Bundestag: Vier aus Bayreuth

Das war kein einfacher Einstand für Silke Launert. Der landesweite Absturz der CSU hat auch bei der künftigen Bayreuther Bundestagsabgeordneten Blessuren hinterlassen. Rund zehn Punkte weniger als Hartmut Koschyk vor vier Jahren – ein kräftiger Dämpfer, selbst wenn man berücksichtigt, dass sich die Wähler an ein neues Gesicht erst gewöhnen müssen und die Messlatte durch Stimmenkönig Koschyk sehr hoch lag.

Ein bisschen wiederholt sich die Geschichte gerade: Wie vor 23 Jahren Koschyk als „Import“ den Wahlkreis Bayreuth übernommen hatte, hat das auch Silke Launert geschafft. Mit 40 Jahren ist sie nur wenig älter als Koschyk bei seinem Debüt. Das und ihr frisches Auftreten im Wahlkampf berechtigen zu der Hoffnung, dass sie in Berlin die Aufstiegsleiter erklimmen könnte.

Auch Anette Kramme hat sich dem Desaster der SPD nicht entziehen können. Vier Prozentpunkte weniger als bei der Wahl 2013 sind eine schmerzhafte Niederlage. Dass sie etwas mehr Erststimmen einsammeln konnte als die SPD Zweitstimmen, ist auch kein Trost. Wenn die SPD ihre Ankündigung wahr macht und der künftigen Bundesregierung nicht mehr angehört, war es das mit dem Staatssekretärsamt für die Nahles-Freundin Kramme.

Aus Bayreuther Sicht erfreulich, dass auch Thomas Hacker in den Bundestag einzieht. Der frühere FDP-Landtagsfraktionschef wird über die Parteigrenzen hinweg geschätzt. So wie vor vier Jahren die FDP-Krise ihn das Münchner Mandat gekostet hatte, profitiert er nun vom Comeback der Liberalen. Viele haben so etwas schon damals kommen sehen. Man mag darin ausgleichende Gerechtigkeit sehen.

Ob der Einzug von Tobias Peterka als viertem Bayreuther Abgeordneten in den Bundestag eine gute Nachricht ist? Gut 90 Prozent der Wähler, die im Wahlkreis nicht AfD gewählt haben, dürften das nicht so sehen. Aber wenn eine Gesellschaft so gespalten ist, muss sich das im Parlament widerspiegeln. Insofern entspricht der Einzug der AfD der demokratischen Logik – hoffentlich geht der Spuk bald vorbei. Was speziell die Region von Peterka erwarten kann? Auf die Kurier-Frage, was er in Berlin für Bayreuth erreichen wolle, hatte er nicht eine einzige Idee.

2.3 (3 Stimmen)

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Kommentare

Herr Peterka muss ja auch keine Ideen haben. Es reicht doch, wenn er - wie seine Partei allgemein - gegen alles ist. Wer von Anfang an sagt, dass er keine Verantwortung übernehmen will, kann so ziemlich alles vorschlagen, was gut klingt, weil er nie in die Verlegenheit kommen wird, es umsetzen zu müssen. Ein Mwst.-Satz von 12 Prozent, wie von der AfD vorgeschlagen, verstößt z.B. gegen EU-Recht - klingt aber gut. Ihm wird auch in Zukunft nichts vernünftiges einfallen... Er wird nur dagegen sein!
Aber vielleicht gefällt ja den knapp 93 % die die Grünen, oder den knapp 93 % die die FDP und den fast 96 %, die die Linke nicht gewählt haben, dass die AfD im Bundestag sitzt ;-)
Das sind ja 282%. Also gefällt der überüberwiegenden Mehrheit, dass die AfD im Bundestag sitzt? Oder anders: Von 5 Leuten gefällt 14 der Einzug der AfD?
Ist denn "Die "Linke wählbar?! Kommen die nicht auch aus dieser Ecke?
Herzliche Gratulation an alle vier und viel Erfolg für die nächsten vier Jahre! :)
Montag, 13. November 2017 - 11:06