Bürger: Umzug des Gemeinderats ungerecht

„Es ist doch nicht gerecht“, sagt Adalbert Pfeufer. "Es ist doch nicht gerecht", dass die Gemeinderäte von nun an im sicheren Feuerwehrhaus tagen, während die Verwaltung im mit Holzschutzmitteln belasteten Rathaus bleiben muss. „Ich würde sofort handeln und mindestens eine Zwischendecke einziehen“, sagt Pfeufer bei der Bürgerversammlung. „Das ist kaum ein finanzieller Aufwand.“

Bürgermeister Gerd Hofmann kann diese Sichtweise verstehen. Doch er teilt sie nicht. Zunächst verteidigt er den Umzug des Gemeinderats ins Feuerwehrhaus, für den er sich vor allem wegen Verwaltungsleiter Christian Arneth stark gemacht habe. Diesen habe er gerne „wegen seines Fachwissens“ bei allen Sitzungen dabei. 

Sitzungssaal ist am höchsten belasteter Raum

Allerdings ist der Sitzungssaal der am höchsten mit den giftigen Stoffen Pentachlorphenol (PCP) und Lindan belastete Raum im Rathaus. „Müssen wir das einem jungen Geschäftsstellenleiter antun? Ist das dann ein im Stich lassen der Verwaltung?“, fragt Hofmann. Lindan und PCP gelten als krebserregend, die Grenzwerte im Sitzungssaal wurden für Lindan um das75-fache, für PCP um das 200-fache überschritten (der Kurier berichtete). Beide Stoffe wurden im Blut Hofmanns und Arneths nachgewiesen.

Dann ging Hofmann auf die Zwischendecke ein. Erstens wären die Werte auch mit einer Zwischendecke noch zu hoch, da die Überschreitung der Grenzwerte so massiv sei. Zweitens sei nicht nur das Deckengebälk belastet, sondern auch die Balken in den Wänden, gegen die eine Zwischendecke nichts helfe. Und drittens werde sich keine Firma finden, die für die Sicherheit dieser Zwischendecke garantieren werde. Er werde aber nochmal darüber nachdenken, versprach Hofmann.

Beim Feuerwehrhaus wäre Barrierefreiheit möglich

In der vergangenen Sitzung hatte der Gemeinderat beschlossen, ein neues Rathaus zu bauen, da eine Sanierung zu teuer wäre. Unklar ist noch, wo das neue Rathaus stehen soll. Möglich wäre ein Neubau gegenüber dem Feuerwehrhaus, „das Grundstück haben wir reserviert“, sagt Hofmann. Es hätte den Vorteil, dass es so groß ist, dass barrierefreies Bauen möglich ist.

Falls das Amt für Denkmalschutz zustimmt, wäre es auch möglich, das jetzige Rathaus abzureißen und dort neu zu bauen. Dann allerdings müssten die Mitarbeiter zwischenzeitlich in Container umziehen, die laut Bürgermeister knapp 120.000 Euro im Jahr kosten. Das Gesundheitsamt hat der Gemeinde drei Jahre Zeit gegeben, danach müssen die Verwaltungsmitarbeiter auf jeden Fall einen anderen Arbeitsplatz haben.

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Das passierte in der Bürgerversammlung noch

Dorfladen: Der neue Dorfladen hat einen Namen: „Ahorntaler Einkaufsmarkt – Unser Laden im Tal“ soll er einmal heißen, Logo wird ein grünes Ahornblatt. Noch gebe es dieses Logo aber nicht, da im Vergleich zum eingereichten Vorschlag noch kleinere Veränderungen notwendig seien, sagte Dorfladen-Geschäftsführer Wolfgang Göbner bei der Bürgerversammlung. An dem Namens-Wettbewerb hatten sich rund zehn Ahorntaler beteiligt.

Bürgermeister Gerd Hofmann hatte noch eine weitere gute Nachricht zu verkünden: Das Amt für ländliche Entwicklung hat den Umbau des Dorfladens genehmigt und dafür rund 140.000 Euro Fördermittel freigegeben.  

Sorgenkind sei weiter die Leader-Förderung der EU, die bei rund 60.000 Euro liegt. Weil immer neue Unterlagen angefordert würden, verzögere sich der Förderbescheid. „Und wenn wir keinen schriftlichen Bescheid haben, dürfen wir nicht ausschreiben und Verträge abschließen“, sagt Göbner.

Insgesamt soll der Dorfladen rund 270.000 Euro kosten. Über eine Deckelung der Gesamtkosten will der Gemeinderat in der kommenden Sitzung entscheiden.

Radweg nach Oberailsfeld: Seit Jahren soll er kommen, der Radweg nach Oberailsfeld. Doch seit Jahren weiß keiner so genau, wie er verlaufen soll. Nach einem Treffen mit den Trägern öffentlicher Belange ist die Gemeinde einen Schritt weiter: Der Wegeverlauf steht fest. Der Fahrradweg soll von Kirchahorn gesehen an der linken Straßenseite entlang über den Parkplatz der Sophienhöhle und an der Neumühle vorbei führen. Die dortige Brücke über den Ailsbach muss sowieso saniert werden, sie wird einfach verbreitert.

Der nachfolgende Felsen wird etwas verschlankt, damit der Weg daran vorbeiführen kann. Der Plan, vor dem Felsen in die Bachaue abzubiegen, wurde verworfen. Auf dem dann folgenden geraden Stück wechselt der Weg die Straßenseite und verläuft ab jetzt rechts der Straße. Die Brücke vor Oberailsfeld kann für den Radweg nicht verbreitert werden, da sie noch zu neu ist. Hier wird eine Alubrücke gebaut.

Doch ein Problem bleibt: Der Weg durchschneidet ein Natura-2000-Gebiet, also ein Naturschutzgebiet. Genauer: einen Auwald. Sagt zumindest die EU. Bürgermeister Gerd Hofmann findet das nicht. „Vier Erlen an der Staatsstraße soll ein Auwald sein, da lache ich ja.“ Ein Auwald ist unter anderem dadurch definiert, dass er regelmäßig überflutet wird. „Aber wir sind 15 Meter von der Linie entfernt, die ein Jahrhunderthochwasser markiert“, sagt Hofmann. Trotzdem werde die EU den Trassenverlauf an dieser Stelle wohl überprüfen, was den Bau weiter verzögern werde. Das Ringen um den Radweg nach Oberailsfeld geht also weiter.

Bürgerhaus Körzendorf: Das neue Bürgerhaus wird nicht mehr über die einfache Dorferneuerung, sondern über das EU-Programm Eler gefördert. Vorteil: Die Fördersumme ist nicht auf 150 000 Euro begrenzt, sondern es werden zwischen 65 und 70 Prozent der Gesamtkosten übernommen. Nachteil: Das Antragsverfahren ist komplizierter. „Aber es schaut gut aus“, sagt Bürgermeister Gerd Hofmann.

Baugebiet Freiahorn: Die Erschließung hat begonnen. Es gibt zwölf Parzellen, die zwischen 850 und 1200 Quadratmeter groß sind. Interessenten können sich bei der Gemeindeverwaltung melden.

Spielplätze: Der Spielplatzbau in Kirchahorn geht in die finale Phase, ein Eröffnungstermin steht aber noch nicht fest. Die Arbeiten am Spielplatz Körzendorf haben begonnen. Der Antrag auf Zuschüsse für die Spielgeräte läuft.

Radweg nach Freiahorn: Adalbert Pfeifer wollte wissen, wann die Risse im Radweg nach Freiahorn repariert werden. Die ausführende Firma habe darum gebeten, zu warten bis sie mit den nötigen Maschinen in der Gegend sei, antwortete Hofmann. Die Gemeinde sei der Meinung, dass es sich bei den Schäden um Setzungen handle, also die ausführende Firma für die Reparaturen aufkommen müsse. Diese wiederum ist der Meinung, schwere Traktoren hätten die Schäden verursacht. Das Staatliche Bauamt habe sich der Sache angenommen und versprochen, dass der Gemeinde keine Kosten entstehen.

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