Center Heyden muss Medi verlassen

Im Gespräch mit dem Kurier blickt Heyden auf seine Zeit in Bayreuth zurück. Sie ist gespickt mit vielen Höhen und geht für ihn doch mit einem faden Beigeschmack zu Ende.

Vier Jahre Bundesliga in Bayreuth, zuletzt drei davon am Stück. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Phillipp Heyden: Einerseits ernüchternd, weil wir mit Ausnahme der vergangenen Saison immer gegen den Abstieg gespielt haben. Als Spieler hast du es da nicht leicht, du hast immer Druck, bist immer unter Zugzwang. Andererseits ist das natürlich auch ein Erfolg, die Klasse gehalten zu haben. Persönlich habe ich meine Rolle gerade unter Trainer Michael Koch gefunden und sie auch gut ausgefüllt. Bitter war natürlich, dass mich meine Verletzung in der letzten Saison so zurückgeworfen hat.

Die Höhepunkte Ihrer Zeit hier?

Heyden: Höhepunkte waren fast alle Heimspiele – die Stimmung in der Oberfrankenhalle und diese tollen Fans, das ist klasse. Einzelne Spiele herauszugreifen, fällt mir schwer, aber besonders in Erinnerung geblieben sind mir die Derbys gegen Bamberg. Auch die Auswärtsspiele, als es um den Klassenerhalt ging – das waren Highlights.

Die Tiefpunkte?

Heyden: Da fällt mir spontan das verlorene Spiel in Crailsheim aus der Saison 2014/15 ein. Als uns die Fans den Mittelfeinger gezeigt haben, das hat mich mitten ins Herz getroffen. Gerade für Spieler wie Peter Zeis, Simon Schmitz oder mich, also für die Jungs, die sich voll mit dem Verein identifiziert haben, war das erschreckend.

Sie haben einige Trainer in Bayreuth kommen und auch gehen sehen – Andreas Wagner, Predrag Krunic, Michael Koch. Welcher hat Sie am nachhaltigsten geprägt?

Heyden: Mike Koch, weil wir doch eine sehr intensive und auch schwere Zeit zusammen erlebt haben. Zu ihm habe ich ein sehr gutes Verhältnis aufgebaut. Gerade während meiner Verletzung hat er sehr viel Verständnis gezeigt, hat mir die Zeit gegeben.

Wie sehr haben Sie in Bayreuth Fuß gefasst, was verbindet Sie mit der Stadt und auch dem Verein?

Heyden: Es sind zunächst einmal die Fans, denen ich unheimlich dankbar bin. Auch für den Zuspruch, den ich jetzt erfahre. Aber auch unsere Physios Kevin Schneider und Tobias Herrmannsdörfer sind mir sehr ans Herz gewachsen. Dann natürlich auch unser Betreuer Eddi Hübner. Es war immer ein Highlight in die Halle zu kommen und ihm zu begegnen, auch wenn er gegrantelt hat. Aber auch die Stadt – sie ist mehr als eine zweite Heimat für mich geworden.

Sie und Bayreuth – das passt?

Heyden: Absolut. Ich habe hier meine Freundin kennengelernt – ein echter Glücksgriff. Sie hat einen Sohn, ich bin dann quasi in die Papa-Rolle geschlüpft. Was mir unheimlich Freude macht. Aber auch darüber hinaus habe ich hier viele Freunde gefunden. Bayreuth gefällt mir unheimlich gut. Die Leute waren nett zu mir, die Größe der Stadt passt, die Natur ist toll. Ich bin oft am Siegesturm unterwegs, liebe die Fränkische Schweiz, am Sonntag gehen wir oft Schäufele essen. Ich trinke auch gerne mal ein Seidla. Insofern bin ich schon ein halber Bayreuther.

War es denn nicht möglich, eine andere Rolle innerhalb des Vereins für Sie zu finden?

Heyden: Ich habe mit unserem Geschäftsführer Philipp Galewski schon einmal darüber gesprochen. Es hätte vielleicht die Möglichkeit gegeben, eine Ausbildung nebenbei zu machen. Für mich wäre das aber nur in Verbindung mit einem vollwertigen Vertrag infrage gekommen. 14. oder 15. Mann im Kader, das ist nicht mein Ding. Da spiele ich ja auch nie. Ich bin noch nicht bereit, mit Profi-Basketball aufzuhören. Ganz im Gegenteil: Wenn meine Knieverletzung ganz auskuriert ist, will ich wieder voll angreifen.

Sie hätten gerne hier weitergespielt, müssen aber gehen. Ein Dilemma?

Heyden: Dass ein Vertrag nicht verlängert wird, damit muss man als Profisportler leben. Ich wäre wirklich sehr gerne geblieben. Aber es sollte nicht sein. Schade ist die Art, wie mein Aus seitens des Vereins kommuniziert wurde. Denn ich habe es nicht direkt, sondern von meinem Agenten erfahren. Ich hätte mir einfach ein kurzes persönliches Gespräch mit dem neuen Trainer gewünscht. Ich war ja vier Jahre hier, es waren vier intensive Jahre. Ich war immer für den Verein da, habe mich mit ihm identifiziert und auch das Team mit zusammengehalten. Vor diesem Hintergrund finde ich den Abschluss – sagen wir – etwas unglücklich.

Ist diese fehlende menschliche Geste ein Zeichen der zunehmenden Professionalisierung, der sich ja auch Medi verschrieben hat?

Heyden: Eher nicht. Denn Professionalisierung beinhaltet ja auch soziale Kompetenz. Insofern war die Art und Weise, wie mit Mike Koch und mir umgegangen wurde, nicht professionell.

Ist Medi Bayreuth folglich auf dem falschen Weg?

Heyden: Nein, absolut nicht. Ich sehe den Verein auf einem guten Weg. Hier stimmt jetzt schon vieles – die Fanbase, eine Firma wie Medi als Hauptsponsor, die Motivation. Alle hier haben richtig Bock auf Basketball, das ist schon stark. Potenzial ist hier zweifelsohne vorhanden. Man muss jetzt nur kontinuierlich weitergehen.

Apropos: Wie geht es mit Ihnen weiter, der Mitteldeutsche BC war im Gespräch. Ist da etwas dran?

Heyden: Nein, das wird definitiv nichts. Djordje Pantelic kehrt dort auf die Centerposition zurück. Und als Backup auf der Fünf in die Pro A werde ich nicht gehen. Bislang gibt es noch nichts Konkretes. Andererseits habe ich auch keinen Druck.

Bleiben Sie Bayreuth verbunden?

Heyden: Ganz sicher. Die Stadt wird weiterhin mein Mittelpunkt sein. Egal wohin es mich verschlägt, meine Freundin bleibt hier in unserem Häuschen in den Birken, sie macht gerade eine Ausbildung. Wir werden es erst einmal mit einer Fernbeziehung probieren. Das Schöne ist, den Sommer, die schönste Jahreszeit, verbringe ich auf jeden Fall in Bayreuth. Überhaupt kann ich mir sehr gut vorstellen, nach Ende meiner Karriere ganz hierin zurückzukehren.

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