Das Handwerk wird digital

Knapp zehn Prozent der Lehrlinge haben mittlerweile das Abi in der Tasche, sagt Präsident Thomas Zimmer bei der Jahrespressekonferenz der Handwerkskammer (HWK) für Oberfranken. Vor zehn Jahren waren es noch 2,8 Prozent. Hauptgeschäftsführer Thomas Koller glaubt, dass die aktuell zehn Prozent noch steigerungsfähig sind. „Auf 15 Prozent könnten wir schon kommen“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Abiturienten wollen oft Augenoptiker, Zahntechniker, Hörgeräteakustiker oder Goldschmied werden. Technische Berufe oder solche mit Bezug zu Holz – vom Zimmerer bis zum Geigenbauer – seien gefragt. Zimmer will Gymnasien und Handwerk noch mehr zusammenführen. „Da steckt noch viel mehr Potenzial drin.“

Hoher Fachkräftebedarf

Die HWK geht für 2020 von einem Bedarf von 34.500 Fachkräften (2015: 23.900) aus, davon 1360 (1380) Akademiker. 2015 würden 32.100 Fachkräfte gebraucht, davon 1560 Akademiker. Koller weist darauf hin, dass der Betriebswirt des Handwerks nun offiziell auf Master-Niveau eingestuft worden sei – eine Aufwertung der beruflichen Bildung. Es gebe aber immer noch extreme Ungleichgewichte bei der Finanzierung von akademischer und beruflicher Bildung.

Mehr Ausbildungsverträge

Die oberfränkischen Handwerksbetriebe konnten 2016 die Zahl der neuen Ausbildungsverträge um 5,3 Prozent auf 2643 steigern. Damit habe man „eine Alleinstellung in Bayern“, sagt Zimmer. „Das Handwerk zieht mehr junge Leute an.“ Für das laufende Jahr wird mit 2600 bis 2700 neuen Lehrverträgen gerechnet. Duale Studienangebote gibt es an den Hochschulen in Hof und Coburg. Sie werden bislang aber nur mäßig nachgefragt. Aktuell gibt es 22 dual Studierende in der Lehrlingsrolle der HWK.

Das im März letzten Jahres in Bayreuth gestartete Kompetenzzentrum Digitales Handwerk hat bis Jahresende 19 Veranstaltungen absolviert. Themen waren unter anderem digitales Vermessen am Fahrzeug, Datenschutz, Datensicherheit, Arbeitswelt 4.0. Digitalisierung, Fachkräfte und Bürokratie sind für Koller aktuell die drei Top-Themen des Handwerks.

Geschäfte laufen gut

Die Geschäfte laufen weiter sehr gut. So gut, wie seit 25 Jahren nicht mehr (wir berichteten). Die 16 192 Betriebe (plus 0,1 Prozent) machten mit ihren 75.000 Beschäftigten (plus 0,7 Prozent) im vergangenen Jahr netto 7,5 Milliarden Euro Umsatz (plus 1,9 Prozent). Für das laufende Jahr wird mit einem leichten Stellenzuwachs (plus 0,7 Prozent) und 7,5 Milliarden Umsatz (plus 1,8 Prozent) gerechnet.  Das Handwerk hat goldenen Boden – selten war dieser Spruch näher an der Realität als heute. Koller erwartet, dass die gute Auftragslage anhält. „Oberfranken hat eine Aufbruchstimmung.“ Zimmer sieht die Zukunft „ausnahmslos positiv“. Die niedrigen Zinsen treiben die Konjunktur an – und eben auch das Handwerk.

Höhere Preise

Für die Verbraucher hat die gute Handwerkskonjunktur nicht nur Vorteile. Die Preise könnten künftig auch in Oberfranken schneller steigen als bisher. Mehr Betriebe als im Vorjahr rechnen mit höheren Einkaufspreisen für ihr Material und werden dies wohl an ihre Kunden weitergeben.

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