Code Pink hält dagegen

Rassbach zeigte sich irritiert von den scharfen Reaktionen, die die Entscheidung des Stadtrates vom vergangenen Mittwoch, der Bürgerrechtsbewegung trotz der an ihr geübten Kritik, zu verleihen. "Wir haben alle gegen uns erhobenen Vorwürfe mit Dokumenten erkärftet, die an die Bayreuther Stadträte gingen." Und: "Der Bayreuther Stadtrat hat die Pflicht und das Recht, eine Entscheidung zum Wilhelmine-Preis zu treffen." Zu den Kritikern dieser Entscheidung gehörte der israelische Botschafter in Deutschland.  Yakov Hadas-Handelsman hatte am Donnerstag gesagt:„Ich bin entsetzt, dass ausgerechnet in Deutschland im Namen von Toleranz und Humanität die Organisation Code Pink ausgezeichnet werden soll. Die Definition von Toleranz und Humanität in Bayreuth ist scheinbar: mit Holocaustleugnern in Iran zusammenzuarbeiten, Juden zu boykottieren und Israel das Existenzrecht abzusprechen.“

Code Pink-Mitbegründern Medea Benjamin weist diese Kritik zurück. Menschen jüdischen Glaubens gehören ihren Worten nach der Bürgerrechtsbewegung an. "Wir sind Kinder und Enkel von Holocaus-Überlebenden. Warum sollten wir dfas jüdische Volk bedrohen wollen?"  Ann Wright, eine der Friedensaktivisten, die nach Bayreuth kommen werden, bezeichnete den Antsemitismusvorwurf als unbegründet: "Eine Lüge immer und immer wieder zu wiederholen, macht sie nicht wahr." Code Pink habe das Existenzrecht Israels nie geleugnet. "Aber wir bestehen darauf, dass Israel seine illegale Politik in der West Bank und in Gaza stoppt."

Elsa Rassbach kritisierte Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe. Sie habe öffentlich erklärt, der Stadtrat solle die Preisverleihung an Code Pink rückgängig machen. Noch bevor Code Pink die Möglichkeit zu einer Stellungnahme gehabt habe.

Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Hellmut Königshaus, hat der  Oberbürgermeisterin Respekt wegen ihrer klaren Haltung zur Verleihung des Wilhelmine von Bayreuth-Preises, eines Preises für Verdienste um die Toleranz, an eine intolerante Organisation, gezollt. Wie eine Organisation wie Code Pink für besondere Toleranz ausgezeichnet werden kann, erschließe sich nicht. Es sei gerade in einer Zeit, in der Hass und Intoleranz um sich greifen, vielmehr eine "unbegreifliche Entgleisung" der Mehrheit im Stadtrat, die aufgerufen bleibe, diese Entscheidung noch einmal zu überdenken. Es sei zu hoffen, dass die besonnene und doch konsequente Haltung der Oberbürgermeisterin Schule mache, sagt Königshaus.

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Kommentare

Code Pink: "Aber wir bestehen darauf, dass Israel seine illegale Politik in der West Bank und in Gaza stoppt." Das ist ja mit Blick auf einen Zweistaatenlösung nun auch die Linie der Bundesregierung, wenn auch nicht ganz schwarz-weiß, dafür aber umso komplexer.

Es stellt sich dennoch die Frage, ob es geschickt ist, wenn der Bayreuther Stadtrat versucht, in der Weltpolitik und gerade im Pulverfass Nahost mitzumischen. Besser vielleicht erst einmal bei den Lokalpulverfässchen Stadthalle und Graserschule üben ;-)