Bundestagsvize Claudia Roth in Bayreuth

Vom ersten Moment an ist es Roth, die spricht. Darüber, was für ein tolles Gefühl es sei, in einem Tesla zu reisen. Dass es sie an ihren ersten Wagen, einen Käfer, erinnere, weil auch in eine Elektroauto dort, wo andere einen Motor haben, Koffer und Taschen passen. Das Auto zu laden habe sich aber noch nirgendwo so schwierig gestaltet wie an diesem Tag in Bayreuth. Die Ladestation akzeptiert die Geldkarte der Bundestagsvizepräsidentin nicht, drei Mitarbeiter hängen gleichzeitig am Handy und in verschiedenen Warteschleifen, bis einer herausfindet: Ohne Registrierung lässt sich nur mit britischen Pfund bezahlen. Das Aufladen dauere außerdem zehnmal so lange, wie an Tesla-eigenen Stationen. „Hätte sich der Dobrindt mal um die wichtigen Sachen gekümmert“, sagt Roth dann. Peng! Wahlkampf!

Soviel Zeit muss sein

Einen knallbunten Schirm unter dem Arm geht es dann auf den Marktplatz. Noch bunter, als die vierfarbigen Strähnen in ihren Haaren, so bunt wie ihr Mantel. Es grenzt fast an ein Wunder, dass irgendwie doch alles zusammen passt. Gestern noch in Augsburg, jetzt Bayreuth, später Forchheim: Gestresst wirkt die frühere Bundesvorsitzende der Grünen aber nicht. Im Gegenteil: „Erzähl mal von deinem Urlaub“, sagt sie und nimmt die Bayreuther Landtagsabgeordnete Ulrike Gote in den Arm. Soviel Zeit muss sein.

Hofreiter: Eine ästhetische Erfahrung

Ihr letzter Besuch in Bayreuth ist gerade sechs Wochen her. Roth war zur Festspielpremiere da. An der Seite der 62-Jährigen damals: Anton Hofreiter, der Vorsitzende der Grünen Bundestagsfraktion. Der „Toni“ im Smoking, das sei selbst für sie eine neue ästhetische Erfahrung gewesen.

„Ist schon schön bei euch“, sagt Roth wenig später, als sie auf dem Stadtparkett steht. Das „Todesrinnla“ hat es ihr angetan und die Tatsache, dass in Bayreuth fast jeden Tag irgendwo Markt sei. In Franken könne man sehen, wie Multi-Kulti funktioniere. In Bayreuth stehe der Maibaum das ganze Jahr und statt blau-weiß ist er rot-weiß. „Von wegen Leitkultur“, sagt Roth und dann sprudeln die Fragen nur so aus der Schwäbin heraus. Ob es noch Bäcker, Metzger und Schneider in der Innenstadt gebe, will sie wissen. Ob man Flüchtlinge hier eher als Bereicherung oder Belastung empfinde. Was die Händler auf dem Viktualienmarkt noch selbst machten und wo der Fischverkäufer seinen Hering her beziehe.

"Claudia, komm mal her!"

„Claudia, komm mal her“, ruft dann ein Mann auf einer Bank – und „Claudia“ kommt, setzt sich daneben. Anton Kuhn heißt der Mann, kommt jedes Jahr für zwei Wochen aus der Schweiz nach Bayreuth um sich um das Grab der Eltern zu kümmern. Roth lässt sich in den Arm nehmen, lässt sich auf die Wange küssen. „Machen's doch nicht so ein trauriges Gesicht“, sagt Kuhn, da kommt schon ein anderer und sagt: Da muss ich extra nach Bayreuth fahren, damit ich mit der Frau Roth mal zusammen auf ein Bild komm.“

Die Hemmschwelle ist niedrig

Und so geht das weiter. Roth kommt im Grunde kaum voran und die Pegnitzer Bundestagskandidatin Susanne Bauer, der Roth ja mit ihrem Besuch zur Hilfe eilt, steht immer in der zweiten Reihe. Die Runde um die wenigen Stände des Bayreuther Viktualienmarktes dauert eineinhalb Stunden. „Das passiert mir sonst mit keinem anderen“, sagt Tim Pargent, Stadtrat und Kreisvorsitzender der Grünen. „Auch mit keinem anderen Spitzenpolitiker.“ Die Bayreuther wollen Autogramme, ein Foto oder einfach mal Hallo sagen. Die Hemmschwelle ist niedrig, Bundestagsvizepräsidentin hin oder her. Roth wird angefasst, gedrückt, geherzt. Andere, vor allem jüngere, verdrehen sich die Hälse und kichern: „Schau mal, die Frau Roth.“

"Ooooma!"

Die streckt plötzlich ein Küchla zum Himmel, ruft „Ooooma!“. Seit Jahrzehnten habe sie dieses Gebäck nicht mehr gegessen, das die Oma früher auf dem Knie gemacht habe. Frauen bleiben stehen, erklären den Unterschied zwischen katholischen und evangelischen Küchla, die Diskussion ist in vollem Gange. „Es gibt nichts Besseres als ein Brot mit Honig“, sagt Roth später und irgendwann wird über den Sinn und Unsinn von Plastiktüten gesprochen und darüber, dass „regional“ nicht immer gut sei, „bio“ aber schon. „Die soll sich mal um was Anderes Gedanken machen“, sagt da einer hinter ihrem Rücken. Über die Überdüngung durch Maisanbau zum Beispiel. „Wir werden irgendwann verdursten, aber Hauptsache wir haben Biostrom.“

Zwei Kinder aus Aleppo

An Ende stellen sich zwei Kinder vor. Jamal und Scham, sieben und zehn Jahre alt. Die beiden kommen aus Aleppo, sind mit ihren Eltern und Geschwistern aus Syrien geflohen. Sie haben Angst, bald auf der Straße schlafen zu müssen, die Wohnung sei brüchig und die Eltern fänden keine neue. "Das wird nicht passieren", verspricht Roth und fragt die Kinder, ob sie eines Tages zurück nach Aleppo wollen, in die einst schöne und stolze Stadt, die auch Roth schon bereist habe. „Da ist doch Krieg“, sagt das Mädchen dann und Roth antwortet: „Ich glaube, das müsst ihr auch nicht. Jeder weiß doch, wie es dort aussieht.“

3 (2 Stimmen)

Anzeige

Kommentare

Wasser predigen und Wein trinken, was Umweltschutz und Nachhaltigkeit angeht - schaut Euch die Klamotten an!!!
Es muß ein starkes Land sein, dieses Deutschland, denn es hält auch eine Claudia Roth aus.
Die meisten politischen Überzeugungen der Grünen kann man getrost in die Tonne werfen. Aber Frau Roth hat schon irgend etwas. Ihr schräges und oft schrillen Auftreten, ihre direkte Art, machen sie doch irgendwie sympathisch. Sie ist halt net so Bockelsteif, wie andere Berufspolitiker. Das mag ich an ihr. Dennoch reicht dies nicht, um ihr bzw den Grünen meine Stimme zu geben.
Bei der Gelegenheit hätte man die Tante Bundestagsvize doch auch mal auf folgendes Thema ansprechen können:

"Der neue Bundestag ist noch nicht gewählt, aber die Mitglieder des Haushaltsausschuss denken bereits darüber nach, welcher Partei sie den Vorsitz verweigern würden. Nach Informationen der „Bild“-Zeitung haben sich führende Mitglieder des Ausschusses darauf geeinigt, einen Vorsitz der AfD nicht zu akzeptieren. [...] Auch um die Sitzplätze im Parlament soll gerungen werden. Laut des Medienberichts möchte keine Partei neben den Rechtspopulisten sitzen." (Quelle: welt.de)

Im Kommentarbereich des entsprechenden Artikel merkt User "Klara Fall" dazu an:

"Wille und Interessen der Wähler der drittstärksten Fraktion sollte also ausgebremst, statt Sachfragen zum Wohle Deutschlands kindische Spielereien auf der Tagesordnung stehen. Nach meinem Demokratieverständnis sind damit die anderen im BT vertretenen Parteien schlichtweg unwählbar - und zwar unabhängig davon, ob man die AfD nun mag oder nicht!"
Danke für den Hinweis.
Die Kommentare sind wirklich interessant.

Ein Rüdiger A. schreibt vor 4 Minuten:

„Die sich über Erdogan aufregen... gerade die Grünen.. machen hier *Politik* die sich nicht von der Türkei unterscheidet!!!! „

Auch wenn man beleidigende Schimpfworte abkürzt, so weiß doch jeder, was gemeint ist. Einen entsprechenden Kommentar habe ich gelöscht. Damit sind leider auch alle Antworten auf diesen Kommentar weg.
..die Roth ist UNTRAGBAR! Hauptsache sie ist irgendwie in den Medien.
Wissen ist nachrangig!
Herr Kircher - wo sind denn die älteren Kommentare zu diesem Thema abgeblieben?
Ich habe nur diesen einen gelöscht. Möglicherweise haben Kollegen in der Onlineredaktion weitere Kommentare gelöscht. Falls ja, dann bin ich mir sicher, dass diese Kommentare ebenfalls gegen die Verhaltensregeln verstoßen haben, die für unsere Homepage gelten.
Werter Herr Kircher;
erklären Sie (oder Ihre Onlineredaktion) mir bitte was daran gegen "Ihre Verhaltensregeln" verstoßen haben sollte wenn ich geschrieben habe:
"Zu einer Bundestagsvizepräsidentin die bei einer Demonstration mitmarschierte, bei der "Deutschland, Du mieses Stück Scheiße" und "Deutschland verrecke" skandiert wurde erübrigt sich jedes weitere Wort/jeder weiterer Kommentar"!
Naja, da soll halt das Mäntelchen drüber gedeckt werden...
Wenn ich mich recht erinnere, war Ihr Kommentar die Antwort auf einen gelöschten Kommentar. Wenn man den Oberkommentar löscht, sind leider alle Antworten darauf automatisch auch weg. Das habe ich ja erklärt.
Aha! Wenn also eine Meinung dem NK nicht passt werden automatisch auch alle anderen Meinungen zu diesem Thema dementsprechend "mitentsorgt"? Ups - darf man denn überhaupt "entsorgt" heutzutage noch verwenden?
Mann oh mann, was ist nur aus dem NK geworden - ohne Worte...
Ihre Aussagen sind ja wieder da. Und die Erklärung, warum bei einem zu löschenden Hauptkommentar die Unterkommentare leider aus technischen Gründen mit verschwinden, ist doch leicht nachvollziehbar. Hier wurde übrigens keine Meinung gelöscht, sondern eine justiziable Beleidigung.
Wollen oder können Sie nicht??

Zitat:
"Ihre Aussagen sind ja wieder da."
Richtig, weil ICH diese soeben nochmals gepostet habe - nicht der NK!!

"Und die Erklärung, warum bei einem zu löschenden Hauptkommentar die Unterkommentare leider aus technischen Gründen mit verschwinden, ist doch leicht nachvollziehbar. "
NEIN, das ist eben nicht nachvollziehbar weil der NK damit alle und alles über einen Kamm schert!

"Hier wurde übrigens keine Meinung gelöscht..."
DOCH, wurde sie!

"...sondern eine justiziable Beleidigung."
Dann "bestrafen" sie den Verfasser des entsprechenden Postings mit der Löschung desselben aber bitte nicht andere Kommentatoren zu diesem Thema!
Ich merke... wir wollen und können in diesem Leben in dieser Frage nicht mehr auf einen Nenner kommen. Muss ja auch nicht sein.
Und ich merke...dem NK sind seine Leser/Abonnenten egal - er macht ja sowieso was er will!
Wäre es denn eine Option, in solchen Fällen den ursprünglichen Beitrag nicht vollständig zu löschen, sondern den Text zu editieren bzw. ggf. ganz zu entfernen, aber mit einem entsprechenden Hinweis an seiner Stelle, warum genau der ursprüngliche Text entfernt werden musste (Hinweis auf die Netiquette)?
Ich würde gerne so vieles. Und im Prinzip ist das kein schlechter Vorschlag. Aber wir haben - und das ist jetzt nicht böse gemeint- auch noch andere Sachen zu tun.
Immerhin hat Fr. Roth das wahre Gesicht der Grünen offenbart! Dafür muss man ihr dankbar sein - das bedeutet mehr Stimmen für andere Parteien.
Nachdem die grüne Roth und die tiefrote Simone Bayreuth ihre Aufwartung machten,
soll angeblich eine der drei AfD-Frauen, Martina Böswald (ehemals SPD), Alice Weidel oder Wiebke Musahl
Bayreuth oder Bayreuther Umland besuchen.

Wer weiß Näheres
(eventuell wieder im Bräuwerk Neudrossenfeld) ?

Aber diesmal dann mit Gästebewirtung,
denn die Aktiengesellschaft braucht Geld...