Defekte Biogasanlage: Gülle ausgelaufen

Mitten in der Nacht sind 40 Mann der Feuerwehren von Neuhaus und Aufseß am Freitag ausgerückt. Aus einer Biogasanlage in der Bergstraße in Neuhaus ist Flüssigkeit ausgetreten. Zwischen 2.30 und 3 Uhr ist der Alarm bei den Rettungskräften eingegangen. „Es sind Gärreste ausgelaufen“, schildert ein Feuerwehrmann am Vormittag, als mit Hilfe eines Traktors noch immer Überbleibsel der Gülle aus der Aufseß gepumpt werden. Die ausgetretene Flüssigkeit sei in die Kanalisation gelaufen, so der Mann, der seit der Nacht auf den Beinen ist.

Sperre aus Sand

Die Feuerwehren errichteten in dem Gewässer eine Sperre aus Sand und saugten die ausgetretene Gülle ab. Landwirte brachten sie in mehreren Fässern weg. „18.000 Liter dürften das gewesen sein“, sagt der Feuerwehrmann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Die Kanalisation werde nach dem Reinigen noch gespült. Mehr als acht Stunden nach dem Unfall hängt kein muffeliger Geruch von Gülle mehr in der Luft.

Technischer Defekt als Ursache

Oben auf dem Hof von Großbauer Nagengast, seit sieben Jahren Betreiber der Biogasanlage, sind Arbeiter mit letzten Reinigungsarbeiten befasst. Sie spülen den Untergrund ab und schaufeln die Reste in eine Baggerschaufel. Danach wird der Schlamm in die reguläre Güllegrube verbracht. Was genau in der Nacht passiert ist, weiß der Chef Thomas Nagengast noch nicht. Er wurde über sein Smartphone alarmiert, dass etwas an der Anlage nicht stimmt. „Die Ursache weiß ich selbst noch nicht“, sagt er auf Nachfrage der Zeitung. „Ich vermute, es war ein technischer Defekt.“

Finanzieller Schaden hält sich in Grenzen

Die Gülle sei durch ein Rohr das Befüllsystems ausgetreten, üblicherweise werde sie jedoch anders abgeleitet. Warum sie nicht ordnungsgemäß abfließen konnte, wisse er nicht. Für die Versicherung lasse er jetzt ein Gutachten erstellen. Wahrscheinlich habe sich ein Rohr gesenkt. Ein nennenswerter Sachschaden sei nicht entstanden. Eine geringe Menge habe sich den Weg nach unten ins Tal gesucht und sei in den Kanal gelangt. „Die Biogasanlage läuft wieder ganz normal weiter“, sagt Nagengast müde und geht davon aus, dass kein größerer Umweltschaden eingetreten sei. Im Übrigen könne aus anderen landwirtschaftlichen Güllegruben auch etwas auslaufen. Biogasanlagen seien im Vergleich dazu nicht gefährlicher.

Bisher keine toten Fische im Wasser

Um das festzustellen, sind Vertreter von Landratsamt, Wasserwirtschaftsamt und Polizei ebenfalls an den Unglücksort gekommen. Nach Angaben des Landratsamts sind ungefähr 20.000 Liter Gärreste inin einen Oberflächenkanal und teilweise in die Aufseß gelaufen. Der Betreiber habe den Zulauf sofort nach Bemerken abgestellt. „Bisher haben wir keine Angaben über tote Fische“, heißt es weiterhin aus der Behörde. Gravierende Schäden seien nicht entstanden. Der Fischereiverband sei ebenfalls nicht betroffen, da dieser Quellwasser beziehe. Ein Teichbetreiber in der Nähe sei verständigt und vorgewarnt worden.

Langsame Fließgeschwindigkeit

Die Fischerei Schwegel im Aufseßtal bestätigt auf Nachfrage, noch in der Nacht informiert worden zu sein. Um halb vier Uhr sei man rausgefahren, um die Verunreinigung in Augenschein zu nehmen. Dabei seien „leichte Schaumkronen“ zu beobachten gewesen. Da das Gewässer langsam fließe, mehrere Staustufen und Biberwälle vorhanden seien, sei alles abgebaut worden. „Bei uns ist das erst um 11.30 Uhr angekommen, weil wir gut neun Kilometer weit weg sind.“ Dem schnellen Eingreifen der Feuerwehren sei es zu verdanken, dass die Fische keinen Schaden genommen hätten.

Zu wenig Sauerstoff führt zu Fischsterben

Das Wasserwirtschaftsamt in Hof hat allerdings Gewässerproben entnommen. Das Ergebnis der Analyse werde aber frühestens nächste Woche vorliegen, sagte Amtsleiter Benno Strehler auf Anfrage. Grundsätzlich könne gesagt werden, dass durch biologisch aktives Material Sauerstoff verbraucht werde. Gelange viel davon ins Wasser, könne es den Sauerstoffgehalt reduzieren. „Bei einer entsprechenden Belastung kann es dann zu einem Fischsterben kommen.“

Polizei ermittelt, ob Straftat vorliegt

Die Polizei in Bayreuth ermittelt, ob eine strafbare Gewässerverunreinigung vorliegt. Das sagte ein Polizeisprecher am Freitag im Gespräch mit dem Kurier. Deshalb seien die Wasserproben genommen worden. „Entscheidend ist jetzt: Was kommt bei den Proben raus?“ Die Gülle sei oben am Berg ausgetreten und dann in den Kanal und die Aufseß gelangt. Ob eine fahrlässige Umweltstraftat begannen worden sei, würden die Ermittlungen zeigen. Bei erwiesener Schuld bewegt sich der Strafrahmen dafür zwischen einer Geldstrafe und bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe.

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