Bunt statt Braun: Frust nach Abschiebung

Nach dem Entsetzen über die Abschiebung folgte die Enttäuschung über das Auswärtige Amt: Das Ministerium hatte vor Weihnachten angekündigt, den Fall des abgeschobenen Flüchtlings zu prüfen. Den Anlass gaben die Proteste während des Besuchs von Außenminister Sigmar Gabriel. Diese Prüfung brachte jedoch keine Wende im Fall Salimi.

Der 26 Jahre alte Flüchtling hatte sechs Jahre in Deutschland gelebt. Er war in das Kriegsland Afghanistan abgeschoben worden, weil die Ausländerbehörde zu der Ansicht gelangte, er verweigere seine Identität. Tatsächlich hatte der Flüchtling einen Identitätsnachweis, die so genannte Taskira, allerdings beschafft. Doch auf das Dokument hatte die Behörde zu lange warten müssen.

Frage nach politischer Verantwortung

"Eine Fehlentscheidung", sagt Anna Westermann. Sie spricht von einer konstruierten Identitätsverweigerung zu Lasten des Flüchtlings. Dieses Vorgehen der Ausländerbehörde dürfe sich nicht fortsetzen. "Wer übernimmt die politische Verantwortung, wenn Salimi in Kabul etwas geschieht?", fragt die Vorsitzende von Bunt statt Braun.

Die Ehrenamtlichen unterstützen den abgeschobenen Salimi auch in Kabul. Inzwischen gibt es bei Bunt statt Braun auch Ideen, wie ihm dauerhaft geholfen werden kann.

Fatale Wirkung

Die Abschiebung habe inzwischen fatale Folgen für die Beratungspraxis in Bayreuth: "Wie sollen wir jemanden überzeugen, seine Unterlagen vorzulegen, wenn derjenige vermuten muss, dass ihm ohnehin die Abschiebung droht?", so Westermann

Der Verein Bunt statt Braun hat inzwischen 300 Mitglieder. Sie betreuen 170 Kinder und geben ihnen kostenlos Nachhilfe. Zudem pflegen die Mitglieder 75 Sprachpatenschaften, geben täglich Deutschunterricht und organisieren Veranstaltungen und Projekte.

Ziel sei es nun, auf Bezirksebene einen Dachverband für die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit zu gründen, so die Vorsitzende. Vorgenommen habe sich der Verein auch, seine Mitglieder in Fragen des Asylrechts weiter zubilden.

Nach der Abschiebung des Asylbewerbers nach Afghanistan äußerte sich auch der Bayreuther Caritas-Kreisverband kritisch.

Anruf in Kabul

Barylai Salimi war auch gestern telefonisch in Kabul erreichbar und für den Kurier zu sprechen. Er wohnt immer noch bei einem Freund, wie er sagte. Von den jüngsten Bombenanschlägen mit vielen Opfern habe er gehört. "Das ganze Volk hat Angst", so Salimi am Telefon. Seine Unterkunft wolle er nicht verlassen, weil es auf der Straße zu gefährlich sei. Die Mehrheit der Männer dort sei mit Maschinenpistolen bewaffnet. In der Öffentlichkeit müsste er um sein Leben fürchten, sobald ihn die Islamisten erkannt haben. Dazu sagte Salimi, sein Vater habe als Kommandant einer Miliz gegen die Islamisten gekämpft. Die würden dafür heute an ihm Rache nehmen wollen. Die Polizei sei gegen Terroristen und Kriminelle machtlos. Selbst tagsüber komme es zu Überfällen, werde schutzlosen Passanten das Geld abgenommen. Salimi ist seit fünf Tagen krank, wie er sagte. Wegen der niedrigen Temperaturen in Kabul habe er sich eine Erkältung zugezogen. Seine Pläne: "Schnell weg aus Afghanistan". Sein Ziel: Deutschland. "Ich habe die Kultur kennengelernt und die Menschen gemocht."

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