Das Welterbe: Die Jahrhundert-Chance

Der Blick von außen ist oftmals der, der die Augen öffnet. Bernd Schreiber, der alle Parks, Schlösser, Burgen und natürlich auch das Markgräfliche Opernhaus im Auge haben muss, hat diesen Blick. Im Gespräch mit unserer Zeitung sagt Schreiber: "Grundsätzlich stehen in Bayreuth die beiden bedeutendsten Opernhäuser der Welt. Und: Mit dem Festspielhaus und dem Markgräflichen Opernhaus ist Bayreuth eine der - groß geschrieben - Kulturstädte Deutschlands. Das ist ein Pfund, mit dem man gar nicht genug wuchern kann." Markgräfin Wilhelmine habe in und um Bayreuth einen Ort Kultur und der Phantasie begründet, was sich in den Schlössern und Parks widerspiegelt.

Nutzung: Schonend, mit Respekt vor dem Erbe

So, sagt Schreiber, "sollte das Opernhaus auch erhalten werden, entsprechend unserem Vermittlungsauftrag". Der besage, dass nicht nur bewahrt, sondern auch vermittelt und bespielt werden solle. "Schonend, mit Respekt vor dem Erbe. So wollen wir alle einladen, das Opernhaus als einen Ort der Kreativität und als Spielstätte zu erleben - und mit ihm den gesamten dynastischen Stolz der Hohenzollern, der dort stilbildend und prachtvoll zum Ausdruck kommt." Das Opernhaus, seit 2012 für eine umfassende Restaurierung geschlossen, sei ein Haus, sagt Schreiber, das große Faszination ausübe. "Als Zuschauer wird man Teil der architektonischen Inszenierung. Den Effekt spürt man. Das Opernhaus ist das Paradebeispiel barocker Mitreiß-Architektur, ganz anders als die bayerische Staatsoper." Geschaffen von Markgräfin Wilhelmine und dem Architekten Giuseppe Galli Bibiena, "die sich zu einem genialen Team zusammengefunden haben", wie Schreiber sagt. "Und einen unvergleichlichen Ort der Kreativität erzeugt haben."

Wesentlich heller, wie zu Wilhelmines Zeiten

Das Opernhaus, das im vergangenen Jahr wegen der Restaurierung komplett geschlossen und auch in der Zeit ab 2012 so gut wie nicht für die Besucher des provisorischen Welterbezentrums einsehbar war, hat durch die behutsame Restaurierung und die Abnahme von Holzschutz und Überfassungen der Jahrhunderte einen gewaltigen Zeitensprung gemacht. "Es wird sich wesentlich heller und lichter präsentieren. So, wie es wohl zur Zeit Wilhelmines war", sagt Schreiber. Zudem ändere sich der Raumeindruck komplett, denn: Die in der Zeit um 1935 verkleinerte Bühnenöffnung wurde rückgebaut auf die ursprüngliche Öffnung, auch die damals eingebauten Treppen hinauf zur Bühne und den Proszeniumslogen "sind alle weg. Was für ein Orchester bedeutet: es hat wieder mehr Platz". Außerdem, sagt Schreiber, wird es ein neues, rekonstruiertes Bühnenbild geben, das er bei einer ersten provisorischen Aufstellung bereits begutachtet hat. Damit komme man dem Zustand der Eröffnung von 1748 wieder nahe, erlebe "eine gigantisch große Bühne, spürt, wie Logenhaus und Bühne zu einem einheitlichen Raum werden. Der Zuschauer kann sich selbst auf der Bühne sehen." Das, sagt Schreiber, "wird grandios".

Große Chancen für Bayreuth - ohne falschen Rauchbiertourismus

Groß sind auch Sicht Schreibers auch die Chancen für Bayreuth. "Ich persönlich würde mir wünschen, dass sich Bayreuth als eine der Kulturstädte Deutschlands weiterentwickeln kann. Es geht um das Gesamtangebot mit Wagner, Jean Paul, Franz Liszt, Wilhelmine, das man zusammen mit der Landschaft sehen muss." Bayreuth mache gerade da schon viel richtig. "Man darf nicht in den falschen Rauchbiertourismus verfallen." Bamberg erlebe diese Art des Welterbe-Tourismus: Menschen, die mit Bussen kommen, die Stadt besichtigen und wieder verlassen, ohne zu übernachten. "Die Stadt und Manuel Becher wollen den nachhaltigen Tourismus und bewerben ihn mit der Welt der Wilhelmine richtig. Mit dem Opernhaus als Herzstück der Welt der Wilhelmine. Man braucht die anderen Schlösser und Parks dazu, um das richtig erleben zu können", sagt Schreiber. "Wenn das angenommen wird, hat Bayreuth große und neue Chancen."

Aufbruchstimmung weitergeben

Die Eröffnung des Weltkulturerbes Opernhaus kann aber noch mehr bewirken: "Aufbruchstimmung weitergeben", sagt Schreiber. Nicht nur für die Tourismuswirtschaft in der Region. Sondern auch für die Menschen, die in Oberfranken naturgemäß etwas zurückhaltender sind und ihr Licht lieber unter als auf den Scheffel stellen. "zumal sich Bayreuth in den vergangenen Jahren zum Positiven entwickelt hat", wie Schreiber sagt. "Insbesondere die Verschönerung der Fußgängerzone zeigt den Wandel, in der Innenstadt eröffnet ein neues Hotel. Es geht viel vorwärts", sagt Schreiber. Was sich abzeichne: "Durch die Eröffnung des Weltkulturerbes werden nicht nur zur Festspielsaison die Gäste in die Stadt kommen, sondern das ganze Jahr."

Besucherzahl soll ordentlich steigen

Kamen vor 2012 pro Jahr rund 60.000 Besucher in das Markgräfliche Opernhaus, wird in Vielfaches ab dem Frühjahr erwartet. Bis zu 200 Gäste gleichzeitig dürfen alle 45 Minuten an den Führungen teilnehmen, die erst einmal direkt im Opernhaus beginnen werden. Denn: Das geplante Welterbezentrum im benachbarten Redoutenhaus, das den Gästen die Möglichkeit geben soll, Taschen und Jacken abzulegen, sich in einem Museum umzusehen und auch Souvenirs zu kaufen, wird erst mit deutlicher Verzögerung fertig werden. Schreiber sagt auf Nachfrage, dass "die Haushaltsunterlage Bau noch nicht fertig ist". Die ist Voraussetzung für einen Antrag auf Haushaltsmittel bei der Staatsregierung. Möglicherweise 2021 soll das Redoutenhaus umgebaut sein. "Wobei wir das Opernhaus komplett nutzen können. Der Vorteil des Redoutenhauses wäre, dass wir von Anfang an eine größere Fläche hätten", sagt Schreiber.

Hohe Wertschätzung für die fränkischen Schlösser

Für die Schlösserverwaltung ist das Weltkulturerbe Markgräfliches Opernhaus nicht das einzige Welterbe: "Wir haben die Residenz in Würzburg, die Residenz in Bamberg, die Teil des Weltkulturerbes ist, die prähistorischen Pfahlbauten bei der Roseninsel im Starnberger See. Die Welt der Wilhelmine mit dem Welterbe als Alleinstellungsmerkmal hat für uns einen hohen Stellenwert. Sie gehört zusammen mit den fränkischen Schlössern zu den Perlen der Schlösserverwaltung." Der gute Zustand der fränkischen Objekte zeige zudem "die hohe Wertschätzung in der Schlösserverwaltung und der Politik, die das Geld zur Verfügung stellt".

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