DAV: Kletterhallen dienen Vereinsarbeit

"Das Gerichtsurteil ist drei Jahre alt und hat keine Auswirkungen auf andere DAV-Sektionen", sagt der Geschäftsführer der DAV-Sektion Bayreuth, Ulrich Albinus, in Anlehnung an eine Stellungnahme des Gesamtvereins dazu. Schon gar nicht sei damit die DAV-Kletterhallenlandschaft in Gefahr. Wenn die Steuereinnahmen korrekt abgeführt würden, störe auch das Klettern von Nichtmitgliedern nicht den Zweck der Gemeinnützigkeit. Private Kletterhallen und vereinseigene Kletterhallen würden steuerlich gleich behandelt.

Ein Thema: Die Förderfähigkeit

Doch es geht nicht nur um Steuervorteile, sondern genauso um Förderfähigkeit. Für Vereinssport gibt es öffentliche Zuschüsse, für privates Gewerbe sieht das anders aus. "Wir haben jedenfalls nicht vor, etwas zu verändern", sagt Albinus und fragt sich, was der auch im Nordbayerischen Kurier veröffentlichte Bericht bezwecke. Denn in Zukunft hätten andere Vereine mit Hallen ähnliche Probleme. "Bowling, Fitness, Schwimmen: Das würde das komplette Vereinsleben betreffen", erklärt Albinus. Eine Kletterhalle sei eine Sportstätte und kein Gewerbebetrieb.

Sektion hat es aus eigener Tasche bezahlt

Das DAV Kletterzentrum Bayreuth liegt in der Schwabenstraße. "Die Sektion Bayreuth bezahlt es aus eigener Tasche", sagt Albinus. Dass heißt aus Mitgliedsbeiträgen und einem Darlehen, das dafür aufgenommen wurde. Die Eintrittspreise seien gestaffelt: Je nachdem, ob die Kletterer Mitglieder sind und aus welcher Sektion sie kommen. Für Nicht-Mitglieder kostet das Klettern am meisten. "Wir müssen auch etwas erwirtschaften", sagt der DAV-Geschäftsführer. Schließlich habe der Verein Fixkosten wie Strom, Heizung, Miete und Personalausgaben. Der Verein zahle Pacht an den Tennisclub Grün-Weiss, der wiederum Pächter der von Steinschen Stiftung ist.

Leitgedanke: Gemeinnützigkeit

Der Leitgedanke sei kein kommerzieller, sondern vielmehr ein gemeinnütziger. "Von unserem Angebot profitiert die Gemeinschaft, zum Beispiel für den Unterhalt von Hütten und unsere Jahresprogramm", sagt Albinus. Die Überschüsse fließen also an den Verein zurück. Die Steuerpflicht nehme der 4500 Mitglieder zählende Verein nicht auf die leichte Schulter: "Wir sind sehr, sehr penibel darauf bedacht, dass steuerlich alles stimmt."

In Berlin streitet ein privater Betreiber gegen den Senat

In Berlin stritt ein privater Betreiber Jahre lang gegen den Senat. Dieser habe der DAV-Sektion ein Grundstück in Toplage für eine viel zu niedrige Miete überlassen. Anfang dieser Woche entschied das Oberverwaltungsgericht Berlin: Für einen begrenzten Zeitraum, von Oktober 2011 bis Dezember 2012 habe die Berliner DAV-Sektion aufgrund der günstigen Miete eine unzulässige Sportförderung erhalten. Eine Nachzahlung sei deshalb erforderlich, weil das Land Berlin die Förderung bei der EU hätte melden müssen. Bei der verminderten Miete handele es sich in Folge um eine zulässige, genehmigte Beihilfe.

In einem anderen Verfahren kam laut DAV ein Gericht der Europäischen Union (EuG) zu einem ähnlichen Schluss. In seinem Urteil vom 9. Juni 2016 habe es entschieden, die öffentliche Förderung von DAV-Kletterhallen sei rechtmäßig und binnenmarktkonform.

Halle wäre förderfähig gewesen, es hätte aber zu lange gedauert

Die Halle des Kletterzentrums Bayreuth ist nicht bezuschusst worden. "Sie wäre im Prinzip förderfähig gewesen", sagt Albinus. "Aber wir wollten nicht, dass noch mehr Zeit ins Land geht." Denn vom Ausfüllen eines Förderantrags bis zu seiner Bewilligung könnten eineinhalb Jahre vergehen. "Wir dachten, wir können das schneller und besser durchziehen." Zuschüsse hätte es sowohl vom Bayerischen Landessportverband als auch vom DAV gegeben.

In Deutschland gibt es dem DAV zufolge rund 450 Kletteranlagen. Gut 200 davon betreiben die Sektionen des DAV, der Rest ist in privater Hand. Die meisten Anlagen seien relativ klein; nur in zirka 20 DAV-Hallen seien mehr als 2000 Quadratmeter Kletterfläche vorhanden. 

Fitness-Betreiber: Wettbewerb wird natürlich verzerrt

In Bayreuth gibt es im Übrigen noch eine Kletterhalle ohne Vereinsbindung: im Fitness-Studio Well und Fit. Der Geschäftsführer Thomas Dinter sagt auf Anfrage des Kuriers: Selbstverständlich werde der Wettbewerb "dadurch verzerrt. Ich habe kein Problem mit dem DAV-Angebot, bin aber der Meinung, dass jeder die gleichen Steuern bezahlen muss, um Ungerechtigkeiten abzuschaffen". Dinter sagt weiter. Das Thema betreffe "sämtliche Vereine, die Fitness, Tennis" und andere Sportarten anböten.  "Dazu beschäftigen wir Angestellte, in unserem Fall zwölf, und bezahlen dafür die nötigen Abgaben in die Sozialversicherungssysteme, aus diesem Grund fühlen wir uns genauso sozial engagiert wie Vereine".

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