Commerzbank in Bayreuth erfolgreich

Herr Braun, die Commerzbank hat vor einigen Tagen für das dritte Quartal einen Verlust von 288 Millionen Euro gemeldet. Zuvor hatte Ihre Bank bereits einen umfangreichen Stellenabbau angekündigt. Klingt alles nicht gerade viel versprechend, finden Sie nicht?
Werner Braun: Da bin ich anderer Meinung. Das Konzernergebnis im dritten Quartal ist von Sondereffekten geprägt gewesen, die bereits bei der Bekanntgabe der neuen Commerzbank-Strategie angekündigt wurden. Das operative Ergebnis hat sich gegenüber dem Vorquartal sogar verbessert und die harte Kernkapitalquote auf 11,8 Prozent erhöht. Klar ist zugleich: Wir stehen, genauso wie die gesamte Bankenbranche, vor großen Herausforderungen. Aber ich bin überzeugt davon, dass wir mit unserer neuen Strategie erfolgreich sein werden. Nehmen Sie das Privatkundengeschäft als Beispiel. Hier sind wir in diesem Jahr weiter gewachsen. Diese Sparte ist ein Zugpferd im Konzern und wir sehen noch viel Wachstumspotenzial. Unsere Digitalisierungsstrategie ist ein weiterer Pluspunkt, denn wir sind mit unseren Angeboten auch hier unseren Konkurrenten voraus. Sie wird dazu beitragen, dass wir profitabler werden. Wir haben nach der Finanzkrise unsere Hausaufgaben gemacht und den Konzern umgebaut. Das zahlt sich immer mehr aus.

Andere sind bei der Bewertung Ihres Hauses nicht so positiv gestimmt. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ etwa titelte unlängst: „Commerzbank wächst – und wann kommt der Ertrag?“ Was antworten Sie?
Braun: Wir wissen, dass wir effizienter werden müssen. Die dazu notwendigen Prozesse haben wir eingeleitet. Alles, was digitalisiert werden kann, wird auch digitalisiert. Einen Konsumentenkredit können Sie heute online mit fünf Klicks beantragen. Hier steckt viel Einsparungspotenzial, weil Arbeitsschritte und auch Verwaltungsaufwand wegfallen. Effizienzsteigerungen sind ein wichtiger Schritt, aber gleichzeitig werden wir unsere Wachstumsstrategie konsequent fortsetzen. Wir werden weiterhin Marktanteile erobern – und das profitabel.

Commerzbank-Privatkundenchef Michael Mandel hat als neues Ziel zwei Millionen neue Privatkunden netto bis 2020 ausgegeben. Wie wollen Sie dieses Ziel erreichen?
Braun: Ich bin sicher: Wir werden das schaffen. Vor vier Jahren haben uns viele ebenfalls nicht zugetraut, dass wir bis 2016 eine Million neue Privatkunden netto hinzugewinnen würden. Aber es ist uns gelungen. Wir haben einen Kundenkompass eingeführt und verfügen über eine ausgezeichnete Beratungskompetenz. Unabhängige Tests bescheinigen uns eine hervorragende Kundenzufriedenheit. Diese gute Arbeit werden wir fortsetzen und damit weitere Kunden überzeugen. Und wir werden uns – anders als unsere Konkurrenten – nicht aus der Fläche zurückziehen, sondern gezielt in die Lücken stoßen, die unsere Wettbewerber hinterlassen.

Sie spielen darauf an, dass ausgerechnet die regional verwurzelten Genossenschaftsbanken und Sparkassen zahlreiche Geschäftsstellen schließen?
Braun: Bis zu 30 Millionen Menschen in Deutschland werden Schätzungen zufolge in den nächsten Jahren ihre Filiale verlieren, weil sie von ihrer Bank geschlossen wird. Das sind potenzielle Kunden für uns. Filialschließungen sind aus unserer Sicht keine Strategie. Wir fühlen uns mit unseren bundesweit etwa 1000 Filialen derzeit sehr wohl. Dieses engmaschige Netz wollen wir beibehalten.

Gilt das auch für Oberfranken?
Braun: Ja. Es sind derzeit keine Filialschließungen in der Region geplant.

Und wie sieht es mit Stellenabbau aus?
Braun: Das ist Gegenstand der Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern. Ich bitte um Verständnis dafür, dass wir uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht dazu äußern können. Aber lassen Sie mich noch etwas zu Ihrer Region sagen.

Bitteschön.
Braun: Wir sind in Nordbayern nicht zuletzt seit der Übernahme der Schmidtbank stark vertreten. Und wir haben hier exzellente Mitarbeiter. Die Niederlassungen Weiden und Bayreuth/Hof gehören seit Jahren zu den erfolgreichsten Commerzbank-Niederlassungen in ganz Deutschland. Bayreuth-Hof hat beispielsweise einen Marktanteil von etwa 30 Prozent und hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres bereits 830 neue Privatkunden netto gewonnen. Auch im Baufinanzierungsgeschäft liefert die Niederlassung sehr gute Resultate. Wir sind ein ausgezeichneter Partner für Häuslebauer. Wir würden uns doch ins eigene Fleisch schneiden, wenn wir diese erfolgreiche Arbeit aufs Spiel setzen würden.

Auch der Commerzbank macht zu schaffen, dass Erträge aus dem Zinsgeschäft wegbrechen. Aber auf das kostenlose Girokonto will Ihr Institut offenbar trotzdem nicht verzichten?
Braun: Nein, wir halten daran fest, weil das kostenlose Girokonto aus unserer Sicht ein Basisprodukt ist. Und es hat sich gezeigt, dass sich diese Entscheidung für uns lohnt, weil der Kunde dann in den meisten Fällen auch andere Dienstleistungen und Produkte von uns in Anspruch nimmt.

Die Commerzbank wurde 2009 mit mehreren Milliarden Euro vom Staat gerettet. Und trotzdem lockt sie immer wieder mit öffentlichkeitswirksamen Kampagnen Neukunden mit Prämien von bis zu 125 Euro. Sind regionale Konkurrenten, die in der Finanzkrise  ein Stabilitätsfaktor  waren, nicht  verständlicherweise sauer darüber?
Braun: Nein, diese Kritik halten wir für ungerechtfertigt. Wir sind dankbar dafür, dass wir damals eine Chance zum Neuanfang bekamen. Aber mit der Hilfe waren strenge Auflagen verbunden, die wir stets erfüllt haben. Außerdem haben wir uns – als Lehre aus der Finanzkrise – einen radikalen Kurswechsel verordnet. Wir haben uns und unsere Geschäftsmodelle kritisch hinterfragt und dann entschlossen gehandelt. Jetzt sind wir unseren Wettbewerbern einige Schritte voraus. Und diesen Vorsprung nutzen wir. Das gefällt unseren Konkurrenten nicht. Aber das zeigt, wir treffen die richtigen Entscheidungen.

Stichwort Wandel: Auch die Commerzbank hat bis vor Kurzem sogenannte Cum-Cum-Geschäfte betrieben, bei denen Anleger den Staat um viel Geld erleichtert haben. Die Geschäfte sind zwar legal, aber moralisch fragwürdig. Muss man eigentlich alles machen, was Geld bringt?
Braun: Die Commerzbank hat sich aus dem gesellschaftlich nicht mehr akzeptierten Cum-Cum-Geschäft zurückgezogen. Wir nehmen dabei in Kauf, dass andere Banken diese Geschäfte weiter betreiben und sich dadurch einen Vorteil verschaffen

Der frühere Commerzbank-Chef Martin Blessing hat sich im April mit einem Milliardengewinn im Geschäftsjahr 2015 verabschiedet. Wenige Monate später verkündet sein Nachfolger einen drastischen Stellenabbau. Muss man Blessing Versäumnisse vorwerfen?
Braun: Martin Blessing hat die Commerzbank in schwierigem Fahrwasser wieder auf Kurs gebracht. Er war maßgeblich mitverantwortlich dafür, dass wir im Privatkundengeschäft den Turnaround geschafft haben. Blessing hat dabei sehr kundenzentriert gedacht, was genau die Stärke unserer heutigen Strategie ist. Die Digitalisierung führt zu einem Umbruch in der Bankenbranche, wie wir ihn bislang noch nicht gesehen haben. Dass ein neuer Vorstandschef sein Institut im Hinblick auf diese gewaltige Herausforderung zukunftssicher aufstellen möchte, ist richtig. Wir haben eine exzellente Digitalisierungsstrategie. Ich bin sehr optimistisch für die Zukunft der Commerzbank.

 Das Gespräch führte  Matthias Will

Zur Person

Werner Braun kam 1983 zur Dresdner Bank. Seine Vertriebskarriere startete er in der Kundenberatung und Erwachsenenbildung. Danach hatte er verschiedene Führungspositionen inne, unter anderem die Geschäftsleitung Private & Business Banking inklusive Wealth Management Region Südwest (Baden Württemberg) und danach für die Vertriebsregion Stuttgart. Zuletzt war Werner Braun Leiter der Gebietsfiliale Frankfurt. Heute ist er im Konzernbereich Privat- und Geschäftskunden als Bereichsvorstand für die Region Süd (Bayern und Baden-Württemberg) verantwortlich.

Maximilianstraße 38, 95444 Bayreuth

Nicht bewertet

Anzeige