Bundesliga-Bilanz: Bamberg dominiert

Nur zweimal, bei Aufsteiger Gießen 46ers und in Frankfurt, mussten sich die Bamberger im bisherigen Saisonverlauf geschlagen geben. In den direkten Vergleichen gegen die Hauptrivalen gab es indes jeweils deutliche Siege zu Hause gegen Bayern München (100:87) und bei Alba Berlin (87:74). Das Konzept des Meisters mit einem gegenüber der Vorsaison nur punktuell veränderten und vor allem noch tieferen Kader scheint aufzugehen. Die in Bamberg verbliebenen Kontingentspieler wie der umworbene US-Spielmacher Brad Wanamaker, der mit dem Letten Janis Strelnieks weiterhin das wohl stärkste Aufbau-Duo der Liga bildet, oder der NBA-erfahrene Darius Miller, haben ihre starken Leistungen aus der Spielzeit 2014/15 längst bestätigt.

Gut eingeschlagen haben zudem der griechische Internationale Nikolaos Zisis und der italienische Nationalspieler Nicolo Melli. Das Experiment mit College-Absolvent Gabriel Olaseni auf der Centerposition als Nachfolger des bärenstarken Trevor Mbakwe (jetzt Maccabi Tel Aviv) hat man in der Domstadt vorerst zurückgestellt und den unbestritten hochtalentierten, allerdings noch etwas „grünen“ Engländer bis zum Saisonende an Ligakonkurrent Gießen 46ers ausgeliehen.

Patrick Heckmann als die Saisonentdeckung

Dafür engagierte man den ligaerfahrenen Kroaten Leon Radosevic, der in der Vorsaison noch für die Berliner unter den Brettern aufgeräumt hatte. Auf den deutschen Positionen ragt Nationalspieler Daniel Theis heraus, gefolgt von der 23-jährigen Bamberger Saisonentdeckung Patrick Heckmann, Neuzugang vom renommierten Boston College. Die Nationalspieler Yassin Idbihi und Luca Staiger geben der Bamberger Bank hohe Qualität, werden von Headcoach Andrea Trinchieri jedoch nur sporadisch eingesetzt. Auch in der Euroleague steuern die Oberfranken auf Erfolgskurs und spielen die Runde der Top 16.

Vizemeister FC Bayern München wurde immer wieder von Verletzungspech zurückgeworfen und hat sein erstes Saisonziel verfehlt – den Einzug in die Runde der 16 besten europäischen Teams in der Euroleague. Münchens Starverpflichtung Kelvin Creswell Rivers hatte daraufhin ganz offensichtlich keine Lust auf Eurocup und Bundesliga und verkündete seine Rückkehr zu Euroleague-Gewinner Real Madrid. Der 28-jährige Flügelspieler war erst zu Saisonbeginn von den Madrilenen nach München gewechselt. In der Bundesliga kam er als Topscorer auf 15 Zähler.

„Es war naheliegend, nach dem Abschied von K. C. Rivers auf der Guard-Position noch einmal zu reagieren“, erklärte Bayerns Geschäftsführer Marko Pesic die Verpflichtung von US-Spielmacher Justin Cobbs. Der 24-jährige Ex-Frankfurter spielte zuletzt bei Istanbul BSB. Das serbische Aufbautalent Vasilije Micic wurde indes von den Bayern bis zum Saisonende an Roter Stern Belgrad ausgeliehen, Nationalspieler Andreas Seiferth an Medi Bayreuth abgegeben.

Ludwigsburg als Angstgegner von Alba Berlin

Den besten Saisonstart hatte der achtfache deutsche Meister Alba Berlin erwischt. Die Hauptstädter blieben die ersten acht Spiele ungeschlagen und behaupteten lange die alleinige Tabellenführung; sie mussten sich dann aber Oldenburg, Bremerhaven, Bamberg und „Angstgegner“ Ludwigsburg, gegen den die Obradovic-Schützlinge auch im Eurocup zweimal den Kürzeren zogen, geschlagen geben.

Wenig überraschend sitzen Oldenburg, Frankfurt und Ludwigsburg dem Favoriten-Trio im Genick. Die gewohnt ambitionierten Baskets Bonn mussten hingegen nach gutem Saisonstart eine längere Durststrecke durchwandern und befinden sich nun näher am Tabellenkeller als an den Playoff-Plätzen. „Unser augenblicklicher Zustand hat zwei Ursachen: eine selbst verschuldete und eine unverschuldete“, zog Bonns Präsident Wolfgang Wiedlich unlängst Zwischenbilanz. „Eine in Teilen falsche Team-Komposition im Sommer markiert die Baskets-Schuld, dazu gesellt sich aber ein Verletzungspech, das wir in diesem Ausmaß in den letzten 19 Erstliga-Jahren noch nicht hatten.“

Zwei Neuzugänge, der US-Amerikaner Xavier Silas und der polnische Nationalspieler Michal Chylinski, konnten die Erwartungen nicht erfüllen und wurden mittlerweile ausgetauscht gegen Routinier Jimmy McKinney (zuvor Tübingen, Frankfurt) und US-Guard Langston Hall (Palacanestro Cantu/Italien). Zudem verpflichteten die Bonner erst unlängst als Ersatz für den am Knie verletzten Litauer Tadas Klimavicius den 2,06 Meter großen US-Centerspieler Yancy Gates, der zuletzt in China bei Shanxi Zhongyu unter Vertrag gestanden hatte. Weitere Verpflichtungen scheinen angesichts der Verletzungsprobleme von Isaiah Philmore (zuvor Ulm/erst sechs Saisoneinsätze) und Defensivspezialist Andrej Mangold nicht ausgeschlossen.

Würzburg und Gießen als starke Neulinge

Für Furore konnten bislang die beiden Aufsteiger sorgen, vor allem die Baskets Würzburg, die in der Hinrunde elf Siege feierten und als Tabellensiebter jetzt sogar an der Qualifikationsrunde um den BBL-Pokal teilnehmen dürfen. Gegner der Unterfranken im Kampf um den Einzug in die lukrative Pokalendrunde ist Alba Berlin. Auch die Gießen 46ers, Meister der Pro A, konnten bislang die Erwartungen übertreffen. Das Team von Headcoach Dennis Wucherer hat ebenfalls schon beachtliche sieben Erfolgserlebnisse auf dem Konto.

Zwei Liga-Rückkehrer und ein Neuling führen die Korbschützenliste der Liga an. Keaton Grant, der vor zwei Jahren für Ludwigsburg spielte, verstärkt nach einem zwischenzeitlichen Italien-Engagement bei Dolomiti Energia Trento die Löwen Braunschweig, erzielt als Ligatopscorer durchschnittlich 17,6 Punkte pro Spiel und ist mit 2,1 Steals pro Spiel auch noch der beste „Balldieb“ der Liga. In punkto Korbausbeute sind ihm Bremerhavens Kyle Fogg (16,1) und der Oldenburger Vaughn Duggins (15,7) dicht auf den Fersen. Bester Bayreuther Korbschütze war in der Hinrunde John Flowers mit 14,8 Punkten auf Platz zehn.

Brockmann als bester Ballfänger

Unangefochtener Rebound-König der BBL ist auch in dieser Saison der NBA-erfahrene Ludwigsburger Jon Brockmann mit 9,9 Rebounds pro Spiel, gefolgt vom Gießener Gabriel Olaseni (8,1) und dem Hagener Ivan Elliott (7,3). Travis Leslie war bis zu seinem verletzungsbedingten Ausscheiden nach dem vierten Spieltag bester Bayreuther Rebounder (6,0), Kenneth Horton von Medi liegt aktuell bei 5,6.

Zwei prominente Rückkehrer haben den Bayreuther Jake Odum und den Bonner Eugene Lawrence (je 6,7) bei den besten Vorbereitern auf Platz drei verwiesen: Der ehemals für Bonn und Bamberg spielende Jared Jordan kehrte aus San Sebastian in die Liga zurück und dirigiert jetzt den Spielaufbau der Tigers Tübingen. In zehn Partien verteilte Jordan 9,7 Assists. Auf 7 Assists pro Spiel kommt der 36-jährige Khalid El-Amin, der nach einem Engagement bei Prishtina (Kosovo) erst seit Anfang Dezember wieder die Fäden im Spiel der BG Göttingen zieht.

Schon bei vier Clubs wechselten die Trainer

Drei Cheftrainer hatten in der gesamten Spielzeit 2014/15 vorzeitig den Dienst quittieren müssen, in der Hinrunde der laufenden Saison erwischte es bereits vier. Den Anfang machten die Eisbären Bremerhaven, bei denen der Israeli Muli Katzurin, der erst im vergangenen Frühjahr den Ex-Bayreuther Calvin Oldham abgelöst hatte, nach misslungenem Saisonstart den Stuhl vor die Tür gesetzt bekam. Als Interimscoach übernahm Assistent Chris Harris, der nach Ablauf der Hinrunde zum neuen Headcoach befördert wurde. „Harris hat sich den Job redlich verdient“, erklärte Eisbären-Geschäftsführer Jan Rathjen. „Er hat sich in den vergangenen Wochen trotz schwieriger Umstände voll in den Dienst der Eisbären gestellt und zuletzt zwei überlebenswichtige Siege gegen Göttingen und Bayreuth eingefahren. Wir glauben, dass Chris in unserer Situation der richtige Mann ist, denn er bringt nicht nur die nötige Qualifikation mit, sondern hat auch einen hervorragenden Draht zur Mannschaft. Die Spieler arbeiten gerne mit ihm.“

14 Niederlagen – zu viele für Mathias Fischer

Nach zwei erfolgreichen Spielzeiten, in denen er mit den Telekom Baskets Bonn jeweils die Playoffs erreicht hatte, musste Mathias Fischer nach wettbewerbsübergreifend 14 (!) Niederlagen in Serie kurz vor Weihnachten seinen Platz räumen. „Dieser Schritt erfolgt schweren Herzens, war aber unausweichlich, um einen neuen Impuls in der verfahrenen Situation zu setzen“, erklärte Clubpräsident Wolfgang Wiedlich. Als Nachfolger präsentierten die Rheinländer Carsten Pohl (50), den sportlichen Leiter des eigenen Nachwuchsprogramms.

Pohl startete mit einem Kantersieg in Tübingen in seine neue Aufgabe und sorgte damit indirekt für den nächsten Trainerwechsel: Tigers-Coach Igor Perovic stellte sein Amt unmittelbar nach dieser Niederlage nach rund siebenjähriger Tätigkeit zur Verfügung. „Ich fühle mich leer und benötige eine Auszeit. Die Mannschaft ist gut und wird auch wieder Spiele mit neuem Elan gewinnen. Die Zeit in Tübingen war wundervoll“, sagte der 41-jährige Serbe bei seinem Abgang. Als neuer Mann auf der Kommandobrücke der Tigers folgte Tyron McCoy, der in den beiden zurückliegenden Spielzeiten die Artland Dragons betreut hatte.

Keine schönen Weihnachten für Silvano Poropat

Auch Tabellenschlusslicht Mitteldeutscher BC musste sich nach einem neuen Cheftrainer umsehen, weil Silvano Poropat am 2. Weihnachtsfeiertag trotz eines noch bis 2020 laufenden Vertrages seinen Posten zur Verfügung gestellt hatte. Der Kroate, der 2013/14 zum „BBL-Trainer des Jahres“ gewählt worden war, begründete seine Entscheidung mit einer „empfundenen Leere“ und dem Bedarf an „neuen Impulsen“ für sein Team. Somit verpflichteten die Wölfe den Ex-Bayreuther Predrag Krunic (Anwil Wloclawek/Polen), der das Ruder in den ersten beiden Spielen unter seiner Regie aber noch nicht herumreißen konnte.

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