Busunglück: Ruf nach mehr Sicherheit

Die Busunternehmer aus dem Landkreis, die dem Kurier zum Gespräch zur Verfügung standen, haben keine Stornierungen erhalten. Trotz des Unglücks mit 18 Toten und 30 Verletzten erwarten sie nicht, dass die Reisegäste aus Angst ausbleiben. Eine Reisegruppe aus Sachsen und Brandenburg war am Montagmorgen auf dem Weg an den Gardasee. Ihr Bus stieß bei Stammbach auf der A 9 an einem Stauende gegen einen voraus fahrenden Lastzug und brannte aus. „Es ist unheimlich schlimm, dass so etwas geschehen kann“, sagt Leonhard Will im Gespräch mit dem Kurier. Der Reisebusunternehmer aus Oberzaubach bei Stadtsteinach zeigt sich tief bestürzt: „Ich bin fix und fertig.“ Ein Unglück von solchen Ausmaßen sei tragisch.

Ursache finden

Jetzt müsse die Ursache gefunden werden, sagt Will. Er könne nur darüber spekulieren, warum der Bus so schnell gebrannt hat. Ob das Feuer durch den Aufprall entstanden ist? Schwer zu sagen.

Doch wie groß sind generell die Gefahren bei Busreisen? Leonhard Will hat zuletzt seine gesamte Belegschaft ein Sicherheitstraining absolvieren lassen. Außerdem gibt es regelmäßige Schulungen. Vor jeder Tour wird den Fahrgästen ein siebenminütiges Sicherheitsvideo auf den Bildschirmen im Bus gezeigt. „Wir weisen auf das Rauchverbot und auf die Anschnallpflicht hin“, sagt der Reiseunternehmer.

Nothahn etwas drehen

Im Notfall lassen sich die Türen durch einen Nothahn einfach öffnen. „Man braucht ihn bloß ein bisschen drehen und schon gehen die Türen auf“, erklärt Will. An den Scheiben sind zudem Nothämmer angebracht. Allerdings dauert es relativ lange, bis die Doppelverglasung eingeschlagen ist und eine Möglichkeit zum Aussteigen bietet, sagt der Oberzaubacher. „Wenn auf einmal dichter Qualm im Bus ist und man nichts mehr sieht, dann hängt es von der schnellen Reaktion des Fahrers und der Fahrgäste ab.“ Die Türen seien die einzige Chance, bei einem Feuer zu entkommen.

Was am Montag in der Nähe von Münchberg passiert ist, stelle für die gesamte Branche das „Worst-Case-Scenario“ dar, sagt Dieter Rothemund. Der Inhaber von Merkel-Reisen in Neuenmarkt spricht von dem schlimmsten aller denkbaren Fälle. „Ein Alptraum, einfach entsetzlich.“ Seit 30 Jahren ist Rothemund mit seinen Reisebussen unterwegs und von Unfällen verschont geblieben.

Busse sind sicher

Trotz dieser tragischen Ereignisse und der einzelnen Schicksale bleibe der Bus weiter das sicherste Landverkehrsmittel, sagt Rothemund. „Ich glaube, dass die Leute Vertrauen haben.“ Dennoch sei es möglich und nötig, weitere Verbesserungen auf den Weg zu bringen. „Die Industrie ist gefordert und sollte ihre Lehren daraus ziehen“, sagt der Neuenmarkter Unternehmer. Beispielsweise könnten die Hersteller darauf achten, dass in Bussen nur noch schwer entflammbare Materialien verbaut werden. „Ein besserer Brandschutz wäre sinnvoll.“

Bei Gefahr stünden in einem Bus prinzipiell genügend Notausgänge zur Verfügung, erklärt Dieter Rothemund. „Das ist nicht das Problem.“ Doch eine schnelle Evakuierung sei gerade bei einer Seniorengruppe sehr schwierig.

„Wir hinterfragen immer die Sicherheit“, sagt Rothemund. „Ich gehe von Haus aus mit großem Respekt die Sache an.“ Vor Jahren habe er bereits Rauchmelder auf den Toiletten installiert. Sollte sich jemand dort unerlaubterweise zum Rauchen zurückziehen, meldet der Sensor sofort die Brandgefahr. Auch im Motorraum der Busse befinden sich Rauch- und Feuerwarnmelder.

Hohe Standards

Die Mitarbeiterin eines anderen Busunternehmens aus dem Landkreis schätzt die Sicherheitsstandards als hoch ein. Die Hersteller arbeiten ständig an Verbesserungen. „Es ist uns deshalb völlig unerklärlich, wie es zu dem Unfall kommen konnte“, sagt sie und wartet gespannt auf den Bericht der kriminaltechnischen Untersuchung.

Im Landkreis Bayreuth:

Nach dem Busunglück am Montag äußerten sich auch Busunternehmer aus dem Landkreis Bayreuth. Peter Heser, Chef des Warmensteinacher Unternehmens Heserbus rechnet allenfalls mit einem kurzfristigen Einbruch der Buchungen. Langfristig werde sich der Markt nicht verändern. Sein Betrieb investiere seit langem in Sicherheitstechnik. So seien alle Busse des Unternehmens mit Brandmeldeanlagen, automatischen Feuerlöschanlagen, schwer entflammbaren Sitzen sowie nicht abschaltbarer Notbremsanlage ausgerüstet. Heser betont: „Unser Unternehmen ist von TÜV und Dekra als sicherer Busbetrieb zertifiziert worden.“

Der Pegnitzer Busunternehmer Lothar Krieg äußerte: „Der Bus ist ein sicheres Verkehrsmittel, aber ein Restrisiko bleibt nun mal immer.“ Auch Krieg investiert in Sicherheitstechnik. So arbeite sein Betrieb ständig daran, die Fahrzeugflotte zu modernisieren und technisch auf dem neusten Stand zu halten. So werde pro Jahr ein Fahrzeug der Flotte durch ein neues ersetzt. Mit langfristigen Buchungsrückgängen rechnet auch er nicht.

Irmgard Hörl, Inhaberin des Auerbacher Unternehmens Lakota Reisen, sieht die Situation kritischer. „Man merkt dass die Leute Angst haben in einen Bus einzusteigen.“ So rechne sie mit einem Einknicken der Buchungen in dieser Saison. Irmgard Hörl erwartet, dass die Hersteller von Reisebussen in der Sicherheitstechnik nachziehen, um die Risiken zu minimieren.

Lage bei der Rettungsleitstelle:

Nach dem Busunglück auf der A 9 am Montag liefen in den Rettungsleitstellen die Drähte heiß. Und doch verlief alles nach Plan. Hiefür sorgen detailliert ausgearbeitete Notfallpläne. Die erste Unfallmeldung war am Montag kurz nach 7 Uhr bei der Integrierten Leitstelle Hochfranken eingegangen. Von dort wurden alle Rettungseinsätze koordiniert. Rund zwei Minuten später wurde die Integrierte Leitstelle (ILE) Bayreuth/Kulmbach informiert. Wie der Technische Verantwortliche Martin Fiedler gestern im Gespräch mit dem Kurier sagte, wurden von hier aus ein Rettungshubschrauber, zwei Rettungswägen und die Feuerwehr Gefrees zum Unfallort geschickt. „Ein bis zwei Minuten dauert die Aufnahme des Unfalls“, sagt Fiedler. Alles sei vorgeplant. Damit im Ernstfall alles rund läuft, werden derartige Szenarien von Zeit zu Zeit durchgespielt. Alle zwei Jahre werden deshalb auch sogenannte Stabsrahmenübungen abgehalten.

Nach dem Eingang der Unfallmeldung in der ILE Bayreuth/Kulmbach waren hier fünf Mitarbeiter eine gute Stunde lang mit dem Koordinieren des Einsatzes beschäftigt. Vor allem ging es um das Abfragen der Kapazitäten der Krankenhäuser in der Region. Leichtere Brandverletzungen könnten auch in Kliniken in Oberfranken behandelt werden, bei schweren Brandverletzungen müssten die Patienten in dafür spezialisierte Zentren etwa in Nürnberg oder Suhl geflogen werden, sagt Fiedler. ⋌

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