Claus Hofmann tritt aus SPD aus

Über das Bild, das die SPD derzeit nach außen abgebe, sei er sehr enttäuscht. Die aktuellen Personaldiskussionen in Berlin um die Besetzung der Posten des Außenministers und des Parteivorsitzenden waren für Hofman freilich nur die Tropfen, die das Fass zum Überlaufen brachten. Mehr und mehr sah sich das Mitglied des Ortsvereins Gesees in der Zwickmühle. Einerseits versuchte er, sich loyal gegenüber seiner Partei zu verhalten und in Diskussionen, etwa auch mit verärgerten Geseesern, die Linie der Partei zu vertreten. Andererseits hat sich aber bei Hofmann selbst viel Frust angestaut. Konkret nennt er das Bürgerbegehren zum G8. Dass hierfür die Freien Wähler einen Antrag gestellt haben, „finde ich toll und unterstütze ich auch“, sagt Hofmann. „Schade, dass das nicht von der SPD gekommen ist.“ Und mit Blick auf Berlin sagt er: „Ich habe keine Lust mehr, mich ständig für die Fehler von anderen rechtfertigen zu müssen.“

Weiter Zweiter Bürgermeister

Hofmann versichert, dass die Gründe für seinen Austritt aus der Partei nicht auf der lokalen Ebene zu suchen sind. Folglich wird er auch sein Amt als Zweiter Bürgermeister in Gesees weiter ausüben.

Der Geseeser Bürgermeister Harald Feulner (Freie Wähler) zeigt sich am Mittwoch vom angekündigten SPD-Austritt Hofmanns überrascht. „Ich kenne seine Beweggründe nicht“, sagte er im Gespräch mit dem Kurier. Feulner sieht aber keinen Grund, warum Hofmann das Amt des Zweiten Bürgermeisters in Gesees nicht weiter ausfüllen sollte. „Ich denke, dass er seine Arbeit im Gemeinderat genauso engagiert fortsetzen wird wie bisher.“

Hofmann, der im Jahr 2008 in die SPD eingetreten ist, und sich auch als Bürgermeisterkandidat zur Wahl gestellt hat, wird sein Amt künftig als Parteiloser ausüben. Generell ist fraglich, wie es mit dem SPD-Ortsverein Gesees weitergeht. Derzeit zählt man dort elf Mitglieder. Bei der Jahresversammlung in zwei Wochen wird es um Grundsätzliches gehen. Nämlich um die Frage, ob sich der Ortsverein auflösen wird und sich die übrig gebliebenen Genossen einem benachbarten Ortsverein anschließen.

Nach jetzigem Stand beabsichtigt Hofmann auch bei der nächsten Wahl im Jahr 2020 wieder für den Gemeinderat Gesees zu kandidieren. „Vielleicht auf einer offenen Liste“, wie er sagt.

Eines wird er allerdings nicht tun: Als Noch-SPD-Mitglied steht es ihm zu, bei der aktuellen Mitgliederbefragung zur Großen Koalition auf Bundesebene sein Votum abzugeben. Jedoch: „Daran werde ich nicht teilnehmen.“

67 Neueintritte

Hofmanns Austritt aus der SPD ändert freilich nichts daran, dass die Entwicklung der Mitgliederzahl bei den Genossen derzeit nach oben geht. Wie Oliver Jauernig, Geschäftsführer der SPD Oberfranken, mitteilt, gab es im Unterbezirk Bayreuth seit 1. Januar 67 Neueintritte, 39 in der Stadt und 28 in den Ortsvereinen im Landkreis. Für Jauernig ist klar, dass die Mitgliederbefragung zur Groko für viele der Anlass für den Eintritt in die Partei ist. Aus Gesprächen mit den Neumitgliedern sei hervorgegangen, dass sich die Zahl der Befürworter und Gegner der Groko die Wage hält, sagt Jauernig.

Wesentlich euphorischer klingt dagegen der Vorsitzende des SPD-Stadtverbands, Halil Tasdelen, der sich über viele junge, dynamische Mitglieder freut: „Mir wird um die Zukunft der Sozialdemokratie nicht bange.“

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Kommentare

Mir schon.
Herr Tasdelen pfeift laut im Wald.
Diese so genannten Neumitglieder sind eh bald wieder weg. Ist doch nur ein kleines Aufbegehren durch die GroKo Geschichte. Da kann Herr Tasdelen noch so laut jubeln. Den wird die Realität spätestens am 14. Oktober einholen, wenn ausgezählt ist. Der kann nur auf einen guten oberfränkischen Listenplatz hoffen bei den momentanen Umfragewerten ;-)
Das sind vielleicht Typen (Hofmann, Bursian). Lassen sich mit Unterstützung der Partei in die Ämter wählen und hauen dann mitten drin ab. Bei der nächsten Wahl laufen sie dann im neuen Trikot auf.
Was wird denn aus der "sozialdemokratischen" Politik Merkels, wenn es zu keiner Großen Koalition kommt? Merkel braucht die SPD zum Weiterregieren mehr als die CSU. Wer wird dann das Bundeskanzleramt besetzen? Ich glaube, dass viele Bürger große Bedenken davor haben, diese Politik der kleinen Schritte zu beenden.
Ich glaube eher, dass immer mehr Bürgerinnen und Bürger bzw. Parteimitglieder - übrigens in der SPD genauso wie in der CSU - die Nase von dieser Großen Koalition gestrichen voll haben und ihre Konsequenzen aus dieser "Weiter so"-Politik ziehen.
Wenn ich mit Menschen spreche, die höchst unzufrieden mit der derzeitigen Politik sind und AfD-Parolen übernehmen, werden sie immer ganz still, wenn ich sie direkt frage, wie es ihnen selbst geht. Offensichtlich drückt sie eher eine diffuse Zukunftsangst, die zur Zeit um sich greift. Glücklicherweise gibt es auch sehr viele Menschen, die sich nicht verrückt machen lassen und die Zukunftsprobleme mit positiver Einstellung anpacken wollen. Wenn wir uns in der Welt umschauen, haben wir in Deutschland wahrscheinlich die besten Chancen dazu.
Diese "diffusen Zukunftsängste" sind ja nicht einfach so aus der Luft gegriffen. Mal abgesehen von der instabilen Weltlage bietet die Politik der letzten Jahre keine hinreichenden Antworten auf die großen Probleme wie Kinderarmut, Altersarmut, Abhängen / Sanktionieren / Schikanieren von Langzeit-Erwerbslosen, Wohnungsnot / explodierende Mieten, exorbitante Steuerbelastung (kaum ein anderes Land belastet seine Arbeitnehmer so hoch wie Deutschland), verrottende Infrastruktur (Schulen, Strassen, Brücken...), Pflegenotstand, Hilflosigkeit gegenüber organisierter Kriminalität (Clans!), Überlastung der Polizei durch massiven Stellenabbau, Kontrollverlust bei den Masseneinwanderungen der letzten Jahre... und wie will man dem bevorstehenden massiven Verlust von Arbeitsplätzen durch die Digitalisierung begegnen?

Kein Wunder, dass sich viele Menschen von der gegenwärtigen Politik abwenden und nach Alternativen suchen. Bin gespannt, wann das "dort oben" ankommt. Oder ob.
"kaum ein anderes Land belastet seine Arbeitnehmer so hoch wie Deutschland"
Stimmt. Aber kaum ein anderes Land bietet seinen Bürgern so viel Infrastruktur und soziale Sicherheit.
"die großen Probleme wie Kinderarmut, Altersarmut, Abhängen / Sanktionieren / Schikanieren von Langzeit-Erwerbslosen, Wohnungsnot / explodierende Mieten" sind in Deutschland im Vergleich mit anderen Ländern noch relativ gering. Aber es stimmt, es muss energischer gehandelt werden. Nur welche Parteien könnten das besser als die GK? Bestimmt nicht die AFD, deren Programm doch nur darin besteht, Kritik zu äußern.
Welche realen Alternativen gibt es denn? Ich gehe davon aus, dass eine GK diesmal besser arbeitet, es sei denn, die CSU macht weiter auf Opposition.
"Nur welche Parteien könnten das besser als die GK?"

Das sehen viele Menschen eben mittlerweile anders und das sollten wir alle akzeptieren.
Seit wann werden Sitze nach Meinungsumfragen verteilt?
Hier geht es gar nicht um Meinungsumfragen.
Er steht damit in großer historischer Tradition zu - wer erinnert sich heute noch an sie - Hans Georg Seidelbast, Walter Eisel und Erich Jung.