Bundesliga-Ausblick I: der Abstiegskampf

Science City Jena

Nach acht Jahren Zweitklassigkeit kehrt Science City Jena als Meister der ProA in die Bundesliga zurück. Diesmal soll es nicht nur ein einjähriges Gastspiel wie in der Saison 2007/08 werden – die Rahmenbedingungen haben sich seither deutlich verbessert. Der Etat konnte gegenüber der Vorsaison deutlich auf mittlerweile rund zwei Millionen Euro gesteigert werden, der Verein verfügt über einen soliden Unterbau im Jugendbereich, und nicht zuletzt bietet die neue Arena mit etwa 3000 Plätzen die geforderte Kapazität für den Erstligaspielbetrieb.

Zur Erinnerung: In der Saison 2007/08 mussten die Thüringer ihre Heimspiele mangels Alternativen noch in einem kurzerhand aufgestellten Zelt austragen. Wie schon 2007 heißt der Meistercoach Björn Harmsen. Dieser setzt vorwiegend auf alte Hasen. Aufbau-Neuzugang Filiberto Rivera (Artland Dragons), Defensivspezialist Immanuel McElroy (Köln, Berlin, Braunschweig), Centerkoloss Kenny Frease (Braunschweig, Artland Dragons, Tübingen), Wayne Bernard (Mitteldeutscher BC, Gießen, Ludwigsburg), Oliver Clay (MBC, Würzburg, Berlin), A2-Nationalspieler Stephan Haukohl (MBC), der Ex-Bamberger Daniel Schmidt, Center Oliver Mackeldanz (Vechta) und Eigengewächs Ermen Reyes-Napoles bringen es zusammen auf die Erfahrung von 1083 Bundesligaspielen.

Dazu kommt noch der fünffache BBL-Allstar Julius Jenkins (Oldenburg, Bamberg, Berlin), der nach einer Saison beim montenegrinischen Meister Buducnost Podgorica wieder nach Deutschland zurückgekehrt ist und weitere 351 Spiele Erstligaerfahrung beisteuert.

„Als Trainer ist es ein Privileg, mit einem solchen Spieler zusammenzuarbeiten. Er hat in Deutschland viel erreicht, hat vieles gewonnen und war immer einer der besten Offensivspieler der Liga. Die Mitspieler werden von Julius Jenkins profitieren, auch die Jugendspieler werden viel von ihm lernen können“, ist Harmsen überzeugt. Der Amerikaner Marcos Knight, der in der Aufstiegssaison eine starke Rolle spielte, Power Forward Julius Wolf und einige Nachwuchsspieler komplettieren die ambitionierte Jenaer Formation.

Tipp:Björn Harmsen hat ein überaus routiniertes Team zusammengestellt, das allerdings auch schon viel an Jahren auf dem Buckel hat. Jenkins, McElroy & Co. werden mit ihrer Erfahrung einen Weg zum Klassenerhalt finden.

BG Göttingen

„Das ist bisher gut gelaufen – wir haben viel bessere Leute als letzte Saison“, zog Göttingens Trainer Johann Roijakkers nach den ersten Trainingseindrücken ein positives Fazit, das auch als Seitenhieb auf die beiden US-Boys Armon Johnson und Ricky Minard verstanden werden konnte. Von dem Duo hatte man sich noch vor Beginn der vergangenen Saison wegen gravierender Probleme getrennt. Roijakkers Optimismus bekam jedoch schnell einen herben Dämpfer: Der als Leistungsträger eingeplante Ex-Bonner Andrè Mangold zog sich einen Kreuzbandriss zu – ein schwerer Schlag für die finanziell einmal mehr nicht auf Rosen gebetteten Niedersachsen.

Zwar soll sich der Etat in etwa auf Vorjahresniveau bewegen, zusätzliche Kosten, etwa für den von der Liga vorgeschriebenen dritten hauptamtlichen Nachwuchstrainer, haben das für die Kaderbildung verfügbare Budget jedoch merklich reduziert. Von der Vorjahresformation konnte lediglich das deutsche Trio Dominik Spohr, Mathis Mönninghoff und Malte Schwarz gehalten werden, während Publikumsliebling Robert Kulawick künftig für Drittligist SSV Lok Bernau spielen wird.

Prominentester Neuzugang auf den Kontingentstellen ist der letztjährige Tübinger Jesse Sanders. „Ich wollte unbedingt zurück in die BBL, denn ich bin hier noch nicht fertig. Ich will zeigen, dass ich ein BBL-Team als Spielmacher führen kann“, sagte der US-Amerikaner, der bei den Schwaben verletzungsbedingt nur phasenweise überzeugte. Ebenfalls für den Backcourt ist der niederländische Nationalspielmacher Leon Williams (Den Bosch/NEL) vorgesehen, aus Ludwigsburg kam der Deutsch-Amerikaner Adam Waleskowski, der in der Saison 2010/11 schon einmal für die Niedersachsen gespielt hatte. Direkt am Brett sollen künftig Darius Carter (AGO Rethymno Aegean/GRE) und Scott Eatherton (Agrigento/ITA) die Abgänge ihrer US-Landsleute Ian Hummer (Ziel unbekannt) und Harper Kamp (Bremerhaven) wettmachen. Gefahr von der Dreierlinie verspricht die Verpflichtung des ehemaligen Bonners Benas Veikalas.

Tipp:Die Niedersachsen haben in der Sommerpause fast ihre gesamte „Scoring-Power“ (Kamp, Hummer, El Amin) verloren. Es erscheint fraglich, ob die Neuzugänge hier in die Bresche springen können. Coach Johann Roijakkers macht sich nichts vor und erwartet sein Team bis zuletzt im Abstiegskampf.

Löwen Braunschweig

Die Basketball Löwen Braunschweig müssen den Gürtel künftig enger schnallen. Mit dem Ex-Bayreuther Nicolai Simon hielt lediglich ein bewährter Leistungsträger den Niedersachsen die Treue. Nachwuchstalent Sid-Marlon Theis soll künftig eine tragende Rolle übernehmen.

Finanzielle Schwergewichte wie Ligatopscorer Keaton Grant (Dijon/FRA), die beiden Spielmacher Derek Needham (Reggio Emilia/ITA) und Jermaine Anderson (Sevilla/ESP), Power Forward Tyrone Nash (Nahariya/ISR) oder Center Kenny Frease (Jena) verabschiedeten sich. „Der Klub bietet einen idealen Nährboden für die Talententwicklung, welche Basis für ein nachhaltiges, deutsches Konzept ist“, umreißt der neue Trainer Frank Menz seine Mission in der Löwenstadt.

Prominentester Neuzugang ist Centerspieler Jannik Freese, der bereits 2007/08 für die Niedersachsen in der BBL spielte und nun aus Bremerhaven zurückkehrte. Der erfahrene 2,11-Meter-Mann soll gemeinsam mit den jungen College-Absolventen Geoffrey Groselle (Creighton University) und Dyshawn Pierre (Dayton University) die Bretter dominieren. Zwei weitere US-Amerikaner sollen zentrale Positionen im Backcourt einnehmen. Point Guard Carlos Medlock, 1,83 Meter groß und aus Vechta gekommen, will sich jetzt ebenso wie Carlton Guyton (Gotha) im Oberhaus beweisen. Eine Führungsrolle hat Menz dem 24-jährigen österreichischen Nationalspieler Thomas Klepeisz zugedacht.

Tipp:Der Tabellenzehnte der Vorsaison steht vor einer immens schweren Saison. Dem Kader fehlen Führungspersönlichkeiten, Erfahrung und Qualität. Der Klassenerhalt käme einer Überraschung gleich.

Walter Tigers Tübingen

Seit mittlerweile 13 Jahren sind die Walter Tigers Tübingen fester Bestandteil, aber auch regelmäßig einer der Hauptdarsteller im Abstiegskampf der Bundesliga. Eine Runderneuerung in der zurückliegenden Sommerpause soll jetzt Abhilfe schaffen und den Schwaben das alljährliche Zittern ersparen. Bis auf Spielmacher Jared Jordan und seinen US-Landsmann Garlon Green wurden alle bisherigen Spieler aus der Rotation gestrichen.

Das erste Augenmerk von Trainer Tyron McCoy galt der Neubesetzung der deutschen Positionen, für die man mit Power Forward Isaiah Philmore (Bonn) und Flügelspieler Alvaro Munoz (Ludwigsburg) zwei erfahrene Spieler mit deutschem Pass an den Neckar lotsen konnte. Aufbau-Neuzugang Mauricio Marin überzeugte zuletzt mit einer guten ProA-Saison in Nürnberg, während College-Absolvent Yasin Kolo (Bellarmine) und die Eigengewächse Jeferson Hiller und Tim Deschner behutsam an Erstliganiveau herangeführt werden sollen.

Der auch in Bayreuth bestens bekannte Center-Neuzugang Gary McGhee kommt vom griechischen Erstligisten Kolossos Rhodos. Auch Shooting Guard Barry Stewart (Limburg United/BEL) kennt die Liga. Neuland betreten indes der athletische Forward Julian Washburn (Austin Spurs/D-League) und Anthony Myles (Alba Fehervar/HUN).

Tipp:Die Schwaben verfügen mit Jordan und Stewart über ein erfahrenes Aufbau-Duo und sollten mit der Verpflichtung von McGhee und Philmore an Physis deutlich hinzugewonnen haben. Das ist noch keine Garantie für den Klassenerhalt sein, aber eine gute Voraussetzung.

Rasta Vechta

In sein zweites Bundesliga-Abenteuer startet der SC Rasta Vechta. Die Südoldenburger kehren nach zweijähriger Abstinenz zurück auf das Erstliga-Parkett. Dieses Mal soll es nach Möglichkeit ein längeres Gastspiel werden als 2013/14 – damals musste Vechta postwendend wieder den Gang in die ProA antreten. „Wir haben aus dem einen Jahr gelernt und sind jetzt besser vorbereitet. Wir wollen uns in der Liga etablieren“, sagt Rastas Vorsitzender Stefan Niemeyer zuversichtlich.

Für den erneuten Anlauf zum Klassenerhalt in der BBL scheinen die Niedersachsen gerüstet. Mit BBL-Veteran Derrick Allen (ehemals Frankfurt, Berlin, Bremerhaven, Braunschweig) und dem ehemaligen A2-Nationalspieler Christian Standhardinger (Mitteldeutscher BC) gehen die beiden Gallionsfiguren der Vorjahresformation weiterhin für die „Rastaner“ auf Korbjagd, auch Kämpferherz Travis Warech konnte sich ein Ticket für die Mission Klassenerhalt sichern. Erstligaerfahrenes Personal kam mit dem letztjährigen Oldenburger US-Spielmacher Scott Machado, Dreierspezialist Moses Ehambe (unter anderem Bremerhaven), US-Center Devin Searcy (Würzburg, Bremerhaven) sowie den Nachwuchstalenten Niklas Geske (Hagen) und Besnik Bekteshi (Kirchheim) dazu.

Erstmals in Deutschland werden die beiden US-Amerikaner Frank Gaines (Stettin/POL) und Rakeem Buckles (Rieti/ITA) auflaufen. Während sich Combo-Guard Gaines in der Saisonvorbereitung nicht nur als treffsicherer Werfer, sondern auch als Defensivspezialist präsentierte, konnte Power Forward Buckles noch nicht überzeugen. Direkt von der Eastern Kentucky University kommt Jarelle Reischel. „Er kann aufgrund seiner Größe gleich mehrere Positionen spielen. Das macht ihn – neben seinem deutschen Pass – natürlich sehr interessant für uns“, sagt Trainer Andreas Wagner.

Tipp:Andreas Wagner ist ein Spezialist in Sachen Erstligaaufstieg und Klassenerhalt. Vor seiner Zeit in Vechta führte Wagner schon Nördlingen und Bayreuth in die Bundesliga und dort jeweils zum sportlichen Klassenerhalt. Der Kader ist interessant zusammengestellt, für Wagner scheint das „Triple“ greifbar.

Nicht bewertet

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