Das Dorf lebt - manchmal

Man sollte von einem Fest nicht auf alle Feiern und Kirchweihen schließen. Allein schon der Blick in die Veranstaltungshinweise, die täglich im Nordbayerischen Kurier abgedruckt werden, zeigt, dass gerade im Sommer landauf- und landab gefeiert wird. Mal ehrlich: Wer soll denn die ganzen Feste besuchen, die kreuz und quer im Landkreis und darüber hinaus stattfinden?

Spitzenplatz beim Feiern

Nähme man alle Feste, Feiern und Kirchweihen als Indikator für ein pulsierendes Leben, würden die Dörfer, Städte und Gemeinden in der Region einen Spitzenplatz belegen. Und das ist gut so. Zusammen zu feiern ist allemal besser als miteinander zu streiten. Aber: Das Leben fern der Großstädte sollte nicht zur heilen Welt verklärt werden, in der sich alle lieb haben. Auch auf dem Land gibt es Zwist und Streit fern aller Dirndl- und Lederhosenseligkeit, die man auf vielen Veranstaltungen erleben kann.

Wenn junge Leute fliehen

Die ausgeprägte Feierkultur darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele kleine Orte zu kämpfen haben. Häufig hat das Wirtshaus zugemacht, Einkaufsmöglichkeiten gibt es keine mehr. Und wer zum Arzt muss, der fährt schon mal Dutzende von Kilometern. Dieser Wegfall an Infrastruktur trifft vor allem ältere Menschen, die nicht mehr Autofahren. Sie sind die wahren Verlierer einer Entwicklung, die vermutlich nicht aufzuhalten ist. Überalterung, leer stehende Häuser und die Landflucht junger Leute beschleunigen die Spirale nach unten. Fakt ist: Der Trend deutschlandweit geht zu den großen Zentren, in denen es gut bezahlte Arbeitsplätze, kulturelle Angebote und einen gut ausgebauten Öffentlichen Personennahverkehr gibt. Wer dort studiert oder eine Ausbildung absolviert, der wird wahrscheinlich bleiben.

Lebensqualität ist etwas anderes

Dem hat das flache Land billige Baulandpreise, viel Natur und eine hohe Lebensqualität entgegenzusetzen. Ob damit der Wettbewerb um Einwohner und Steuerzahler zu gewinnen sein wird, ist fraglich. Entscheidend ist das Angebot an qualifizierten Jobs – und hier haben Großstädte und deren umliegende Speckgürtel nun einmal die Nase vorn. Was hilft Natur pur, wenn der Arbeitsplatz 100 Kilometer entfernt liegt, man jeden Tag hin und zurück zwei Stunden im Auto sitzen muss? Da ist es mit der Lebensqualität schnell vorbei.

peter.engelbrecht@nordbayerischer-kuier.de

Nicht bewertet

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Kommentare

Düsseldorf
Genau, Düsseldorf!
Sind'S jetzt endgültig ins Kommödiantenfach gewechselt, Kiepfer?