen Kaufbeuren stellte man in Dresden vieles auf den Prüfstand. Nach dem Abschied von Trainer Bill Stewart in Richtung Straubing verpflichtete man mit Franz Steer einen erfahrenen Coach, der über viele Jahre in Rosenheim erfolgreiche Arbeit geleistet hat und nun – mit deutlich besseren Finanzmitteln ausgestattet – aus Dresden mehr als nur einen Playoff-Anwärter machen soll. Mittelfristig hegt man dort Gedanken an die DEL.

Im Tor setzt man nach dem Abschied von Kevin Nastiuk auf den 22-jährigen Marco Eisenhut, der seine Backup-Rolle in Ingolstadt gegen die Rolle als Nummer eins in Dresden eintauscht. Fraglos verfügt er über großes Talent, das er nun aber unter dem Erfolgsdruck eines ambitionierten Teams unter Beweis stellen muss. Umso mehr Erfahrung bringt dafür Sebastian Stefaniszin mit, der zuletzt in Selb aktiv war. Zuvor spielte er für Berlin, Hamburg, Iserlohn. Nürnberg und Köln der DEL, wo er stets als Backup im Einsatz war.

In der Abwehr mussten die Eislöwen den Verlust von Mirko Sacher (Schwenningen) verkraften. Sie reagierten darauf mit der Verpflichtung von Shawn Boutin. Vom Kanadier werden neben harter Arbeit in der Defensive natürlich auch offensive Akzente erwartet, was er in der Vorbereitung noch nicht zeigen konnte. In jedem Fall wurde aber mit Steve Hanusch, der knapp 200 DEL-Spiele auf dem Buckel hat, ein Offensivverteidiger verpflichtet. Dazu kommen mit Rene Kramer, Petr Macholda und Tomas Schmidt drei Stützen der Vorsaison, als besonders die Defensivstärke zum positiven Verlauf der Hauptrunde beitrug, sowie der junge Gustav Veisert, der in Rosenheim seine erste DEL2-Saison absolvierte.

Mit dem Kanadier Matt Siddall will man nach dem Abschied von Brendan Cook die offensive Durchschlagskraft verbessern. Der Außenstürmer war in den vergangenen Jahren in der EBEL aktiv, wo ihm 110 Scorerpunkte in 164 Spielen gelangen. Dazu verpflichtete man mit Nick Huard einen zweiten Kanadier für den Angriff, der erstmals in Europa auftritt. Die in ihn gesetzten Hoffnungen bestärkte er in der Vorbereitung mit einigen Scorerpunkten und starkem Spiel besonders in Überzahl. Auf den deutschen Positionen bringt Thomas Pielmeier aus Ingolstadt die Erfahrung aus fast 400 DEL-Spielen mit und soll die jungen Spieler führen. Der Finne Russo Rajala sowie Martin Davidek, Alexander Höller, Steven Ruppric und Marius Garten bilden weiter das Grundgerüst in der Offensive. Dazu kommen mit Mike Glemser, Cedric Schiemenz und Timo Walther junge Talente, die ihre Tauglichkeit für die DEL2 noch beweisen müssen. Inklusive der Youngster kommt man aktuell auf genau vier Sturmreihen, womit der Kader für einen Angriff auf die Spitze etwas zu knapp bemessen sein könnte.

Fazit:Auf Franz Steer wartet in neuem Umfeld mit großer Erwartungshaltung die Aufgabe, die Schlüsselspieler möglichst schnell auf sein System einzuschwören. Ein gewisses Risiko geht man bei der Besetzung der so wichtigen Torhüterposition ein. In der Vorbereitung offenbarte besonders die Defensive noch einige Probleme. Im Vergleich zum Vorjahr muss sich auch die Chancenverwertung verbessern.

Nicht bewertet

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Montag, 13. November 2017 - 11:06