Chronik einer unendlichen Geschichte

2011: Der Stadtrat diskutiert erstmals über eine Auffrischung des deutlich in die Jahre gekommenen historischen Marktplatzes. Es folgen viele Diskussionen,Vorschläge und Streitereien um das Vorhaben. 

2014: In fast komplett neuer Besetzung beschließt der Stadtrat, das Projekt voranzutreiben und die Bürger mit ins Boot zu holen. Eine Umfrage wird gestartet, in Gesprächsrunden diskutieren viele Neustädter über das Vorhaben und was ihnen am wichtigsten ist.

2015: In einem Architektenwettbewerb setzt sich die Arbeitsgemeinschaft „Landschaftsarchitektur+“ aus Hamburg und „P+ Architekten& Ingenieure“ aus Bayreuth durch und holt den ersten Preis.

2016: Bürger erarbeiten in Workshops unter Begleitung von sogenannten Mediatoren Themen und konkrete Vorschläge für die Marktplatzsanierung. Nach fünf Jahren Diskussion und Vorbereitung beauftragt der Stadtrat im Juli das Planungsbüro „Landschaftsarchitektur+“aus Hamburg mit dem Projekt Marktplatzsanierung. Bürgermeister Wolfgang Haberberger bezeichnet den Beschluss als  „großartigen Meilenstein“.  Ende des Jahres formiert sich der Widerstand von mehreren Marktplatzanliegern gegen die Pläne. In lautstarken Protestaktionen vor und während der Stadtratssitzungen formulieren sie ihre Bedenken. Der Protest reicht bis ins Landratsamt und zur Bezirksregierung.

Landrat lehnt Verlegung ab

2017: Anfang des Jahres gründet sich „Pro Neustadt“ als Gegenbewegung zu den Kritikern der Marktplatzsanierung. Sie wollen die zügige Umsetzung der Pläne und damit ihre Stadt voranbringen. Ungeachtet dessen setzt sich der Protest der Marktplatzanrainer fort. Landrat Andreas Meier lehnt überraschend die geplante Verlegung der durch den Ort führenden Kreisstraße als „zu teuer“ ab. Es folgt eine Auseinandersetzung zwischen Landrat und Bürgermeister Haberberger mit gegenseitigen Vorwürfen. Der Architekt erarbeitet neue Pläne. In zwei Stadtratssitzungen mit Dutzenden Bürgern stellen Gegner und Befürworter des Projekts ihre Vorstellungen und Pläne vor. Nachdem die Stadt bei den neuen Plänen auf einige Forderungen der Anlieger eingeht, scheint eine Annäherung möglich. Mittlerweile sind die Fronten zwischen Stadtrat und Sanierungsgegnern wieder verhärtet. Daran ändert auch eine Ortsbegehung von Behördenvertretern nichts. Das bestätigt die Aussage von Georg Doreth, einer der Sprecher der Interessengemeinschaft (IG) der Marktplatzanlieger: „Ich bin nicht zufrieden mit dem, was da kundgetan wurde.“ Die IG habe das Treffen als wenig hilfreich empfunden und keinen Schritt nach vorne erkennen können. „Wir wollen den Marktplatz in dieser Form nicht und wir werden weiter für unsere Vorstellungen kämpfen.“

Ausblick: Nach dem die Stadt ihren Haushalt neu verabschieden und die Marktplatzsanierung deshalb wieder verschoben werden musste, scheint die Realisierung des Projekts weiter entfernt denn je. Auch wenn Bürgermeister Haberberger und die Mehrzahl der Stadträte am Stadtumbau festhalten wollen, ist der Ausgang dieser unendlichen Geschichte offen. Fortsetzung garantiert.

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