Das Handwerk feiert sich

Coburger Bratwurst, saftiger Schinken, Sauerbraten, Schäufele, Küchla – am Buffet drängen sich die Gäste. Sie sind begeistert von den Köstlichkeiten aus ganz Oberfranken, die nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung kredenzt werden. Einer nimmt sogar eines der als dekorative Hingucker gedachten Bratwurstbrötchen zum Verzehr mit. Die Dame hinter dem Tisch nimmt’s gelassen und lächelt. „Kann sein, dass die Wurst schon etwas kalt ist“, gibt sie dem Mann noch mit auf den Weg. Auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) strahlt und stößt genüsslich mit seinem Bier mit Handwerkskammer-Präsident Thomas Zimmer und Kommunalpolitikern an.

Volle Auftragsbücher

Das Handwerk ist in bester Stimmung und versteht es, zu feiern. Wichtig für das Land war der Wirtschaftszweig schon immer, doch lange Zeit war sein Image etwas angestaubt. Das hat sich geändert. Beim Sommerempfang der oberfränkischen Handwerkskammer in Hof herrscht bei den Spitzenvertretern ausgeprägtes Selbst- und Sendungsbewusstsein. Präsident Thomas Zimmer verwies in seiner Rede auf die boomende Konjunktur, die den Betrieben volle Auftragsbücher beschert. „Wir haben allen Grund, unser Licht nicht unter den Scheffel zu stellen, sondern es kräftig leuchten zu lassen“, schwärmte er.

Mehr Ausbildungsverträge

Selbst beim Thema Nachwuchssicherung, das den Handwerkern in den vergangenen Jahren Sorgenfalten auf die Stirn trieb, meldet die Kammer eine positiven Entwicklung. Die Zahl der neu eingetragenen Lehrverhältnisse stieg – wie berichtet – um sechs Prozent auf 1822. Der hochfränkische Kreishandwerksmeister Christian Herpich führte das in einer von Anke Rieß-Fähnrich moderierten Talkrunde auch auf die Image-Kampagne des deutschen Handwerks zurück.

Zehn Jahre Genussregion

Stolz ist die Kammer-Spitze auf die gute Entwicklung des Vereins Genussregion Oberfranken, der vor zehn Jahren auf Initiative des Handwerks gegründet wurde. Gastredner Christian Schmidt, dessen Ministerium auch für Ernährung zuständig ist, sprach von einem „erfreulichen Jubiläum“. Die Genussregion sei ein Lernort für diejenigen, die sie besuchen. Denn es werde demonstriert, wie durch die Vernetzung wichtiger Akteure eine starke Marke entstehen könne. Es sei gelungen, durch regionale Qualitätsprodukte das Vertrauen der Verbraucher zu gewinnen.

Ehrung für Landrat Söllner

Auch auf Landes- und Bundesebene findet die oberfränkische Initiative Beachtung. Sowohl in Bayern als auch auf Bundesebene steht die Genussregion im Register guter Praxisbeispiele für den Erhalt des immateriellen Kulturerbes. Für den Bundeslandwirtschaftsminister ist die Genussregion ein Paradebeispiel für das gewachsene fränkische Selbstbewusstsein. Wie berichtet erhielt Klaus Peter Söllner, Kulmbacher Landrat und Vorsitzender des Vereins Genussregion Oberfranken, die goldene Ehrennadel der Handwerkskammer. Söllner habe sich durch sein großes Engagement an der Spitze des Vereins in herausragender Weise um das Handwerk verdient gemacht, sagte HWK-Präsident Zimmer in seiner Laudatio. Der Vorsitzende sei nicht nur ein entscheidender strategischer Impulsgeber. „Du stehst auch für eine besondere Kultur des Miteinanders“, sagte Zimmer. Söllners ausgleichende Art und sein ansteckender Optimismus seien gerade bei schwierigen Diskussionen wichtig. „Ich nehme die Auszeichnung stellvertretend für alle Oberfranken entgegen“, sagte Söllner. Auch er lobte das oberfränkische Handwerk: „Wir sind stolz darauf, was hier geleistet wird.“ Alles Friede, Freude, Eierkuchen also beim Sommerempfang der Kammer, der eigens wegen des vollen Terminkalenders von Minister Schmidt in den September gelegt worden war? Nicht ganz. HWK-Hauptgeschäftsführer Thomas Koller warnte vor Übermut: Das Handwerk sei „bärenstark“, doch das sei kein Selbstläufer.

Herausforderung Fachkräftemangel

Die Kompetenz der Betriebe sei die große Stärke des Zweigs. Deshalb müsse das Thema Qualifikation weiterhin eine zentrale Rolle spielen. Sowohl Koller als auch Kreishandwerksmeister Herpich nannten den Fachkräftemangel als große Herausforderung, die es zu bewältigen gelte. Dazu sei auch eine größere gesellschaftliche Anerkennung von Handwerksberufen nötig. Denn Wertschätzung sei ein wichtiger Faktor. Bundesminister Schmidt forderte eine neue Gründerkultur in Deutschland, um die Innovationskraft der Wirtschaft zu stärken. So bräuchten junge Unternehmen, sogenannte Start-ups, mehr Unterstützung – etwa in Form von Wagniskapital. „Auch das Handwerk lebt von neuen Ideen“, hob Schmidt hervor. Zugleich mahnte er, Betriebe dürften nicht noch mehr belastet werden. Vielmehr müsse es weniger Bürokratie geben.

Eine Substanzbesteuerung dürfe es bei der Erbschaftsteuer nicht geben. Den Spitzenvertretern des Handwerks gab er noch einen Ratschlag mit auf dem Weg: Der Spruch „Handwerk hat goldenen Boden“ sei richtig. Doch es sei wichtig, auch auf selbigem zu bleiben.

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