Das Dorfwirtshaus macht zu

Marianne Zimmermann fällt es nicht leicht, ihr Gasthaus zuzusperren. Noch schwerer fällt es ihrer Tochter, Karin Dietz. "Seit 37 Jahren macht sie das jetzt schon", sagt die Mutter. Karin Dietz würde auch weitermachen. 52 Jahre ist sie alt, da denkt man noch nicht ans Aufhören. Doch wenn die Konzession ihrer Mutter auf sie übergeht, sei das für sie nicht zu stemmen.

In Bärnreuth ist das Geld nicht schnell verdient

Küche und Toiletten müssten von Grund auf erneuert werden. "Es fängt schon damit an, dass wir eine Registrierkasse bräuchten, wir haben ja nur einen Geldbeutel." 100000 Euro, schätzt Karin Dietz, würde das locker kosten. Geld, das man mit einer Wirtschaft in Bärnreuth so schnell nicht wieder verdient habe.

Dabei lief es richtig gut. Sonntag für Sonntag wurden rund 70 Mittagessen ausgegeben,  Schweinebraten und Gänsebrust waren der Renner. Die Gänsebrust, sagt Karin Dietz, hätten die Gäste sogar im Hochsommer verlangt. Sie schüttelt den Kopf voll Unverständnis darüber, lächelt, erzählt weiter. Es gab Gäste, die kamen jeden Sonntag zum Essen. Es gab Familienfeiern und Vereinsfeiern, früher, einige Jahre her, wurden Kirchweih und Faschingstanz im Gasthaus Zimmermann groß gefeiert. Dann wurde die Wohnstube zwischen Küche und Gastraum, dort wo die Schrankwand steht, ausgeräumt und zur Bar umfunktioniert. Die ganze Verwandtschaft hat helfen müssen, um diese Feste zu stemmen. "Da war schon was los", erinnern sich Marianne Zimmermann und Karin Dietz. Sie erinnern sich an einen Berliner, der als Musikant aufgespielt hatte, an einen Geißbock, der in der Wirtschaft Sekt trinken musste.

Der Stammtisch braucht eine neue Bleibe

Das ist jetzt vorbei. Weil die EU es so will, kritisieren die Männer, die am Stammtisch sitzen. Als ob sich anderswo jemand darum scheren würde, wie es in der Küche aussieht. "Nur in Deutschland ist wieder alles ganz genau", sagt einer. Jeden Tag kommen sie zum Frühschoppen,sagen die Männer. Wo sie sich künftig treffen wollen, wissen sie noch nicht.

Landratsamt: Wirtschaft ist stark renovierungsbedürftig

Bei Betrieben, in denen mit Lebensmitteln gearbeitet wird, versteht das Landrastsamt aber keinen Spaß. Lebensmittelüberprüfer, sagt Pressesprecher Michael Benz, würden Gaststätten regelmäßig überprüfen, im vergangenen Jahr stellten sie im Gasthaus Zimmermann fest, dass die Räume stark renovierungsbedürftig sind und "die Betriebshygiene nicht den gesetzlichen Anforderungen entspricht".  Es müsste also investiert werden. Vor allem, um einen hygienisch einwandfreien Umgang mit den Lebensmitteln gewährleisten zu können. Es darf sich kein Schmutz ansammeln, es dürfen, so Benz, "keine Fremdteilchen in Lebensmittel gelangen", es darf sich keine Kondensflüssigkeit und kein Schimmel bilden können. Was genau investiert werden müsste, damit Karin Dietz die Gastwirtschaft weiter führen kann, könne Benz nicht sagen. Im Landratsamt sei gar nicht bekannt, dass sie überhaupt Interesse daran gehabt hätte. Andernfalls werde man sie "gerne über die Mindestanforderungen informieren".

Schwerer Abschied

Marianne Zimmermann führte das Gasthaus, das es seit 126 Jahren gibt, viele Jahrzehnte. Sie, das ehemalige Flüchtlingskind, arbeitete in Bad Berneck im Kneipp-Sanatorium. Sie lernte ihren Mann kennen, 1960 heirateten die beiden und Marianne Zimmermann zog nach Bärnreuth, hinein in die Wirtschaft. Dort wuchsen ihre vier Kinder auf, dort wuchsen auch die Enkel auf. Acht Jahre nach der Hochzeit übergaben die Schwiegereltern die Gastwirtschaft an Marianne Zimmermann und ihren Mann. Die Wirtschaft führte Marianne Zimmermann auch nach dem Tod ihres Mannes vor 26 Jahren weiter. Unterstützt von ihrer Schwester, die zum Klöße rollen kam, und von der Tochter. Während Marianne Zimmermann mit fast 79 Jahren nun ihren Ruhestand genießen wird, weiß Tochter Karin Dietz noch nicht, wie es für sie weitergeht. Sie weiß nur, dass sie ihr Leben in der Wirtsstube vermissen wird. "Es gibt Leute, die kamen jeden Sonntag zum Essen. Mir wird jeder einzelne fehlen."

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